IBAN-Diskriminierung: Deutsche Unternehmen lehnen Ausländer oft ab
Obwohl es rechtswidrig ist, kommt es im Ausland immer wieder zu Problemen mit deutschen IBANs. Und auch Ausländer werden in Deutschland wiederholt diskriminiert. Deutschland gehört zu den Ländern in Europa, in denen es am häufigsten zur sogenannten IBAN-Diskriminierung kommt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Brancheninitiative "Accept my IBAN", die auf dieses Problem aufmerksam machen will. Seit 2014 ist eigentlich geregelt, dass innerhalb der SEPA-Region (EU-Länder plus weitere Länder wie Island , Norwegen , die Schweiz und Großbritannien) jede von dort stammende IBAN grundsätzlich akzeptiert werden muss. Trotzdem werden in bestimmten Ländern ausländische IBANs immer wieder diskriminiert, so die Initiative. Die Länderzugehörigkeit einer IBAN erkennt man anhand der ersten beiden Buchstaben. Für deutsche IBANs ist es "DE". Ausländer werden in Deutschland besonders oft diskriminiert Laut einer Auswertung des Finanzinstituts Wise, das sich der Initiative angeschlossen hat, gingen etwa 17 Prozent der gemeldeten Fälle von IBAN-Diskriminierung auf Deutschland zurück. Damit belegt Deutschland nach Frankreich (26 Prozent) und Spanien (18 Prozent) Platz drei in der Rangliste. Auch für Deutsche, die im Ausland leben , treten vermehrt Probleme auf. So würden fast 22 Prozent der gemeldeten Fälle auf Auslandsdeutsche zurückzuführen sein. Dabei geht die Untersuchung nur auf die Daten von "Accept my IBAN" ein. Die Dunkelziffer der tatsächlichen Fälle liegt der Initiative zufolge mutmaßlich noch viel höher und könnte Hunderttausende Verbraucher betreffen. Die IBAN-Diskriminierung führt dazu, dass Ausländer in dem Land, in dem sie wohnen, potenziell keine Handy-, Strom- oder Streamingverträge abschließen können. In Deutschland etwa ist es ohne deutsche IBAN nicht möglich, ein Deutschlandticket zu abonnieren. Unternehmen werden selten bestraft "Trotz klarer EU-Regeln, die Unternehmen zur Akzeptanz aller EU-IBANs verpflichten, bleibt IBAN-Diskriminierung in vielen Ländern – auch in Deutschland – praktisch folgenlos", sagt Magali Van Bulck von Wise zu den Ergebnissen. Auch wenn gegen Verstöße gerichtlich vorgegangen werde, falle die Strafe oft milde aus. "Das zeigt das Kernproblem: In Deutschland fehlen klare Sanktionen und viele Unternehmen nehmen das Risiko bewusst in Kauf". Zu den deutschen Unternehmen, die Wise konkret als Übeltäter ausmachen konnte, gehören die Hanseatic Bank, die Deutsche Bahn , Vodafone , Lufthansa , Vattenfall, Gasag und das Vergleichsportal Check24. Kunden hatten erfolglos versucht, mit ihren ausländischen IBANs Rechnungen bei diesen Anbietern zu begleichen, bevor sie sich an "Accept my IBAN" und Wise wandten. Grundsätzlich sind den Daten zufolge der Finanzsektor und der öffentliche Sektor am häufigsten mit Problemen in Verbindung zu bringen, gefolgt von Telekommunikationsunternehmen und E-Commerce-Unternehmen. Am häufigsten von Diskriminierung betroffen sind Wise zufolge Bankverbindungen aus Belgien , Litauen , Deutschland, den Niederlanden und Frankreich.