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Cashback im Supermarkt: Verbraucherzentralen warnen vor Bargeld-Engpass

Noch ist es verfügbar, aber längst nicht mehr selbstverständlich. Ein neuer Trend im Einzelhandel wirft die Frage auf, wie lange die Versorgung mit Bargeld wirklich gesichert ist. Bargeld ist unkompliziert, überall einsetzbar und hinterlässt keine Datenspur. Viele Kundinnen und Kunden greifen im Supermarkt noch immer ganz selbstverständlich zu Münzen und Scheinen. Genau deshalb ist für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) klar: Bargeld muss auch künftig flächendeckend verfügbar bleiben. Doch aus Sicht der Verbraucherschützer geschieht bislang zu wenig, um diese Versorgung langfristig zu sichern. Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim vzbv, warnt: Die Bargeldversorgung sei in Deutschland zwar aktuell noch vergleichsweise gut, doch der Trend zeige klar in eine andere Richtung. "Wenn wir Bargeld erhalten wollen, dürfen wir die Hände jetzt nicht in den Schoß legen", sagt Mohn. Selbst Länder wie Schweden , lange Vorreiter beim digitalen Bezahlen, stärkten ihre Bargeldinfrastruktur inzwischen wieder, ebenso Österreich , Belgien oder Lettland . Während es in Deutschland immer schwieriger wird, an Bargeld zu kommen, suchen Verbraucher nach neuen Wegen. Einer davon führt direkt an die Supermarktkasse. Doch was bedeutet dieser Trend für den Handel und wie stabil ist das System tatsächlich? Geld abheben beim Einkaufen: Cashback wird zum neuen Standard Onlinebanking, Filialschließungen und der Abbau von Geldautomaten verändern den Alltag spürbar. Wer Bargeld braucht, findet den nächsten Automaten oft nicht mehr "um die Ecke". Gleichzeitig etabliert sich eine Alternative: die Bargeldabhebung direkt beim Einkauf im Supermarkt oder in der Drogerie. Geldautomaten verschwinden: Warum die Bargeldversorgung immer schwieriger wird Per App im Geschäft: Paypal startet eine neue Bezahlfunktion Der sogenannte Cashback-Service wird immer beliebter. Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI zeigen, wie stark der Trend ist: Während Händler 2019 noch rund 2,23 Milliarden Euro an Kundinnen und Kunden auszahlten, waren es 2023 bereits mehr als 12,3 Milliarden Euro. Besonders häufig bieten große Lebensmittelhändler wie Rewe, Edeka oder Kaufland diesen Service an, ebenso Drogerien wie dm und Rossmann sowie Baumärkte. Für Verbraucher ist das bequem: Sie sparen sich den Weg zum Geldautomaten und verbinden Einkaufen und Bargeldversorgung in einem Schritt. Für den Handel hat diese Entwicklung jedoch eine Kehrseite. Teurer Service für den Handel: Wenn Bargeld zur Kostenfrage wird Denn das Auszahlen von Bargeld ist für Händler nicht kostenlos. Pro Abhebung fallen laut EHI Gebühren zwischen 0,1 und 0,2 Prozent des ausgezahlten Betrags an. Allein im Jahr 2023 mussten Händler dafür rund 17,23 Millionen Euro an Banken zahlen – ein Plus von 25,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für das laufende Jahr rechnen Experten mit weiter steigenden Kosten. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Immer mehr Menschen heben Bargeld ab, zahlen ihren Einkauf aber gleichzeitig mit Karte. Dadurch fließt weniger Bargeld in die Kassen der Geschäfte zurück – mit möglichen Folgen für die Bargeldversorgung vor Ort. Wenn die Kasse leer bleibt: Droht ein Bargeld-Engpass im Handel? Laut EHI-Daten sank der Anteil von Bargeld am Gesamtumsatz im Jahr 2023 um zwei Prozentpunkte auf 35,5 Prozent. Gleichzeitig stieg der Kartenumsatz auf 61,8 Prozent beziehungsweise rund 300 Milliarden Euro. Kritisch wird es nach Einschätzung des Instituts, wenn der Barumsatz unter 25 Prozent fällt. Dann müssten manche Händler sogar Bargeld zukaufen, um den Bedarf der Kundschaft zu decken. Bereits heute zahlen Händler im Schnitt rund 13,3 Prozent ihres vereinnahmten Bargelds wieder an die Kundinnen und Kunden aus, die den Cashback-Service nutzen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten mittelfristig Engpässe entstehen, besonders in Regionen mit ohnehin ausgedünnter Bankeninfrastruktur. EU will handeln – doch Verbraucherschützer mahnen Tempo an Der vzbv fordert deshalb, dass das Nationale Bargeldforum – eine Initiative der Deutschen Bundesbank und weiterer Akteure – konkrete Lösungen entwickelt, um die Bargeldverfügbarkeit in Deutschland zu sichern. Dabei sollte auch der Austausch mit europäischen Nachbarn eine Rolle spielen. Auf EU-Ebene sind neue Regeln für 2026 angekündigt. Geplant ist unter anderem, dass Einzelhändler Bargeldabhebungen zwischen 100 und 150 Euro auch ohne Einkauf ermöglichen können. Zudem sollen Verbraucher besser vor Onlinebetrug und versteckten Gebühren geschützt werden. Die Regelungen müssen allerdings noch formal bestätigt und anschließend in nationales Recht umgesetzt werden. Einigung auf neue Regeln: Das soll sich bald beim Bargeld ändern Tschüss, Papierbon! Was sich jetzt an der Kasse ändern soll Dem vzbv geht das nicht schnell genug. Dorothea Mohn begrüßt zwar den Vorstoß der EU, kritisiert aber den Umfang: Der Vorschlag sei "nicht ambitioniert genug darin, feste Vorgaben für die Verfügbarkeit von Bargeld zu machen und die Akzeptanzpflicht von Münzen und Scheinen fest zu verankern". Ausnahmen von einer Bargeldannahmepflicht dürften nur eng gefasst und gesetzlich klar geregelt sein, so die Forderung der Verbraucherzentralen, etwa bei fehlendem Wechselgeld trotz sorgfältiger Planung oder bei einem deutlichen Missverhältnis zwischen Wert des Geldscheins und Zahlungsbetrag. Mohn warnt zudem, dass es noch Jahre dauern könne, bis die EU-Regeln spürbare Wirkung entfalten. Deutschland sollte deshalb nicht abwarten, sondern frühzeitig eigene Lösungen entwickeln, um Bargeld zukunftsfest zu machen. Weniger Bargeld im Alltag: Akzeptanz sinkt spürbar Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen auch Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Bei einem Onlineaufruf des vzbv gingen zwischen Mitte März und Mitte Juni rund 1.300 Meldungen zu Problemen beim Barzahlen ein. Zwar werde Bargeld aktuell meist noch akzeptiert – im Handel, bei Dienstleistungen und auch bei Behörden. Doch die Akzeptanz nehme immer weiter ab. "Selbst Kleinstbeträge müssen in einigen Geschäften digital bezahlt werden", heißt es in der Auswertung. Viele Menschen wollten oder könnten jedoch nicht mit Karte oder Smartphone zahlen. Zugleich zeigen Zahlen der Bundesbank: Bargeld bleibt beliebt, verliert aber an Bedeutung. Im Jahr 2023 wurden noch 51 Prozent aller alltäglichen Bezahlvorgänge bar abgewickelt – sieben Prozentpunkte weniger als bei der Erhebung 2021.

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