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Valposchiavo – Nach Tirano !

Es ist ein heisser Tag heute und ich hab keine Beine für die Col d’Anzana Tour nach Tirano. Also selber die Karte gelesen und eine eigene Tour ins Veltlin runter zusammengestellt. Zuerst geht es entlang der Stromleitungstrails (Tour 437). Raus aus Poschiavo (1022m), rüber zum Ospedale San Sisto und rauf in den höhergelegenen Weiler Cologna. Beim Pt 1179 unterquere ich erstmals die der Tour namensgebende Hochspannungsleitung.

Hundert Höhenmeter weiter biege ich in den spassigen Singletrail ein, der im Auf und Ab der Stromleitung und dem Berghang folgt. Der Trail führt runter bis nach Plazz ans Ufer des Lago di Poschiavo (962m). Ein Bikeverbotsschild unterbricht die Tourenplanung! Dann spiele ich mal mit und stosse das Bike durch malerische Tunnel den felsigen Uferweg entlang. Es tut auch gar nicht weh!

Es lohnt sich, es gibt schöne Aussichten aufs andere Seeufer. Ein Blick auf die Blumen am Wegesrand entschädigt für die entgangenen Fahrkilometer. Bei Miralago muss ich etwas kreativ sein, da es im engen Talgrund keine Bikewege gibt. Der Wanderweg entlang der Talstrasse und dann durch den Wald tut es auch und so quere ich rüber nach Ginetto (891m).

Ein steiles Strässchen führt rauf bis nach Viano (1268m). Bei 39°C wollen Kräfte und Wasservorrat gut eingeteilt werden. Ich kurble so langsam wie möglich und geniesse das zunehmende Panorama runter nach Brusio, den legendären Kreisviadukt der Berninabahn immer im Blick.

In Viano rettet mich das Ristorante mit kühlem Citro vor dem Hammermann. Der Rest des Aufstieges bis La Dogana, der ehemaligen Zollstation, ist dann leicht geschafft. Bald erreiche ich die Grenze zum Veltlin, welche mit einem schmucklosen rot-weissen Grenzpfosten markiert ist.

Es folgen 900 Höhenmeter auf einem schönen alten Weg runter nach Tirano (448m). Einzig die alte Pflästerung ist etwas anspruchsvoll. Die Vegetation bekommt markant ein mediterranes Flair. Am Wegesrand erzählen Gedenktafel an die Schmugglerzeit in den 60er Jahren, in denen das Val Poschiavo halb Italien mit Zigaretten versorgte, geduldet von der Schweizer Bundeskasse. Ein Grab, wo eine 20 Jährige Schmugglerin des Nachts von einem Zollbeamten erschossen wurde, zeugt von der dunklen Seite dieses Wirtschaftszweiges.

Oberhalb von Tirano machen italienische Biker die Wegführung, steil geht es auf uralten Pfaden in der Falllinie durch Reben und Palmen bis zum Talboden. In der Altstadt, auf der Brücke über den Adda, endet diese Tour. Ich mache etwas Sightseeing in der dank Siesta ausgestorbenen Stadt, schlendere etwas durch die Gassen, vorbei am Palazzo Salis. Ein Bier auf der Piazza gibt es trotzdem noch.

Zurück geht es mit der Rhätischen Bahn nach Poschiavo. Dank offenen Fenstern kann man die fantastische Bahnstrecke einmal mehr geniessen. Und das für 5.10 CHF für das Velo, der Fahrpreis ist in der Gästekarte inklusive. Übrigens tun mir da die Bernina Express Touristen im klimatisierten Wagen fast etwas leid. Unglaublich wie sich die Bahn hier das steile Tal hocharbeitet.

Fazit: Selbstgebastelte Touren sind immer gut und im Val Poschiavo kann man kaum etwas falsch machen. Zum Tagesabschluss gibt es ein kräftiges Plättli mit Aperol Spritz und einem Glas Rotwein auf der Terrasse des Hotels. So muss eine Tour enden!

Statistik 25.4 km, ca. 922 Höhenmeter, Fahrzeit 3:37 h, ca. 1425 Höhenmeter abwärts

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