Wadephuls Afrika-Reise überschattet: Trump schockt sie alle
Eigentlich möchte Johann Wadephul auf seiner Reise nach Kenia und Äthiopien vor allem die deutsch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen stärken. Doch der heftige Streit mit den USA dominiert auch die Afrika-Reise des Außenministers. Aus Nairobi in Kenia berichtet Patrick Diekmann. Sie trainieren bei 30 Grad in praller Sonne den Ernstfall. Kenianische Soldaten empfangen Außenminister Johann Wadephul beim "International Peace Support Training Centre" (IPSTC) vor den Toren von Nairobi. Hier proben Sicherheitskräfte den Kampf gegen terroristische Gruppen, Selbstmordattentäter, das Entschärfen von Minen und Sprengsätzen. Die Soldaten demonstrieren dem Außenminister ihre Ausrüstung, die Waffen ihrer Gegner und führen eine Entschärfung eines Sprengsatzes vor. Ein Roboter fährt hin, Zündung, dann plötzlich die Explosion. Dass Wadephul ausgerechnet diesen Ort in Kenia besucht, ist kein Zufall. Kenia sei ein stabilisierender Faktor für die Region, aber auch für den gesamten Osten des afrikanischen Kontinents, erklärte der CDU-Politiker zuvor in Nairobi. Das Kalkül der Bundesregierung : Ein politisch erfolgreiches und stabiles Kenia könnte Strahlkraft auf andere Länder in der Region haben. Und Kenia wiederum könnte aktiv dabei helfen, für Stabilität in Ländern wie dem Südsudan zu sorgen. Deutschland sucht auch über Kenia hinaus im Herzen Afrikas nach Anschluss. Die Beziehungen zu Ländern im Norden und im Süden des Kontinents gelten zwar als ausgeprägt, aber vorige Bundesregierungen haben die Zusammenarbeit mit dem Rest der afrikanischen Länder oft vernachlässigt. Die Folgen wiegen schwer: China hat seinen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent immer weiter ausgebaut und ist vielen europäischen Staaten weit voraus. Die Bundesregierung möchte das ändern – und sieht eine Chance. Immerhin ziehen sich die Amerikaner unter Donald Trump massiv aus der Entwicklungszusammenarbeit zurück. Für Deutschland als Exportnation ist es aber auch darüber hinaus durch die Handelskonflikte mit China und den USA existenziell, neue Märkte zu erschließen. Trumps Politik verfolgt Wadephul nach Afrika, auch über Handelsfragen hinaus. Eigentlich möchte der Außenminister am Mittwoch für eine Stärkung der deutsch-kenianischen Beziehungen werben, aber parallel kommt es beim Weltwirtschaftsforum in Davos zum großen Showdown im Grönland-Streit mit dem US-Präsidenten. Aber auch mit einem anderen Vorstoß löste Trump einen Schock aus, besonders in Afrika. Bruch mit Trump? Der Frontalzusammenstoß steht bevor "Friedensrat": Trump setzt die Axt an die Weltgemeinschaft an "Müssen flexibler werden, wir müssen schneller werden" Für Wadephul beginnt sein Besuch in Nairobi mit einem Treffen mit dem kenianischen Außenminister Musalia Mudavadi. Deutschland hat in Kenia politisch und diplomatisch durchaus einen Fuß in der Tür. So war die Bundesrepublik das erste Land, welches Kenia nach dessen Unabhängigkeit im Jahr 1963 anerkannte. Politisch läuft die Zusammenarbeit zwischen Kenia und Deutschland gut. Mehr als 120 Institutionen wie das Goethe-Institut sind in dem Land tätig, fördern auch die kulturelle Zusammenarbeit. Aber wirtschaftlich gibt es noch deutlich Luft nach oben. Deutsche Unternehmen investieren zu wenig in Länder wie Kenia. Das solle sich ändern, meint Wadephul. Afrika sei allgemein ein Kontinent der Chancen. In der Tat haben Entwicklungsländer wie Kenia ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Hier leben etwa 56 Millionen Menschen, der Altersdurchschnitt liegt bei unter 20 Jahren. Der Weg hin zu einem Industriestaat ist noch weit, aber das genau bietet auch Möglichkeiten für deutsche Unternehmen. Denn die Ausbildung der Bevölkerung verbessert sich kontinuierlich, 70 Prozent der Menschen können sich auf Englisch verständigen. Bei einer Pressebegegnung sagt der Außenminister, dass Afrika von der deutschen Wirtschaft leider nicht ausreichend als "Chancenkontinent" wahrgenommen werde. "Wir müssen flexibler werden, wir müssen schneller werden", so Wadephul. "Deswegen sehen wir immer wieder, dass bedauerlicherweise ein chinesisches Engagement vor uns da ist, schneller da ist und effektiver hilft." Afrikanische Länder wie Kenia sind längst zum geopolitischen Spielball größerer Mächte geworden. Entschlossen deeskalieren In Kenia ist Sommer, die Sonne brennt vom Himmel. Wadephuls Kolonne fährt am Mittag bei 29 Grad durch Nairobi. Für den CDU-Politiker wirkt dieser Besuch wie ein Kontrastprogramm, eine willkommene Abwechslung zu den vergangenen Wochen. Doch der Eindruck trügt: Auch hier, mitten in Ostafrika, ist Trump ein ständiger Begleiter – zumindest als Thema. Zuletzt eskalierte der US-Präsident, drohte mit der militärischen Einnahme von Grönland und kündigte Zölle von zusätzlichen zehn Prozent gegen acht europäische Länder an – darunter auch Deutschland. Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos bekräftigte der US-Präsident noch einmal, die größte Insel der Welt "besitzen" zu wollen. Doch um Grönland geht es in Kenia zunächst nicht. Zum Glück für Wadephul. Denn die Bundesregierung möchte im Streit mit Trump eine moderate Position einnehmen. Zwar spricht sich Deutschland für eine entschlossene Gegenreaktion aus, sollte der US-Präsident seine Zolldrohungen wahr machen. Aber Wadephul versuchte in den vergangenen Wochen immer wieder, den Konflikt nicht weiter zu befeuern und Trump nicht mit Kritik zu provozieren. So erklärte er am Sonntag, dass er keine Zweifel an der US-Bündnistreue habe. Die Aussage kam in einer Zeit, in der Trump Zölle ankündigte, obwohl sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf einen Zolldeal geeinigt hatten. Aber die Bundesregierung möchte Trump nicht auf schlechte Gedanken bringen, keine Themen eröffnen, die aktuell keine Themen sind. Schließlich soll möglichst viel von den transatlantischen Beziehungen die Präsidentschaft von Trump überleben. Eine US-Idee, die viele schockiert Das wird schwer genug. Denn Trump hatte am Wochenende nicht nur zum Angriff auf die europäischen Länder angesetzt und damit womöglich einen Handelskrieg mit der EU ausgelöst. Er hat auch ein "Board of Peace" – einen globalen "Friedensrat" – angekündigt, mit sich selbst als Vorsitzenden. In diesem Format will Trump künftig über internationale Krisen sprechen. Staaten können sich einen ständigen Sitz für eine Milliarde US-Dollar kaufen. Aber das wird in vielen Teilen der Welt als Angriff auf die Vereinten Nationen verstanden, die eben genau dieses Forum stellen sollten. Trump hat eigentlich nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Vereinten Nationen verachtet. Alles, was er von den UN je bekommen habe, sei ein kaputter Teleprompter, erklärte er in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im September, nachdem die Technik gestreikt hatte. Hier droht der nächste große Streit. Denn Länder wie Deutschland oder Frankreich stehen zu den Vereinten Nationen, zur regelbasierten Ordnung. Wenngleich Wadephul in Nairobi erklärt, dass die Institution reformiert werden müsse. "Wir haben einen Friedensrat und das sind die Vereinten Nationen", sagt Wadephul und kritisiert damit den US-Vorschlag indirekt. Er betont, Deutschland kandidiere nicht nur für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, sondern "zeigt tagtäglich in seiner praktischen Handlungsweise, dass das UN-System unser Friedenssicherungssystem ist, das unsere volle Unterstützung verdient". Kritik an Trump wächst Damit rennt er in Kenia offene Türen ein. Das Land ist nicht nur ein Beitragszahler zu Friedensmissionen, sondern auch ein führender Akteur bei der Gestaltung und Durchführung von UN-Missionen, insbesondere in Krisengebieten wie Haiti. Die Führung in Nairobi bewertet die Vereinten Nationen dementsprechend hoch. Dass Trump bis auf Ägypten und Marokko keine afrikanischen Länder in seinen "Friedensrat" eingeladen hat, wurde daher in Kenia durchaus registriert. Der kenianische Außenminister Mudavadi hebt deshalb noch einmal die Bedeutung der UN zur Konfliktlösung hervor. "Aus kenianischer Sicht ist es wichtig, Institutionen wie die Vereinten Nationen zu stärken, da die gesamte globale Friedensarchitektur auf dem UN-Rahmenwerk basiert", meint er. "Wir sind überzeugt, dass Multilateralismus der richtige Weg ist." Eine Reform der UN sei sinnvoller als parallele Prozesse zu schaffen. Nur so lasse sich ein koordiniertes Vorgehen gewährleisten. Die Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten wird also lauter, auch in Afrika. Die Haltung in Nairobi ist klar: Trump kann nicht eine neue Weltordnung gestalten wollen und dabei fast einen ganzen Kontinent ausschließen. Diese Meinung wird Wadephul am Folgetag bei Gesprächen in Äthiopien wahrscheinlich noch öfter entgegenschlagen. Denn dort trifft der Außenminister auch Vertreter der Afrikanischen Union. Am Rande von Nairobi pflanzt der Außenminister noch einen Indischen Brombeerbaum auf dem Gelände des "International Peace Support Training Centre". Ein Baum, der nicht nur Gesundheit symbolisieren soll, sondern auch Hoffnung, wird dem Außenminister erzählt. Diese Hoffnung kann Deutschland daraus ziehen, dass es die Zusammenarbeit mit möglichst vielen Staaten auf der Welt verbessert. Für die Bundesregierung ist Wadephuls Afrika-Reise ein weiterer Schritt dahin. Im Mittelpunkt steht Deutschlands Resilienz, auch gegenüber Trump.