Gil Ofarim: Lügen, Schweigen, offene Fragen – eine Kettenreaktion
Aus dem diesjährigen Dschungelcamp ertönt ein dröhnendes Schweigen: Unüberhörbar windet sich Gil Ofarim um seinen Skandal herum. Wie kann das sein? Finanzielle Sorgen, familiärer Druck, Angst vor weiteren Konsequenzen? Gil Ofarims jüngste Aussagen zu seinem Davidstern-Skandal werfen viele Fragen auf – besonders, weil er sich auf eine angebliche Verschwiegenheitserklärung beruft und dadurch kaum Licht ins Dunkel bringt. Eher im Gegenteil: Der fünf Jahre zurückliegende Fall wirkt undurchsichtiger denn je. t-online dokumentiert die große Schweigespirale aus allen Blickwinkeln – inklusive einer neuen Anfrage an das Westin Hotel Leipzig . Rückblende: Das Video, das den Fall ausgelöst hatte, veröffentlichte Ofarim im Oktober 2021 auf Instagram. Darin behauptete er, an der Rezeption des Leipziger Hotels Westin sei ihm der Check-in verweigert worden, weil er eine Kette mit Davidstern getragen habe. Der Vorwurf richtete sich gegen einen namentlich nicht genannten Hotelmitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft leitete zunächst Ermittlungen gegen den Mann ein, der später als "Markus W." identifiziert wurde. Das Verfahren wurde eingestellt. Stattdessen begannen Ermittlungen gegen Ofarim wegen Verleumdung. Der Deal im Jahr 2023 Im November 2023 gab Ofarim zu, seine Vorwürfe gegen den Leipziger Hotelmitarbeiter frei erfunden zu haben. Damit endete ein Verfahren, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt hatte. Dem Geständnis ging ein juristischer Vergleich voraus: Ofarim akzeptierte die Einstellung des Verfahrens wegen Verleumdung unter der Bedingung, 10.000 Euro an zwei Einrichtungen zu zahlen – die Jüdische Gemeinde Leipzig und die Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz. Damit galt er formal als nicht vorbestraft. Die Enthüllung zur Verschwiegenheitsklausel Mehr als zwei Jahre später ist Ofarim nun Teil der 19. Staffel von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". Zuschauer, Medien und vermutlich auch RTL selbst gingen davon aus, dass der Sänger im Dschungelcamp über seine folgenreiche Lüge auspackt, sich erklärt und Reue zeigt. Stattdessen gibt der 43-Jährige vor laufenden Kameras Rätsel auf. So deutete er in der RTL-Show an, im Zuge des Prozesses einer Vereinbarung zugestimmt zu haben, um den Kontakt zu seinen Kindern halten zu können. "Ich möchte meine Kinder wiedersehen. Das ist alles", sagte Ofarim. Als er gefragt wurde, ob er seine Kinder nicht sehen könne, antwortete Ofarim ausweichend: "Ich hätte meine Kinder verloren, hätte ich …" Nach einer langen Pause fügte er hinzu: "Ich darf nicht darüber reden. Jedes Wort, was ich sage, würde alles wieder neu aufrollen." Er habe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben, so Ofarim. Eine Verschwiegenheitserklärung, die bereits vor rund einem Jahr Fragen aufwarf. Schon damals erweckte Ofarim mit Aussagen den Eindruck, er habe dieser nur wegen seiner Kinder zugestimmt. Aber dazu später mehr. Ex-Frau erhob Vorwürfe: Gil Ofarim und das Sorgerechtsdrama um seine Kinder Claudia Effenberg macht RTL Vorwürfe: "Ich finde das nicht vertretbar" Verwirrung im Dschungelcamp: Gil Ofarims Schweige-Deal Die wenigen Details zur Vereinbarung Zunächst bestätigte Ofarims Rechtsanwalt Alexander Stevens am vergangenen Wochenende der "Bild"-Zeitung die Existenz dieser Verschwiegenheitserklärung – ebenso wie sein Manager Marcel Piofke. Diese besteht laut Piofke jedoch "nicht zwischen Gil Ofarim und RTL und auch nicht zwischen Gil Ofarim und seiner Ex-Frau Verena Ofarim". Vielmehr sei es eine Vereinbarung zwischen dem Sänger und dem Hotelmitarbeiter Markus W., den er fälschlicherweise des Antisemitismus bezichtigt hatte. Zum Inhalt der Verschwiegenheitsklausel gibt es von den Männern keine erhellenden Details: "Das betrifft alles Juristische dazu", heißt es nur. Gil Ofarim habe im Dschungelcamp "schon viel zu viel dazu gesagt", lässt Manager Piofke mitteilen. Das Verschwinden des Markus W. Aus dem Trubel um den Davidstern-Anhänger ist damit eine Kettenreaktion erwachsen, die auch fünf Jahre nach dem eigentlichen Vorfall Rätsel aufgibt. Ein zentrales Problem dabei ist: Markus W., der zu Unrecht Beschuldigte, hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Das letzte Mal, dass es ein Lebenszeichen von ihm gab, ist genau zwei Jahre her: Damals besuchte er das jüdische Kultur- und Begegnungszentrum "Ariowitsch-Haus" in Leipzig. Laut einem Posting auf Instagram wollte Markus W. (der Mann in der Mitte mit dem roten Sakko) wegen der vielen Berichte über ihn Präsenz zeigen und sich der jüdischen Gemeinde vorstellen. Die Rolle des Westin Hotels Bleibt noch der Tatort : das Westin Hotel Leipzig. Auch wenn Ofarims Geständnis das Hotel von Schuld freisprach, war der Imageschaden kaum wiedergutzumachen. Wie reagiert das Westin also auf die neuesten Aussagen Ofarims? Auf Anfrage von t-online verweist der aktuelle Hotelmanager auf eine intern vereinbarte Kommunikationsstrategie. "Grundsätzlich verstehen wir Ihr Interesse", antwortet Andreas Hachmeister und fügt dann an: "Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir unternehmensintern entschieden haben, keinerlei Aussagen oder Statements zum Vorfall von 'Gil Ofarim' abzugeben." Damit ist das Schweigen in der Sache komplett. Oder? Das Geständnis und die Ungereimtheiten Schon im März 2025 warf ein Bericht des Magazins "Stern" die Frage auf, unter welchen Umständen Ofarims Geständnis zustande kam. Demnach sei Ofarim von seinen Verteidigern intensiv auf die Folgen eines möglichen Prozesses hingewiesen worden. Mehrere Beteiligte, darunter Ofarim selbst, schilderten in dem Bericht, dass die Aussicht auf hohe Gerichtskosten, eine mögliche psychiatrische Begutachtung sowie familiäre Sorgen eine zentrale Rolle gespielt hätten. Ofarims Anwalt Alexander Stevens sagte dem Magazin, dass es sich bei dem Vergleich aus seiner Sicht um die beste Lösung gehandelt habe. "Wir haben ihm versucht zu erklären, dass dieser Deal das juristisch Beste ist, was in Anbetracht der Situation machbar war und er das nicht ausschlagen sollte." Gleichzeitig betonte Stevens, dass sich sein Mandant zunächst gegen das Geständnis gesträubt habe: "Sie können schreiben, dass Ofarims Anwälte ihn zum Geständnis geprügelt haben. War mühsam", so der Anwalt. Die Angst vor dem Gutachten Im Laufe des Prozesses deutete sich an, dass eine vollständige Entlastung Ofarims unwahrscheinlich sei. Nach Darstellung Ofarims habe die juristische Unsicherheit ihn zunehmend belastet. Im Gespräch mit dem "Stern" gab er an, Angst vor einem Gutachten gehabt zu haben, das Auswirkungen auf das Sorgerecht für seine Kinder hätte haben können. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei er alkoholabhängig gewesen – ausgelöst durch psychischen Druck infolge der laufenden Ermittlungen und Berichterstattung. Er berichtete von Schlaflosigkeit, Panikattacken und täglichem Alkoholkonsum – eine Darstellung, die er auch jetzt im Dschungelcamp wiederholte. Dies könnte erklären, warum Ofarim jetzt davon spricht, dem Deal damals aus Angst vor dem Verlust seiner Kinder zugestimmt zu haben. Ein Deal, der ihn jetzt zum Schweigen verdammt? Was genau in der Unterlassungserklärung steht, die Ofarim am letzten Prozesstag gegenüber dem beschuldigten Hotelmitarbeiter abgegeben hat, bleibt naturgemäß unklar. Anzunehmen ist, dass dort vereinbart wurde, Ofarim dürfe seine Vorwürfe gegen den Rezeptionisten Markus W. nie wiederholen. Damit wären Gil Ofarim enge juristische Grenzen gesetzt bezüglich dessen, was er zu dem Fall sagen darf. Ob er nun bei RTL genau innerhalb dieser Grenzen agiert oder aus Vorsicht noch schweigsamer ist? Womöglich bleibt es ein schmaler Grat – und dennoch wirken seine jüngsten Ausflüchte auf viele Zuschauer so, als würde er, statt Reue zu zeigen, eher seine Unschuld andeuten.