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Australian Open: Alexander Zverev irritiert mit Psychologen-Aussage

Alexander Zverev zeigt in Australien bislang spielerisch und mental starke Auftritte. Auf die Frage, ob er sich in der Vorbereitung Hilfe geholt habe, gibt er eine deutliche Antwort. Aus Melbourne berichtet Christoph Cöln Plötzlich machte sich Alexander Zverev kurzerhand daran, den Taubenkot vom Platz zu wischen. Im dritten Satz hatten die gefiederten Besucher auf dem Dach der John-Cain-Arena offenbar bereits genug vom Spiel. Sie drehten dem Match demonstrativ den Rücken zu und erleichterten sich ungeniert auf den Court – der Unrat schlug ziemlich genau vor der Grundlinie auf, an der Zverev gerade gegen den Briten Cameron Norrie spielte. Dann schritt der Deutsche zur Tat. Er lieh sich bei den Balljungen ein Handtuch und verdingte sich als Tatortreiniger. Schon zuvor hatten mehrfach Balljungen ausrücken müssen, um die tierischen Hinterlassenschaften wegzuwischen. Die Tauben vom Melbourne Park sind berüchtigt dafür, auch vor großen Namen nicht haltzumachen. Zverev ist ein solcher. Am Freitagabend (Ortszeit) wurde Zverev seinem Status als Weltranglistendritter und Favorit gegen Norrie gerecht. Nach knapp drei Stunden war das Drittrundenmatch gegen den 28. der Weltrangliste beendet. Mit 7:5, 4:6, 6:3 und 6:1 gewann der Hamburger und trifft im Achtelfinale am Sonntag auf den Argentinier Francisco Cerúndolo. Becker lobt Zverevs Leistung Zverev zog damit zum siebten Mal in die Runde der besten 16 in Melbourne ein – seinem bisherigen Co-Rekordhalter Boris Becker gelang das in dessen Karriere nur sechsmal. Nach dem Match kam der 28-Jährige im On-Court-Interview zunächst zu einer erstaunlichen Selbsteinschätzung: "Ich dachte eigentlich, mein Aufschlag war nicht so gut heute." Doch das war ein Trugschluss. Seine Aufschlagquote (72 Prozent) war wieder einmal herausragend. Auch 16 Asse sprechen eine deutliche Sprache. Als seinen gefährlichsten Schlag an diesem Abend nannte der Deutsche aber seine Vorhand. Tatsächlich setzte er sein Gegenüber über den gesamten Spielverlauf mit aggressiven Vorhänden immer wieder unter Druck und landete damit etliche Gewinnschläge. Vor allem fiel jedoch Zverevs mentale Stärke auf. Weder vom verlorenen zweiten Satz, noch von den vielen Spielunterbrechungen wegen der Tauben ließ er sich aus der Ruhe bringen. Schon in den ersten beiden Runden in Melbourne hatte er trotz gelegentlicher Wackler den Fokus im richtigen Moment wiedergefunden. Das fiel auch dem zweimaligen Australian-Open-Champion Boris Becker auf. "Sein inneres Gleichgewicht war immer da. Mitte des dritten Satzes hat er einen Gang hochgeschaltet und Norrie konnte nicht mehr mithalten", befand Becker bei Eurosport – und attestierte Zverev "die stärkste Leistung genau zum richtigen Zeitpunkt". Zverev mit hartem Urteil zu Psychologen Später wurde Zverev in der Pressekonferenz gefragt, ob er an seiner Mentalsteuerung in letzter Zeit etwas verändert habe. Der Deutsche schüttelte den Kopf. "Nö. Gar nicht." Dann legte er den bemerkenswerten Satz nach: "Ich habe verstanden, dass Psychologen für den Arsch sind." Was er damit meinte, ließ er offen. Es war Becker, der Zverev im Sommer nach dessen Erstrunden-Aus in Wimbledon eine Auszeit empfohlen hatte, um an seiner "mentalen Blockade" zu arbeiten. Zverev hatte zuvor selbst davon berichtet, dass er unter einem "kleinen Burnout" leide und sich "leer" und "alleine" fühle. Nun scheint er in Australien zu alter Stabilität zurückgefunden zu haben. Wie stabil er ist, wird er schon im Match gegen Cerúndolo beweisen müssen. Gegen den auf Platz 21 der Weltrangliste geführten Argentinier hat Zverev eine negative Matchbilanz (2:3).

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