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Die Mammutaufgaben des Rouven S.

Mit dem Verkauf von Oscar Fraulo und der Leihe von Kota Takai hat Rouven Schröder seine ersten Transfers als Borussias Sportchef getätigt. Dies kann und wird aber nur der Anfang gewesen sein für eine Neugestaltung des Kaders, die mehr Zeit beanspruchen wird als ihm bis zum Ende dieser Transferperiode am 2.2.26 zur Verfügung steht. Im Folgenden seien die Herausforderungen untersucht, die auf den neuen Sportdirektor in den kommenden Monaten und Jahren zukommen, um Borussia wieder eine positive(re) Zukunftsperspektive zu bieten und so die Verfehlungen seines Vorgängers in der Kaderplanung zu korrigieren.

Auch der sportliche Start in das Jahr 2026, und damit speziell das Gastspiel des FC Augsburg im Borussia-Park, wird Einfluss nehmen auf die Entscheidungen des Sportkopfs. Zur Erinnerung: Im Februar 2025 überraschten die Fuggerstädter mit einem fulminanten 3:0-Auswärtssieg. Es war eine von neun Gladbacher Heimniederlagen im Jahr 2025, denen nur traurige drei Siege gegenüberstanden. Eine der Hauptaufgaben für Eugen Polanski 2026 wird es sein, Borussias Heimstärke wiederzubeleben.

Damit sollte er idealerweise gleich am Sonntagnachmittag anfangen, um den derzeit etwas trügerisch wirkenden Vorsprung auf die Abstiegsplätze zu festigen und idealerweise auszubauen. Andernfalls könnte sich Rouven Schröder unter Druck gesetzt fühlen, bis zum Ende der Wintertransferperiode weitere Soforthilfen verpflichten zu müssen. Wesentlich entspannter wäre es dagegen, wenn er sich stattdessen primär um die mittel- bis langfristige Ausbesserung der Kaderhomogenität kümmern könnte, wo sich ihm mehr als genug Baustellen auftun.

Führungsspieler gesucht

Bei der (langfristigen) Kaderzusammensetzung wird es primär auf drei Aspekte ankommen: Erstens: Die Spieler müssen vom Charakter zur Borussia passen und sie weiterbringen. Aktuell fehlen der Mannschaft die Führungsspieler, die in schwierigen Zeiten die Mannschaft mitreißen, so wie es einst Stranzl und Galasek oder erst recht Effenberg und Xhaka getan haben. Der Schweizer hat in Gladbach, Leverkusen und aktuell in Sunderland auf imposante Weise nachgewiesen, welche Wirkung ein zentraler Leitwolf auf den Mannschaftserfolg haben kann. Im aktuellen Borussen-Kader findet sich ein solcher Charakter bislang nicht wirklich.

Als zweites muss Borussias Sportchef die aktuelle Zusammensetzung des Kaders auf den einzelnen Positionen im Blick behalten. Das derzeitige Überangebot im defensiven Mittelfeld sowie die Lücken in der rechten Verteidigung hat Schröder mit den ersten beiden Transfers des Winters bereits ins Visier genommen. Insbesondere auf den Außenbahnen besteht aber weiterhin dringlicher Bedarf.

Dies hat nicht zuletzt mit dem dritten Aspekt zu tun, den Schröder in seiner Kaderplanung zu berücksichtigen haben wird: die Vertragslaufzeiten und -konditionen. In der Schlussphase unter Eberl sowie fortgesetzt unter Virkus war hier vielfach Flickschusterei betrieben worden mit der Folge einiger ablösefreier Wechsel, die zum fortlaufenden Abwärtstrend beigetragen haben.

Bevor wir uns den Kader auf den einzelnen Positionen anschauen, sei der Blick daher zunächst auf die auslaufenden Verträge der nächsten beiden Spielzeiten gerichtet.

Auslaufende Verträge 2026

Mit Engelhardt, Tabakovic und Takai laufen im Sommer drei Leihverträge mit (potenziellen) Stammspielern aus, die Schröder voraussichtlich gern in Mönchengladbach wird halten wollen. Sollte dies nicht gelingen, wird für die jeweilige Position ab der neuen Saison ein anderer Spieler benötigt.

Die Verträge von Sippel und Friedrich werden mit ziemlicher Sicherheit nicht verlängert, wodurch immerhin etwas Geld frei wird. Luca Netz scheint ebenfalls keine großen Ambitionen zu haben, seine Zeit in Mönchengladbach zu verlängern. In den Verträgen von Spielern wie Reitz und Elvedi sind zudem Ausstiegsklauseln installiert, die im Sommer einen Abgang für 20 bzw. 10 Mio. Euro ermöglichen sollen. Insbesondere bei Reitz ist es eine realistische Option, dass diese gezogen werden könnte.

Auslaufende Verträge 2027

Als wenn dies nicht bereits mehr als genügend Baustellen für Schröder wären, so muss der Blick ebenfalls schon auf das folgende Jahr ausgerichtet werden. In der kommenden Saison besteht die letzte Chance, für zahlreiche Spieler noch eine Ablöse zu kassieren, was für einen ökonomisch limitierten Verein alternativlos ist. Mit Omlin und Stöger stehen zwei Gutverdiener zum Verkauf, für die es schwierig werden könnte, einen Abnehmer zu finden. Auch bei Florian Neuhaus, Joe Scally und Nico Elvedi scheiterte dieses Vorhaben in der Vergangenheit daran, dass kein anderer Verein bereit war, ihre Gehaltsvorstellungen zu akzeptieren. Mit Blick auf ihre 2027 auslaufenden Verträge wird Schröder im Sommer voraussichtlich erneut gesprächsbereit sein, auch wenn er dann drei aktuelle Stammspieler wird ersetzen müssen.

Bei den Langzeitverletzten Ngoumou und Chiarodia sind die Verkaufsperspektiven derzeit etwas begrenzt. Der Italiener könnte ein Kandidat für ein Leihgeschäft sein, um anderswo die dringend benötigte Spielpraxis zu erhalten und seine Konzentrationsschwächen in den Griff zu bekommen. Dies wäre aber nur im Verbund mit einer Vertragsverlängerung sinnvoll, sofern Polanski und Schröder weiterhin ein entsprechendes Entwicklungspotenzial sehen.

Eine Zukunftsperspektive sollte in jedem Fall Lukas Ullrich haben, der noch zum Ende der letzten Saison von einer deutlichen Gehaltsaufstockung geträumt hat. Seine Leistungen dieser Spielzeit rechtfertigen dies bislang zwar eher nicht. Da talentierte linke Außenspieler aber nicht so leicht zu finden sind und Borussia bereits mit einem Abgang von Luca Netz rechnen muss, wäre eine Verlängerung mit Ullrich unbedingt zu begrüßen.

Bedarf nach Positionen

Blicken wir vor diesem vertraglichen Hintergrund auf die jeweiligen Positionen, so offenbaren sich Schröder folgende Baustellen für das Jahr 2026:

Tor: Der Idealfall wäre, Moritz Nicolas langfristig an Borussia zu binden, damit dieser eine Ära wie einst Uwe Kamps oder Yann Sommer prägen könnte. Trotz seines Vertrags bis 2029 ist dies aber leider kein so wahrscheinliches Szenario. Aufgrund seiner starken Leistungen hat Nicolas bereits jetzt Begehrlichkeiten anderer Klubs geweckt. Unter Wert sollte Borussia ihn aber keinesfalls verkaufen. Die in diversen Artikeln kolportierten 20 Mio. Euro können allerhöchstens der Startpunkt für eine Verhandlung sein, deren Ergebnis am Ende deutlich höher liegen sollte. Nicolas ist im besten Torhüteralter und gehörte in den letzten eineinhalb Jahren zu den stärksten Torhütern der Bundesliga. Die Zeiten, in denen Torhüter dieser Qualität für Ramschpreise über die Transfertheke gegangen sind, liegen bereits einige Jahrzehnte zurück.

Positiv: Mit Pereira Cardoso verfügt Borussia bereits über einen möglichen Nachfolger. Zudem bleibt die Entwicklung von Marcello Trippel, Deutschlands U17-Nationaltorhüter, abzuwarten, sodass Borussia auf dieser Position einige spannende Zukunftsoptionen hat.

Innenverteidigung: Während mit Diks langfristig geplant werden sollte, sind die Aussichten bei Elvedi, Takai und Chiarodia angesichts ihrer kurzen Vertragslaufzeiten ungewiss. Hier wird Schröder auf die individuellen Entwicklungen reagieren müssen. Wechselt einer der dreien den Verein, so wäre die Position anderweitig neu zu besetzen. Für Marvin Friedrich sollte unabhängig davon so schnell wie möglich ein neuer Verein gefunden werden, der seinem Spielstil besser entgegenkommt.

Defensive Außenspieler: Auf beiden Seiten besteht aufgrund der Vertragssituationen von Netz und Ullrich bzw. Scally dringender Handlungsbedarf. Spätestens im Sommer 2026 sollten hier langfristig tragfähige Lösungen gefunden werden.

Defensives Mittelfeld: Aktuell ist Borussia auf dieser Position qualitativ und quantitativ ausreichend besetzt. Allerdings kann sich dieses schon im Sommer ändern. Sollten Engelhardt oder Reitz nicht zu halten sein, so wird Schröder reagieren müssen.

Offensives Mittelfeld: So erfreulich die Entwicklung von Florian Neuhaus in dieser Hinrunde bislang gewesen ist. Insgesamt waren seine Leistungen bei Borussia zu schwankend, um auf so einer wichtigen Position langfristig mit ihm zu planen. Zudem kostet er bekanntermaßen ein sehr hohes Gehalt, sodass eine Vertragsverlängerung über 2027 hinaus – mit dem dann nicht mehr schlechtesten Manager der Liga – nur zu deutlich geringeren Konditionen auszuhandeln wäre. Borussia wird auf dieser Position die Entwicklung von Reyna und insbesondere Mohya abwarten wollen, sodass hier vorläufig kein neuer Transfer zu erwarten ist. Sollte einer der beiden in seiner Leistung stagnieren und Stöger wie zu erwarten den Verein verlassen, dann könnte im Sommer eine offensive Alternative für die Breite im Kader erforderlich sein. Dies gilt gleichermaßen bei einem Abgang von Nathan Ngoumou. Der Durchbruch des Franzosen ist leider kaum noch zu erwarten, sodass eine Trennung in beidseitigem Interesse wäre.

Sturm: Mit Kleindienst und Tabakovic könnten Borussia in der Rückrunde zwei der spannendsten Stürmer der Liga zur Verfügung stehen. Unabhängig davon, ob es Polanski gelingt, ein System mit Doppelspitze zu finden, wäre ein Transfer von Tabakovic zu befürworten. Sollte dies nicht zu einem akzeptablen Preis möglich sein, wird Borussia einen anderen Ersatz für Kleindienst benötigen. Da sich Tomas Cvancara für diese Rolle in den letzten Jahren nicht empfehlen konnte, stellt er keine ernsthafte Alternative dar. Bei ihm kann es nur noch darum gehen, ihn möglichst kostenarm von der eigenen Gehaltsliste zu bekommen.

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