Australian Open: Laura Siegemund: Deutsche zofft sich mit Schiedsrichterin
Mit Laura Siegemund schied auch die letzte der deutschen Tennisspielerinnen bei den Australian Open aus. Eine Niederlage, die vermeidbar gewesen wäre. Laura Siegemund stand bei der Stuhlschiedsrichterin und diskutierte lauthals. Sie hatte gerade ein Ass geschlagen im eminent wichtigen elften Spiel des zweiten Satzes gegen die Qualifikantin Maddison Inglis. Den ersten Satz hatte Siegemund verloren, nun stand es 5:5 im möglicherweise schon entscheidenden Durchgang. Siegemund feierte ihr Ass bereits mit geballter Faust, doch die Unparteiische pfiff sie zurück. Ihrer Meinung nach hatte Siegemund den Aufschlag durchgeführt, bevor ihre australische Kontrahentin bereit war. Die Deutsche war außer sich. Minuten zuvor hatte die Schiedsrichterin sie schon wegen Zeitspiels angemahnt. Jetzt knöpfte sie sich die Unparteiische vor. "Wenn ich nicht aufschlage, gibst du mir eine Zeitüberschreitung, wenn ich aufschlage, sagst du, sie war nicht bereit", schrie Siegemund. Das saß. Die Schiedsrichterin schaute Siegemund eine Weile konzentriert hinterher. Dann schlug Siegemund auf und verlor den Punkt und später auch das elfte Spiel. Zwar konterte die Deutsche noch einmal in beeindruckender Manier, doch am Ende setzte sich Lokalmatadorin Inglis in einem selten hochklassigen Duell mit 6:4, 6:7 und 7:6 (10:7) durch. Bundestrainer ist bedient Die Australierin fiel unter dem tosenden Jubel der australischen Zuschauer zu Boden. Die Nummer 168 der Weltrangliste hatte es tatsächlich geschafft. Das Publikum war völlig aus dem Häuschen, Inglis saß minutenlang auf ihrer Bank und weinte hemmungslos. Siegemund verschwand flugs aus der Arena. Sie musste gleich weiter zum Doppel, das sie mit der US-Amerikanerin Sofia Kenin bestritt. Diese Niederlage war vermeidbar gewesen. Inglis, die wochenlang keine Matchpraxis hatte sammeln können, spielte keinesfalls überragend. Siegemund hingegen unterliefen in den entscheidenden Phasen einfache Fehler, sie verlor den Rhythmus und konnte nicht von ihrer Erfahrung profitieren. Mit der 37-jährigen Siegemund schied auch die letzte der deutschen Tennisdamen in Melbourne aus. Es war erneut ein schwarzer Tag für das deutsche Damentennis bei diesen Australian Open . Keine Spielerin schaffte es über die zweite Runde hinaus. Entsprechend bedient war auch Damen-Bundestrainer Torben Beltz. "Natürlich sind wir ein bisschen geknickt, dass nach der zweiten Runde alle Deutschen draußen sind", sagte Beltz. "Es hat dieses Jahr nicht gereicht, so wie wir es wollten", ergänzte Beltz und wagte den Blick in die nahe Zukunft: "Wir hoffen, dass wir durch Arbeit und Training in den nächsten Wochen nach vorne kommen und dass es dann in Paris besser aussieht." Der Stoff, aus dem Tennis-Träume sind Der Abstand zu anderen Nationen scheint derzeit sehr groß. Etwa von Tschechien, wo seit mehr als einem Jahrzehnt zahlreiche talentierte Spielerinnen an die Weltspitze herangeführt werden, will sich Beltz auch gewisse Dinge abschauen. "Natürlich guckt man sich an, wie die trainieren, und versucht, mit den Trainern in den Austausch zu gehen", sagte der einstige Erfolgscoach der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber . Inglis hingegen konnte ihr Glück nach dem dreieinhalbstündigen Match kaum fassen. "Als ich hierherkam, hatte ich seit sechs Wochen kein Match mehr gespielt. Ich hatte keine hohen Erwartungen. Ich wusste, dass ich gut spielen kann. Aber davon hätte ich nicht zu träumen gewagt", sagte die 28-Jährige. Nun winkt ihr in der dritten Runde der Vergleich mit einer der schillerndsten Spielerinnen auf der Tour, Naomi Osaka. Das ist der Stoff, aus dem australische Tennis-Träume sind.