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Helmut Kohls Grab: Dauerstreit beigelegt – so sieht die Ruhestätte aus

Nach dem Ende seiner Kanzlerschaft wurden Helmut Kohls zerrüttete Familienverhältnisse öffentlich. Seine Hinterbliebenen stritten auch um sein unfertiges Grab. Nach Jahren des Streits ist die Gestaltung von Helmut Kohls Grab abgeschlossen. In Speyer steht nun ein rund 2,50 Meter hoher Gedenkstein aus hellgelbem Sandstein mit der Inschrift "Kanzler der Einheit" und "Ehrenbürger Europas". Die Schrift wurde von Hand in den Stein gehauen. Rund um den Stein liegt ein Steinfeld, das die Grabfläche markiert. Es soll verhindern, dass Besucher auf die Ruhestätte treten. Eine Bank und ein QR-Code, der zu Informationen über Leben und Werk Kohls führt, runden die Anlage ab. Kohls Witwe Maike Kohl-Richter (61) erklärte, für sie sei "immer klar gewesen, dass das Grab letztlich Denkmalcharakter haben muss". Der Ort liege "mitten im Leben", im Adenauerpark in Speyer, nicht auf einem Friedhof. "Das Grabmal passt wunderbar in die Umgebung", sagte sie. Es sei "stattlich, aber nicht erdrückend. Schlicht, aber würdig. Klar, aber freundlich". "Das Ganze war ein intensiver Reifeprozess", so Kohl-Richter weiter. "Wir haben es ja gewissermaßen für die Ewigkeit gestaltet." Die Kosten für die Gestaltung trage sie selbst. Kanzler der Einheit – Patriarch einer zerstrittenen Familie Helmut Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler und Architekt der deutschen Wiedervereinigung. 2017 starb er im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen . Am 1. Juli desselben Jahres wurde er im Adenauerpark in Speyer beigesetzt. Der CDU-Politiker prägte die Bundesrepublik über Jahrzehnte – als Landesvater in Rheinland-Pfalz, Parteivorsitzender und Kanzler der Einheit. Er setzte sich für die Vertiefung der europäischen Integration ein und kämpfte gegen große Widerstände für die Einführung des Euro. Kohl hinterließ zwei Söhne aus seiner ersten Ehe mit Hannelore Kohl. Sie war 41 Jahre lang seine Partnerin, bis sie sich 2001 das Leben nahm. Ihr Tod offenbarte die tiefe Entfremdung innerhalb der Familie. Sohn Walter machte den Vater öffentlich mitverantwortlich und verarbeitete den Bruch in seinem Buch "Leben oder gelebt werden". Auch sein Bruder Peter beschrieb ein distanziertes Verhältnis. 2008 heiratete Kohl die Volkswirtin Maike Richter, die ihn bis zu seinem Tod pflegte. Das Verhältnis zwischen ihr und den Söhnen gilt seither als zerrüttet. Streit um Kohls Grab Seit der Beisetzung 2017 war die Ruhestätte mehrfach Gegenstand von Auseinandersetzungen. Das erste Grab war mit einem vorübergehenden Holzkreuz schlicht gestaltet. Später ließ Maike Kohl-Richter das Areal einzäunen und mit einer Kamera überwachen. Das kritisierten Kohls Söhne mehrfach – ihr Vater hätte es nicht so nicht gewollt, erklärten sie. 2022 wurde die Kamera entfernt, der Zaun blieb zunächst stehen. Walter Kohl nannte den Zustand des Grabes mehrfach "unwürdig" und sprach von einem "lieblosen Provisorium". Auch Kohls Enkel und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann forderten 2024 eine würdige Grabstätte. Kritik gab es auch an den Bauarbeiten, die Kohl-Richter über die Medien angekündigt und für die sie mit einem Schild um "Respekt und Geduld" gebeten hatte. Trotzdem sollen Besucher den Sichtschutz beiseitegeschoben und Arbeiter am Grab ungefragt fotografiert haben. "Null Verständnis", sagte Kohl-Richter, habe sie für den "Voyeurismus" mancher Menschen und "überhaupt das mediale Kesseltreiben, das seit Jahren zum Grab betrieben" werde. "Das ist respektlos und unwürdig. Ein Grab ist ein Grab und außerdem Privatangelegenheit." Mit Abschluss der Arbeiten endet ein jahrelanger Gestaltungsprozess am Grab eines der prägendsten Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte. Entstanden ist ein Platz, der vieles ist: Erinnerungsort, Denkmal, Grab.

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