DFB: Effenberg ordnet Sané-Nominierung ein – und lobt
Leroy Sané ist in den deutschen Kader zurückgekehrt. t-online-Kolumnist Stefan Effenberg ordnet die Entscheidung ein – und gibt dem Offensivakteur einen Rat. Was war das für ein Auftritt des FC Bayern beim 2:1 in der Champions League bei Paris Saint-Germain am Dienstag! Wie die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany in der ersten Halbzeit im Prinzenparkstadion aufgetreten ist, das war herausragend. Auf allerhöchstem Niveau haben die Bayern nicht nur mit PSG mitgehalten, sie waren die bessere Mannschaft, gingen früh in Führung, hatten Chancen. Was die Münchner aber in der zweiten Spielhälfte geboten haben, hat mich mindestens genauso beeindruckt. 45 Minuten plus Nachspielzeit in Unterzahl zu bestehen, in Paris, beim Champions-League-Titelverteidiger – das muss man erst mal schaffen. Das war insgesamt ein völlig verdienter Erfolg der Bayern in einer hochklassigen, auch hochspannenden Partie. Tah und Upamecano? Ganz groß Mit diesem 2:1-Sieg haben Kompany und seine Spieler einen Beweis abgeliefert. Der FC Bayern 2025/26 kann bisher alles, was man sich von einer Mannschaft wünscht: Offensiv dominant und mit Spielfreude Tore erzielen – und gleichzeitig aber im Verbund geschlossen, konzentriert und seriös verteidigen. Diese Qualität wurde in den vorangegangenen 15 Spielen nur selten richtig geprüft und deshalb auch von der Öffentlichkeit kaum beachtet oder sogar angezweifelt. Nun aber waren die Bayern in Paris richtig gefordert und haben diese Prüfung mit Bravour bestanden. Zwei Spieler muss ich dabei bedingt herausheben. Denn das, was Jonathan Tah und Dayot Upamecano abgeliefert haben, war ganz groß. Jetzt macht es sich für sie bezahlt, dass Kompany früher auf derselben Position lange Jahre Weltklasse war und ihnen aus seinem reichen Erfahrungsschatz jeden Tag im Training etwas mitgibt. Davon profitieren beide – und auch der FC Bayern. Gerade Upamecano hat einen enormen Entwicklungssprung vollzogen. Er war ja in der Vergangenheit auch mal ein Unsicherheitsfaktor in der Bayern-Abwehr, anfällig für Aussetzer und Unkonzentriertheiten. Aber das ist anscheinend schon eine Ewigkeit her, denn 2025/26 überzeugt Upamecano mit konstant starken Leistungen, ist unumstrittener Stammspieler. Ich bin sicher: Kompany war das Beste, das ihm passieren konnte. Sein Fortschritt ist der Verdienst des Trainers. "Ich möchte, dass wir es genießen, wenn wir verteidigen müssen", sagte Kompany nach der Partie – und das ist ein Satz, der eigentlich Aufsehen erregen sollte. Denn genau darauf kommt es auf diesem Niveau an. Kompany weiß auch: So wie gegen PSG werden die Bayern in der Bundesliga nur ganz selten mal gefordert, ein derart starker Gegner wie die Franzosen ist deshalb genau das, was er sich wünscht, und auch, was seine Spieler sich wünschen. In solchen Partien müssen sie nämlich an ihre Grenzen gehen und alles abrufen, was sie haben. Eine Aktion von Kompany spricht übrigens Bände. Haben Sie gesehen, wie er nach dem Schlusspfiff in Paris jubelnd auf den Platz gelaufen ist, um mit seinen Spielern zu feiern? Das hätte er nach einem hart erkämpften Sieg in der Bundesliga, den es ja auch mal gibt, nicht getan. Nein, er wusste genau, was seine Mannschaft bei PSG gerade gezeigt hatte und mit welchen Umständen sie dort zurechtkommen musste. Gnabrys Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache Natürlich hat der Platzverweis für Luis Diáz das Spiel auf den Kopf gestellt. Das war eine ganz unglückliche, unüberlegte Aktion des Kolumbianers. So ein hartes Foul, dazu noch an der Mittellinie, darf einem so erfahrenen Spieler einfach nicht passieren. In so einer Situation kurz vor der Halbzeit, mit einer 2:0-Führung im Rücken, da lässt du einen Gegenspieler in diesem Bereich auch mal laufen. Was soll schon passieren? Das war einfach schlecht von ihm, auch wenn er zuvor beide Tore der Bayern erzielt hat. Die Rote Karte war daher völlig unstrittig. Unstrittig ist indes auch, dass Diáz' Teamkollege Serge Gnabry weiter in Bestform spielt. Mit seinen aktuellen Leistungen ist er aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Sein Problem war ohnehin nie die Konstanz auf dem Platz. 97 Tore und 65 Vorlagen in 299 Pflichtspielen sprechen eine eindeutige Sprache. Er hatte nie die Inkonstanz eines Leroy Sané , der gerne mal von einem Spiel zum nächsten zwischen ganz stark und ganz schwach schwankte. Gnabry wurde aber wiederholt von größeren und auch kleineren Verletzungen zurückgeworfen. 82 Pflichtspiele hat er seit seinem Wechsel nach München 2017 für den deutschen Rekordmeister und die deutsche Nationalmannschaft verpasst. Nun aber kommt für ihn alles zusammen: Er ist topfit, er bekommt natürlich auch durch den Ausfall von Jamal Musiala die nötige Einsatzzeit, und Kompany vertraut ihm. Steht der Bayern-Trainer jetzt vor einem Luxusproblem, wenn Musiala wieder einsatzbereit ist? Das sehe ich nicht so. Im Gegenteil hat er dann doch mehr Möglichkeiten, einem Gnabry oder einem Michael Olise auch mal eine Auszeit zu geben, während sich Musiala gleichzeitig wieder zurück zu alter Form spielen kann. Dazu wird Kompany ihn in einem längeren Prozess langsam wieder heranführen. Ich sage aber auch: So beeindruckend dieses 2:1 auch gewesen sein mag, die schwerste Aufgabe, die größte Herausforderung wartet noch auf die Bayern. Am kommenden Spieltag nämlich müssen sie nach London zum FC Arsenal . Die "Gunners" schätze ich beim aktuellen Leistungsstand noch stärker ein als PSG. Das ist eine stimmige, eingespielte, hochklassig besetzte Mannschaft mit einem erfahrenen Trainer an der Seitenlinie. Mikel Arteta ist schon seit 2019 verantwortlich. Nicht der FC Liverpool , nicht Manchester City , sondern dieses Arsenal führt die Premier League momentan an. Sechs der letzten sieben Ligaspiele wurden gewonnen, in Europa ist die Bilanz mit vier Siegen aus vier Partien und null Gegentoren makellos. Das ist ein Ausrufezeichen. Und eine Warnung an den FC Bayern. Das ist eine auffällige Schwäche von Adeyemi Gewarnt hätte auch Borussia Dortmund sein sollen. 1:4 bei Manchester City am Mittwoch , da müssen sie sich erst einmal schütteln. Dabei hatten sie tatsächlich stark begonnen, legten in der Anfangsphase so los, dass man denken konnte, beide Mannschaften hätten die Trikots vertauscht. Aber: Dieser starke Auftritt währte gerade einmal 15 Minuten. Spätestens nach dem 0:1 durch Phil Foden war dann ein Bruch im Spiel des BVB , von dem sie sich nicht mehr erholen konnten. Man muss es so sagen: Das war zeitweise ein Klassenunterschied, Dortmund wirkte in Phasen des Spiels überfordert, hatte der individuellen Qualität von City nichts entgegenzusetzen. Aber sie können aus Manchester auch etwas Positives mitnehmen: Trotz der Überlegenheit der Gastgeber ist der Sieg zu hoch ausgefallen. Dortmund hatte schließlich auch Chancen, hätte gleich zweimal durch Karim Adeyemi zwischenzeitlich auf 2:3 verkürzen können, der Nationalspieler vergab aber beide Möglichkeiten. Nicht zum ersten Mal übrigens. Auch im DFB-Trikot ließ er zuletzt eine "Hundertprozentige" im Spiel in Nordirland liegen. Daran muss er unbedingt arbeiten, das ist schon eine auffällige Schwäche. In einer sehr stabilen Dortmunder Saison war dieses Spiel der erste wirklich herbe Schlag. Trotzdem muss der BVB dieses 1:4 nun schnell abhaken – und das wird ihnen auch gelingen. Denn sie treten bisher zu gefestigt auf, als dass sie dieses Spiel nun groß aus der Bahn werfen könnte. Leverkusen erfordert diese Saison Geduld Ein wenig zurück in die Spur gefunden hat dagegen wohl Eintracht Frankfurt . Beim 0:0 bei der SSC Neapel konnte die SGE am Dienstag zwar nicht gewinnen, aber dennoch ein Erfolgserlebnis mitnehmen: Die Mannschaft von Trainer Dino Toppmöller hat mal wieder zu null gespielt, erst zum dritten Mal in dieser Saison. Das wird den Frankfurtern wieder Auftrieb geben. Aber sie müssen auch erkennen, dass sie in der Bundesliga taktisch anders ausgerichtet sein müssen. Toppmöllers Aufgabe ist es nun, endlich die richtige Balance im Spiel seiner Elf zu finden. Immer nur nach vorn, immer nur offensiv, immer nur Hurra-Fußball – das geht nicht. Das 6:4 vor wenigen Wochen bei Borussia Mönchengladbach , als es trotz zwischenzeitlicher 6:0-Führung noch einmal eng wurde, sollte ihnen da noch immer als Mahnung gelten. Wenn sie jetzt endlich auch die defensive Stabilität hinbekommen, um Spiele auch mal souverän zu Ende zu spielen, dann ist in der Bundesliga auch mehr drin als aktuell Platz acht. Souverän gespielt hat derweil Bayer Leverkusen bei Benfica Lissabon : Das 1:0 war vielleicht nicht die beste Leistung der "Werkself", aber ein wichtiger Sieg zur richtigen Zeit . Sie hatten bisher nur zwei Punkte auf dem Konto, wurden von PSG am vergangenen Spieltag mit 7:2 vermöbelt, mussten gewinnen – und haben geliefert. Bei Bayer ist es in dieser Saison ein Prozess, der Geduld erfordert – und zwar von allen: der Klubführung, Trainer Kasper Hujlmand, der Mannschaft und vom Umfeld. Gegen Benfica hat Leverkusen mit einer extrem jungen Abwehrreihe gespielt, deren Durchschnittsalter gerade einmal 24 Jahre betrug – und Jarrell Quansah, Edmund Tapsoda und Loic Badé haben das ganz hervorragend gemacht. Mich hat es auch sehr für Bayer-Torwart Mark Flekken gefreut – so ein Zu-null-Spiel ist immer schön und stärkt das Selbstbewusstsein. Hier und da hatte er immer wieder mal einen Wackler drin, dazu wartet der frühere Leipziger Janis Blaswich in seinem Rücken. Da wird es ihm guttun, dass er diesen Sieg fest- und seinen Kasten sauber halten konnte. Und so bleibt nach diesem Champions-League-Spieltag die eigentlich positive Erkenntnis: Alle vier deutschen Mannschaften sind noch im Rennen um die nächste Runde der Königsklasse: Die Bayern und der BVB sind auf bestem Weg, sich direkt zu qualifizieren, und auch für Frankfurt und Leverkusen sind die Playoffs noch nicht ganz außer Reichweite. Das kann uns als Fußballfans doch nur freuen – und macht Lust auf die nächsten Wochen in Europa. Das ist nicht verkehrt vom Bundestrainer Nun steht erst einmal die letzte Länderspielpause des Jahres an. Für die Spiele gegen Luxemburg (14.11.) und die Slowakei (17.11.) hat Bundestrainer Julian Nagelsmann überraschend Saïd El Mala vom 1. FC Köln nominiert. Der 19-Jährige hatte in den vergangenen Wochen mit starken Leistungen in der Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht. Ich finde es grundsätzlich nicht verkehrt vom Bundestrainer, einem jungen Spieler wie El Mala schon mal einen ersten Eindruck von der Nationalmannschaft zu geben, ihm zu zeigen, dass die Tür zur DFB-Elf offen steht. Genau darum wird es ihm schließlich mit der Berufung des Kölners gehen: Nagelsmann will sehen, wie sich El Mala in der Gruppe verhält, wie er sich einfügt. Die Einsatzzeit in den beiden Spielen ist da zweitrangig. Ich hoffe und wünsche, dass sich El Mala dementsprechend weiterentwickelt, dass ihm diese Nominierung guttut. Aufsehen erregt hat auch die Rückkehr von Leroy Sané. Aber: Die hat er sich verdient. Mit Galatasaray führt er die türkische Süper Lig an, spielt nach anfänglichen Schwierigkeiten nun auch gut auf, sowohl in der Liga als auch in der Champions League. Sané muss einfach konstant und regelmäßig keine Weltklasse-Leistungen, sondern einfach gute Leistungen bringen, dann ist er immer ein Kandidat. So auch jetzt. Nagelsmann belohnt ihn für seine jüngsten Auftritte im Verein. Damit zeigt der Bundestrainer wieder einmal: Kein Spieler ist abgeschrieben. Und das ist ein deutliches Zeichen.