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ETF-Kosten: So minimieren Anleger Gebühren für mehr Rendite

In einer Ratgeberserie erklärt die t-online-Redaktion Schritt für Schritt, wie ein erfolgreicher Start an die Börse gelingen kann. Heute geht es um die Kosten und Rendite von Fonds und ETFs. Wer mit der Geldanlage startet, trifft früher oder später auf ein Thema, das oft unterschätzt wird: Kosten. Sie tauchen nicht nur beim Kauf auf, sondern begleiten jede Investition – manchmal sichtbar, oft unsichtbar. Und obwohl sie auf den ersten Blick gering erscheinen, können sie über die Jahre einen erheblichen Teil der Rendite auffressen. Gerade für Einsteiger stellt sich daher die Frage: Welche Kosten spielen die größte Rolle – und welche können Sie getrost ignorieren? Depotkosten: Der Grundstein jeder Geldanlage Bevor Sie überhaupt investieren können, brauchen Sie ein Depot. Wie Sie dieses eröffnen, lesen Sie in Folge 8 der Ratgeberserie . Das ist das technische Fundament, über das Ihre Transaktionen abgewickelt und Wertpapiere verwahrt werden. Doch wie beim Girokonto lohnt auch hier ein Blick auf die Gebühren – denn sie unterscheiden sich stark. Wann Depotgebühren anfallen – und wann nicht: Viele Neobroker und einige Direktbanken bieten das Depot kostenlos an. Filialbanken verlangen häufig feste Entgelte oder Stückgebühren je Position. Nachhaltige oder genossenschaftliche Banken arbeiten oft mit Grundgebühren und Verwahrentgelten. Warum manche Depots gratis sind: Neobroker haben ein schlankes, automatisiertes Geschäftsmodell: keine Filialen, wenig Personal, klare Prozesse. Kostenlose Depots sind hier eher Regel als Ausnahme. Verdient wird stattdessen über Orderentgelte, Rückvergütungen oder Spreads. Worauf Sie achten sollten: Kostenlose Depotführung klingt unschlagbar günstig – und ist es meist auch. Gerade Einsteiger sparen hier oft dreistellige Beträge pro Jahr. Lesen Sie aus unserer Ratgeberserie auch: Folge 8: Depot eröffnen: Das ist der erste Schritt, um ein Vermögen aufzubauen Folge 9: Wie platziere ich eine Order? Folge 10: Market Maker und Spread: So schützen Sie Ihre Wertpapiere vor versteckten Kosten Kaufkosten: Was Sie beim Einstieg in ETFs bezahlen Der Moment des Kaufens ist für viele Anleger der emotionalste – gleichzeitig aber auch einer der teuersten. Denn hier fallen einmalige Gebühren an, die je nach Anbieter den Unterschied zwischen sinnvoller und ineffizienter Geldanlage ausmachen können. Was beim Kauf typischerweise kostet: Ordergebühr (fix oder prozentual) Handelsplatzgebühren Spread Bei Fonds: Ausgabeaufschlag Bei Sparplänen: Ausführungsgebühr Die Unterschiede der Anbieterwelt: Filialbanken: teuerstes Modell. Die Orderkosten hängen oft prozentual von der Anlagesumme ab und können so schnell in die Höhe schießen. Direktbanken: Moderate Kostenstruktur. Meist handelt es sich um einen Mix aus Grundgebühr, einer prozentualen Ordergebühr und einem Börsenplatzentgelt. Neobroker: Sehr niedrige oder null Euro Ordergebühr: Neobroker erzielen ihre Einnahmen über die Unterschiede von An- und Verkaufskursen (Spread) oder Rückvergütungen von Börsenplätzen. ETFs und Fonds im Vergleich: ETFs haben keinen Ausgabeaufschlag – hier zählen Orderkosten und Spreads. Aktive Fonds sind praktisch immer mit 3–5 Prozent Ausgabeaufschlag versehen. Was Anleger daraus lernen: Beim Einstieg frisst ein teurer Orderauftrag oft einen spürbaren Teil des Anfangskapitals auf. Wer langfristig regelmäßig investiert, spart mit niedrigen Kaufkosten jedes Jahr bares Geld. Laufende Kosten: Die stillen Renditekiller während der Haltedauer Nach dem Kauf eines Wertpapiers denken viele Anleger, die wichtigsten Kosten seien bereits erledigt. Doch gerade in der Haltedauer entstehen Gebühren, die dauerhaft wirken – und deshalb einen besonders großen Einfluss auf die Nettorendite haben. Manche davon sind sofort sichtbar, andere arbeiten im Hintergrund und mindern unbemerkt die Wertentwicklung. Damit Sie wissen, welche Kosten während der Haltedauer wirklich ins Gewicht fallen, lohnt ein genauer Blick auf drei Bereiche: Produktkosten, Depot- und Servicegebühren sowie steuerliche Effekte. Laufende Kosten bei Aktien: Ein großer Vorteil von Einzelaktien ist, dass sie keine laufenden Produktkosten verursachen. Unternehmen finanzieren sich über ihr operatives Geschäft – nicht über Gebühren der Aktionäre. Trotzdem entstehen indirekte Kosten: Depotführungsgebühren (falls der Anbieter nicht kostenlos ist) Verwahrentgelte auf das Depotvolumen (je nach Bankmodell) Kontogebühren für ein dazugehöriges Verrechnungskonto Für die Aktie selbst fällt jedoch keine Management- oder Administrationsgebühr an. Laufende Kosten bei Fonds und ETFs: Bei Fonds und ETFs ist die Situation anders: Hier spielen produktbezogene Kosten die Hauptrolle – und sie wirken sich täglich auf Ihre Rendite aus. Dabei bildet die Gesamtkostenquote (TER) den zentralen Kostenblock. Die TER gibt an, wie hoch die jährlichen Gesamtkosten des Fonds sind. Dies sind die typischen Werte für die jeweiligen Anlageformen. ETFs: etwa 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr Aktiv gemanagte Fonds: häufig 1,0 bis 2,5 Prozent oder mehr Diese Kosten werden automatisch und täglich aus dem Fondsvermögen entnommen. Anlegerinnen und Anleger sehen diese Abbuchung nicht direkt auf ihrem Konto, doch sie mindert kontinuierlich die Wertentwicklung. In der TER stecken unter anderem: Gebühr an die Verwahrstelle der Fonds/ETFs Verwaltungs- und Vertriebskosten Lizenz-, Prüfungs- und Rechtskosten Zusätzlich entstehen auf Fondsebene Kosten (interne Transaktionskosten), wenn das Management Wertpapiere kauft oder verkauft. Diese werden mittlerweile separat ausgewiesen und können die Rendite zusätzlich leicht schmälern. Bankseitige Gebühren wie Depot- und Servicekosten sind abhängig vom Anbieter und werden von Anlegern oft unterschätzt. Dazu gehören etwa: Laufende Depotgebühren (fix oder volumenabhängig) Verwahrentgelte auf Guthaben oder Wertpapiervolumen (vor allem bei klassischen Banken) Zusatzentgelte für spezielle Services, etwa Papierbelege, telefonische Orders oder besondere Reports Warum laufende Kosten auf Dauer so schwer ins Gewicht fallen Während Kaufkosten oft als einmalige Belastung überschaubar bleiben, wirken laufende Gebühren wie ein stetiger Gegenwind. Sie reduzieren die Rendite jedes Jahr aufs Neue und summieren sich über lange Anlagezeiträume durch den Zinseszinseffekt erheblich. Gerade deshalb gilt: Ein günstiger ETF mit niedriger TER und ein Depot ohne laufende Gebühren sind langfristig einer der stärksten Renditehebel überhaupt. Sparplankosten: Kleine Beträge – große Wirkung Sparpläne gelten zu Recht als der einfachste Einstieg in die Geldanlage: Monat für Monat fließt ein kleiner Betrag in einen ETF – ganz automatisch. Doch genau bei diesen regelmäßigen Käufen sollten Anleger besonders auf die Kosten achten. Denn auch kleine Gebühren fallen bei 12, 24 oder 48 Ausführungen pro Jahr stark ins Gewicht und können die Rendite deutlich mindern. Damit Sparpläne tatsächlich günstig bleiben, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ausführungsgebühren und deren Verhältnis zur Sparrate. Diese werden vom Broker berechnet – nicht vom Fonds – und sind deshalb ein eigenständiger Kostenblock. Typische Modelle: Pauschalen pro Ausführung (z. B. 0 bis 1,50 Euro) Prozentuale Gebühren auf die Sparrate (z. B. 1 bis 3 Prozent) Kostenlose Ausführungen , wie sie viele Neobroker anbieten Gerade bei kleinen Raten – etwa 50 Euro pro Monat – wirkt sich ein Fixbetrag stark aus. Beispiel: 1,50 Euro Ausführungsgebühr entsprechen 3 Prozent der Sparrate. Statt 50 werden nur 48,50 Euro angelegt. Aufs Jahr gerechnet entstehen so 18 Euro an Kosten, die der Wertentwicklung Ihres ETFs verloren gehen. Was Neobroker, Direktbanken und Filialbanken berechnen: Neobroker wie Trade Republic, Smartbroker, Scalable Capital etc.: Häufig 0 Euro oder sehr geringe Pauschalen; dadurch besonders attraktiv für kleine und regelmäßige Sparraten Direktbanken: Oft günstige Pauschalmodelle (0 bis 1,50 Euro) oder 1 bis 1,5 Prozent der Sparrate; viele ETFs zeitweise oder dauerhaft als "kostenlose Aktionssparpläne" Klassische Filialbanken: Selten ETF-Sparpläne im Angebot; häufig 1 bis 3 Prozent Gebühren oder fixe Beträge pro Ausführung; dadurch bei kleinen Raten oft unverhältnismäßig teuer Viele glauben, die Gesamtkostenquote (TER) decke alle Kosten des ETFs ab. Das ist ein häufiges Missverständnis. Denn Sparplangebühren haben nichts mit der TER zu tun. Die Gesamtkostenquote enthält produktinterne, laufende Kosten des ETFs und wirkt unabhängig von Sparplänen täglich auf das Fondsvermögen. Sparplankosten hingegen erhebt der Broker oder die Bank. Die Gebühren fallen pro Rate an und kommen zusätzlich zur TER hinzu. Für die tatsächliche Rendite zählt also alles zusammen: TER + Spread + Sparplangebühren + ggf. Depotkosten. Experten empfehlen deshalb kostenlose Sparpläne bei Neobrokern oder Direktbanken. Diese minimieren Zusatzkosten und sind ideal für langfristiges, regelmäßiges Investieren. Warum das so entscheidend ist: Ein Sparplan lebt von Regelmäßigkeit. Hohe Ausführungsgebühren schneiden Monat für Monat einen Teil Ihrer Einzahlungen ab – oft völlig unnötig, denn viele Anbieter haben kostenlose Alternativen. Weitere mögliche Kosten: Selten relevant, aber gut zu wissen Nicht alle Kosten sind alltäglich – doch sie können in bestimmten Situationen auftreten. Ein kurzer Überblick: Verwahrentgelt: Auf Wertpapiere wird es im Privatkundengeschäft heute kaum noch erhoben; klassisch trat es eher bei hohen Guthaben auf Tages- oder Girokonten auf. Depotwechsel: Der Übertrag eines Standarddepots ist gesetzlich kostenlos. Nur bei exotischen Wertpapieren oder speziellen Lagerstellen können vereinzelt Gebühren entstehen – für ETF-Anleger praktisch irrelevant. Die meisten Anleger können Depotwechsel heute ohne finanziellen Nachteil vornehmen – ein Vorteil, wenn man zu einem günstigeren Anbieter wechseln möchte. Fazit: Alle Kosten im Blick behalten Wer in ETFs investiert, sollte die Kostenstruktur von Anfang an im Blick behalten. Zu Beginn zählen vor allem die Kaufgebühren – auf lange Sicht sind jedoch die laufenden Kosten entscheidend, denn sie mindern die Rendite Jahr für Jahr. Für Einsteiger gilt daher: Wählen Sie ein kostengünstiges Depot, achten Sie auf niedrige Order- und Sparplangebühren und bevorzugen Sie ETFs mit geringer TER. Und später? Denken Sie auch an Verkaufsgebühren und Steuern – denn erst beim Entnehmen zeigt sich, was wirklich übrig bleibt. Wer seine Wertpapiere aber lange hält, verteilt die Kosten über viele Jahre – und steigert damit seine Rendite spürbar. Lesen Sie in Folge 12 der Ratgeberserie "Ihr Weg an die Börse", warum es den einen guten Zeitpunkt zum Investieren nicht gibt.

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