Gebäudeversicherungen könnten wegen Leitungswasserschäden teurer werden
Der finanzielle Schaden durch geplatzte Rohre und undichte Leitungen erreicht ein neues Rekordniveau. Das könnte zu deutlich höheren Kosten bei Versicherungen führen. Im Jahr 2024 mussten Versicherer knapp fünf Milliarden Euro für Leitungswasserschäden zahlen – mehr als doppelt so viel wie noch zehn Jahre zuvor. Damit sind sie der mit Abstand größte Kostenfaktor für Wohngebäudeversicherungen . Schon jetzt entfällt über die Hälfte aller Schäden an Wohngebäuden auf Lecks im Leitungssystem. Die Zahlen sind nicht nur für Versicherungen, sondern auch für Hausbesitzer alarmierend. Denn die stark gestiegenen Schadenssummen könnten sich bald in deutlich höheren Beiträgen niederschlagen. Darauf weist der unabhängige Geldratgeber "Finanztip" hin. Doch woran liegt der Anstieg und was können Eigentümer tun, um sich zu schützen und gleichzeitig Geld zu sparen? Veraltete Leitungen – das unterschätzte Risiko Der starke Anstieg der Schadenssummen hat einen klaren Auslöser: alte Wasserrohrleitungen. In vielen Wohngebäuden steckt noch immer veraltete Bausubstanz. Je älter die Rohre, desto höher das Risiko, dass sie reißen, platzen oder unbemerkt lecken. Undichte Stellen verursachen dabei nicht nur hohe Reparaturkosten, sondern auch immense Schäden an Böden, Wänden und Möbeln. Elementarschäden: Mit dieser Versicherung sind Sie geschützt Noch immer gültig: Diese DDR-Versicherungen sollten Sie behalten Die Statistik zeigt, wie groß das Problem ist: Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat sich der Aufwand für Leitungswasserschäden von gut 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 4,9 Milliarden Euro im Jahr 2024 mehr als verdoppelt – ein Plus von rund 110 Prozent. Allein seit 2019 sind die Kosten um 60 Prozent gestiegen. Kaum ein anderer Schadensbereich hat sich in den letzten Jahren derart verteuert. Ein weiterer Grund für die hohen Kosten: Leitungswasserschäden entwickeln sich oft schleichend und bleiben zunächst unbemerkt. "Während ein Sturmschaden sofort sichtbar ist, können Wasserlecks über Tage oder Wochen unentdeckt bleiben und sich ungehindert ausbreiten", erklärt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von "Finanztip". Das treibe die Reparaturkosten zusätzlich in die Höhe und stelle für die Versicherer eine enorme Belastung dar. So handeln Sie im Ernstfall richtig Ein Leitungswasserschaden trifft Hausbesitzer oft unvorbereitet und kann binnen Stunden enorme Schäden anrichten. Umso wichtiger ist es, im Ernstfall schnell und überlegt zu reagieren. Sulilatu warnt: "Viele Hausbesitzer unterschätzen das Risiko. Dabei kann ein kleines Leck große finanzielle Folgen haben, wenn es unentdeckt bleibt." Wasserschäden: "Alle 30 Sekunden entsteht ein Leck" Versicherungsschutz: Darf die Waschmaschine während Ihrer Abwesenheit laufen? Kommt es zu einem Wasserschaden, zählt jede Minute. Drehen Sie sofort den Haupthahn zu, um den Wasseraustritt zu stoppen. Danach sollten Sie alle betroffenen Stellen fotografisch dokumentieren – idealerweise bevor erste Aufräumarbeiten beginnen. Diese Beweisfotos helfen bei der späteren Regulierung durch die Versicherung. Anschließend ist der Schaden umgehend der Versicherung zu melden, am besten noch am selben Tag. Wichtig zu wissen: Nach einem größeren Schaden kann die Versicherung den Vertrag kündigen, selbst wenn sie die Kosten übernommen hat. "Wer dann eine neue Police sucht, wird es schwer haben", sagt Sulilatu. Für Eigentümer bedeutet das: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Durch regelmäßige Wartung und gegebenenfalls eine Sanierung alter Leitungen lassen sich viele Risiken vermeiden. So senken Sie Ihre Versicherungsprämie Wer sein Haus in Schuss hält, kann bei der Wohngebäudeversicherung deutlich sparen. Besonders stark profitieren Eigentümer, die ihre Immobilie kürzlich gebaut oder umfassend saniert haben. Laut Finanztip zahlen sie – bei gleicher Lage und gleichem Tarif – bis zu 500 Euro weniger pro Jahr als Besitzer unsanierter Altbauten. Selbst eine einfache Meldung an die Versicherung kann bares Geld bringen. "Wer neue Rohre verlegen lässt oder sein Haus umfassend modernisiert, sollte das unbedingt mitteilen und einen Beitragsnachlass fordern", rät Finanztip-Chefredakteur Sulilatu. Oft genügt bereits ein kurzer Hinweis auf die Sanierung, um mehrere hundert Euro pro Jahr zu sparen. Lässt sich der Versicherer auf keine Nachverhandlung ein, empfiehlt Finanztip den Vergleich alternativer Anbieter. Onlineportale wie Mr. Money oder Fairfekt ermöglichen es, Tarife mit denselben Leistungen zu vergleichen. So erkennen Sie schnell, ob ein anderer Anbieter besseren Schutz zu einem günstigeren Preis bietet.