Gebrauchtwagen-Betrug: Verkauf gestohlener Autos mit echten Papieren
Kriminelle unterschlagen Autos und verkaufen sie mit echten Papieren an ahnungslose Deutsche. Der Schaden ist riesig, die Behörden wirken machtlos. So erkennen Sie die Falle. Ein Parkplatz nördlich von Aachen , Dezember 2025: Ein Team des Fernsehsenders SWR wartet auf einen Audi Q7. Das Auto ist fast neu und der Preis unschlagbar: 56.000 statt 80.000 Euro. Aber das Angebot ist eine Falle. Das Fahrzeug gehört dem Verkäufer nicht, sondern ist ein unterschlagener Mietwagen. Die Polizei steht im Hintergrund bereit, doch der Täter erscheint nicht. Er hat Verdacht geschöpft. Oft gehen diese Betrügereien deutlich verheerender aus. Und sie laufen immer häufiger nach einem neuen Muster ab. Die Masche: Ein Wettlauf gegen die Fahndung Kriminelle Banden mieten teure Autos mit gefälschten Ausweisen. Solange die Mietverträge laufen, fahndet niemand nach den Wagen. Denn noch gibt es keinerlei Verdacht. In diesen wenigen Tagen verkaufen die Täter die Autos jedoch weiter. Der Betrug funktioniert nur wegen eines massiven Sicherheitslecks: Die Kriminellen besitzen echte Blanko-Dokumente. Sie stammen aus Einbrüchen in deutsche Zulassungsstellen. Das Bundesinnenministerium bestätigt: Mehr als 180.000 dieser Papiere sind zur Fahndung ausgeschrieben. Auf dem Schwarzmarkt kostet ein solches Dokument bis zu 1.000 Euro. Behörden kapitulieren vor dem Chaos Der Mietwagenverband fordert seit Monaten eine öffentliche Liste der gestohlenen Dokumentennummern. Käufer könnten so die Papiere prüfen. Doch das Innenministerium lehnt ab. Die Begründung: Die Zulassungsstellen wissen nach den Einbrüchen oft selbst nicht genau, welche Vordrucke fehlen. Das Versagen hat System: In einem weiteren Fall konnten Täter nur deshalb entkommen, weil die Polizei keine Zivilbeamten für eine Festnahme frei hatte. Die Banden wähnen sich in Sicherheit. Und offenbar sind sie es auch. Woran Sie den Betrug erkennen Die Betrüger setzen auf Gier. Doch wer genau hinsieht, kann die Falle enttarnen. Der Preis: Niemand verschenkt 20.000 Euro. Ein zu günstiges Auto ist ein Köder. Der Ort: Treffen auf Parkplätzen sind tabu. Bestehen Sie auf der Wohnadresse des Verkäufers. Das Bargeld: Wer 50.000 Euro in bar will, hat nichts Gutes vor. Zudem verstoßen auch Sie selbst dann gegen das Geldwäschegesetz. Die Papiere: Prüfen Sie jedes Wort. Bereits ein fehlender Buchstabe im Behördenstempel kann die gestohlene Blanko-Zulassung entlarven. So setzen Sie die Täter unter Druck Die Kriminellen arbeiten gegen die Uhr. Für sie zählt jede Minute, bevor die Fahndung nach dem Auto im System der Polizei erscheint. Nutzen Sie diesen Zeitdruck für Ihren Schutz: Zweitschlüssel-Check: Die Banden besitzen oft nur einen Schlüssel. Bestehen Sie darauf, beide Originalschlüssel zu testen. Startet der Motor mit beiden? Schließt der Zweitschlüssel mechanisch? Falls ein Schlüssel fehlt ("liegt im Tresor", "hat die Frau vergessen"): Brechen Sie den Kauf sofort ab. Begleitperson: Nehmen Sie immer einen Zeugen mit. Das schreckt Täter ab, die ungern vor Publikum agieren. Auch vor Gericht ist ein Zeuge Ihre Versicherung: Er kann bestätigen, dass Sie sorgfältig geprüft haben und im "guten Glauben" handelten (siehe unten). Das juristische Gift: Wenn der Käufer zum Eigentümer wird Anders als bei einem Diebstahl können Käufer an unterschlagenen Autos tatsächlich Eigentum erwerben. Voraussetzung ist der "gute Glaube": Der Käufer muss nachweisen können, dass er nicht fahrlässig handelte und der Kauf auf den ersten Blick seriös wirkte. Je professioneller die Banden vorgehen, desto eher erkennen Gerichte den Käufer als schuldlos an. Trotzdem gilt: Kommt es zwischen Käufer und geschädigter Mietwagenfirma zu keiner Einigung, kann ein Gericht den Eigentumserwerb verneinen. Dann sind Auto und Geld verloren. Denn an die Täter gelangt man ohnehin kaum. Die Masche der Betrüger mag neu sein, der Rat der Experten bleibt zeitlos: Ein unschlagbarer Preis ist vielleicht ein Glücksfall. Wahrscheinlicher aber ist er ein Warnsignal.