FC Bayern: Ex-Profi Christian Lell offenbart "dunkelste Phase"
In der Bundesliga absolvierte Christian Lell 119 Spiele für Bayern, Hertha und Köln. Danach versuchte er sich als Unternehmer – und stand plötzlich am Abgrund. Sein Leben lang funktionierte Christian Lell, ob als Fußballprofi oder Unternehmer. Angetrieben davon, für jede Herausforderung eine Lösung zu finden, wurden jedoch eines Tages die Angst und der Druck zu groß: "Ich ging ins Heck meines Schiffs, schaute noch kurz hoch und wollte mein Leben in die Hand Gottes legen", erinnerte sich der heute 41-Jährige im Podcast TOMmorrow-Business an einen Sommer auf Ibiza , den er auf seinem Boot verbracht hatte. "Ich habe mich ins Heck fallen lassen, da sind drei große Schiffsschrauben gewesen, und ich hatte zwei, drei Sekunden Todesangst." Der frühere Bundesliga-Spieler, der unter anderem für den FC Bayern , Hertha BSC und 1. FC Köln spielte, habe sich damals dem Lauf des Lebens "völlig hingegeben": "Das war der Moment, in dem ich starb, bevor ich wirklich gestorben bin", sagte Lell weiter. Nach seiner aktiven Profikarriere stieg der gebürtige Münchner ins Immobiliengeschäft auf Ibiza ein. Nach vielen erfolgreichen Jahren ging es mit dem Unternehmen jedoch rapide bergab, die Kosten stiegen und Lell stand vor einer Herausforderung. "Es war im Rückblick die dunkelste Phase meines Lebens, weil ich keine Lösung fand." Er habe Angst davor gehabt, "wieder in eine Ecke gestellt zu werden, die öffentlich sehr einseitig dargestellt" werden könnte. Lell fand sich in einer Depression wieder, "die in der Spitze auch dazu führte, dass ich nicht mehr am Leben sein wollte", erklärte er. Profi beim FC Bayern? "Eher ein Mittel zum Zweck" Bereits in seiner Kindheit hatte Lell mit schweren Erlebnissen zu kämpfen. So offenbarte er, dass er bereits während seiner aktiven Karriere unter Depressionen litt und sogar suizidgefährdet war. Er sei in einem "sehr konfliktbehafteten Elternhaus mit Gewalt, Alkohol und Missbrauch" aufgewachsen, erklärte er bereits in einem Gespräch vor wenigen Monaten mit dem Sender Welt TV. In der Nacht vor seinem zehnten Geburtstag überkam ihn die Angst: "Ich wollte diese Nacht einfach überleben", sagte er nun rückblickend im Podcast. Die Übergriffe im Elternhaus seien die Ursache gewesen und zeigten, "wie viel Verzweiflung sich in dem Alter in der jungen Seele breitgemacht hat". Zusätzlich trainierte er im Leistungszentrum des FC Bayern. "Fußball war der Anker und der Ausweg aus der Misere für mich", betonte Lell, der "Umschalten" als seine größte Stärke ansieht. So sei es für ihn aber kein Erfolg gewesen, Profi beim FC Bayern zu werden. "Erfolg wäre für mich gewesen, hätte ich das aus einem inneren Frieden, aus einer Liebe heraus erreicht", gestand Lell und erklärte, dass es für ihn so "eher ein Mittel zum Zweck, basierend auf Angst" gewesen sei. Seine Angst bestand dabei aus finanziellen Nöten, Gewalt und Unsicherheit. "Komme ich nach der Schule überhaupt in mein Haus? Kriege ich Mittagessen? Wie geht es meiner Schwester?" Lells Schwester litt an der Stoffwechselstörung Mukoviszidose und starb 2014 im Alter von 27 Jahren. Heute geht es Lell wieder besser. "Ich habe überlebt", betonte er und sagte: "Ich habe ins Vertrauen des Lebens zurückgefunden." Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.