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AfD-Politiker Krah ließ Jan Böhmermann zu lange auf Geld warten

Satiriker Jan Böhmermann schickt ihm den Gerichtsvollzieher, in der eigenen Partei ist ein Ordnungsverfahren beantragt: AfD-Politiker Maximilian Krah bewegt sich beim Thema Geld ab und an "im gelben Bereich", sagt er selbst. Jan Böhmermann hat wegen offener Forderungen gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah einen Gerichtsvollzieher eingeschaltet. Krah hatte sich mit der Zahlung von Schulden an den TV-Moderator Jan Böhmermann so viel Zeit gelassen, dass Böhmermann eine Zwangsvollstreckung einleitete. Krah selbst sagt, er habe planmäßig auf den letzten Drücker bezahlt und erklärt: "5.000 Euro habe ich auch nicht einfach so herumliegen." Parallel dazu sieht sich Krah mit Vorwürfen aus der eigenen Partei konfrontiert. Ihm wird schlechte Zahlungsmoral im Zusammenhang mit Zahlungen an die Landespartei vorgeworfen. Dies gelangte just nach einem Interview Krahs an die Öffentlichkeit, das Teilen der AfD überhaupt nicht gefallen hat. Was ist dran an Geldproblemen von Krah, der vor Jahren nach einem Foto mit einer Magnum-Flasche Champagner zum falschen Moment den Spitznamen "Schampus-Max" bekommen hat? Die Forderung Böhmermanns ist das Geldthema, das schon länger schwelt. Es geht dabei um rund 5.000 Euro Kosten. Die sind entstanden, weil Krah dem Satiriker per einstweiliger Verfügung eine Aussage zu Champagnerflaschen untersagen lassen wollte – ein Versuch, mit dem er bereits 2024 vor Gericht scheiterte. Die Vorgeschichte dazu spielte sich beim Oktoberfest in München Ende September 2024 ab: Ein Frankfurter Unternehmer hatte sich im Käferzelt einen größeren Tisch gesichert, unter seinen Gästen auch Krah. Und wie dort gefeiert wurde, das schlug Wellen bis zu Jan Böhmermann. Böhmermann hatte Oktoberfest-Anekdote wiedergegeben In seinem Podcast "Fest & Flauschig" mit Olli Schulz berichtete Böhmermann in der Folge vom 5. Oktober 2024 von "geilen Nachrichten", die er bekommen habe, "die muss ich ganz kurz vorlesen". Inhalt war: Es habe Unruhe im Zelt gegeben und eine Bedienung auf Nachfrage berichtet, Krah, der "Ober-Tiktok-Fascho von der AfD", habe 200 Flaschen Champagner bestellen und das ganze Zelt einladen wollen. Der Wirt habe aber nach einem Hinweis interveniert, die Bestellung storniert. Buhrufe in Krahs Richtung habe es gegeben und es sei als Zeichen "Love- und Peace-Musik" gespielt worden. Was Böhmermann da vorlas, stimmte aber so nicht ganz. Bis zum 9. Oktober wurde die Podcast-Folge viermal ergänzt. Das lag auch daran, dass sich jetzt Wiesn-Wirt Michael Käfer auf Nachfrage von Medien äußerte: Champagner gab es, aber viel weniger als 200 Flaschen, und die hatte auch nicht Krah persönlich geordert. Die Bestellung wurde nicht storniert, aber tatsächlich auf Bitten anderer Gäste "besonders positive" Musik gespielt. Krah wollte Böhmermann die Aussagen per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, scheiterte jedoch. Das Landgericht Düsseldorf sah einerseits keine Eilbedürftigkeit mehr: Böhmermann hatte den Ablauf schließlich schnell korrigiert – damit sei der Grund für eine schnelle Entscheidung entfallen. Zum anderen sei die Behauptung, die Böhmermann ausdrücklich als Zuschrift vorgetragen habe, für Krah gar nicht so beeinträchtigend. Durch das von ihm selbst vermittelte Bild in der Öffentlichkeit stelle die Darstellung keine gravierende Verletzung von Krahs Persönlichkeitsrecht dar, so das Gericht am 13. Dezember 2024. Seit März 2025 ist klar, dass Krah zahlen muss "Ich halte das Urteil bis heute für grob falsch, weil man dann so einfach mit Verleumdungen durchkommen kann", sagt Krah t-online. Er legte Berufung ein, ließ aber keine Begründung folgen. Am 13. März 2025 wurde seine Beschwerde verworfen, das Urteil des Landgerichts war damit rechtskräftig. Und damit auch, dass Krah die Kosten des Verfahrens tragen muss, auch von Böhmermanns Anwaltskanzlei. Monatelang war von dem Sachverhalt nichts mehr zu hören. Böhmermann ging dann im Juni 2025 in einem Posting an die Öffentlichkeit: Der "Nazi" Krah habe zwei von ihm angestrengte Verfahren verloren und schulde ihm "VIEL Geld", sei aber abgetaucht. Im Raum stand, dass die Zustellung von Post an Krahs Bundestagsadresse gescheitert sei. Krah kann sich das nicht erklären. "Ich wüsste nicht, warum Post an den Bundestag zurückkommen sollte." Der genaue Betrag war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gerichtlich bestätigt. Dies änderte sich mit dem sogenannten Kostenbesetzungsbeschluss des Landgerichts Düsseldorf vom 20. November 2025: 4.779,56 Euro plus Zinsen seit dem 13. März 2025, also 1,13 pro Tag. Wenn ein Kostenfestsetzungsbeschluss ergeht, bedeutet das einen sofort vollstreckbaren Titel, der Gerichtsvollzieher könnte sofort eingeschaltet werden. In diesem Fall wurde das Schreiben förmlich zugestellt: an Krahs zustellungsfähige Adresse "c/o Moncsek, Johannesplatz 4, Limbach-Oberfrohna" im Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Mike Moncsek, das Krah inzwischen gemeinsam mit ihm nutzt. Was Krah dann machte, nennt er selbst so: "Ich habe gezockt." Er habe zwar schon etwas auf der Seite liegen gehabt für die zu erwartende Zahlung, aber nicht 5.000 Euro. "Und Jan Böhmermann frage ich nicht nach Ratenzahlungsmöglichkeit." Zahlung vom Konto von Krah-Sohn Er habe ja selbst lange als Anwalt gearbeitet, so Krah: "Da weiß man, wie lange gewartet wird." Ein Beschluss von Ende November, dann die Weihnachtszeit – also war noch Zeit in der Krah'schen Rechnung. Nach Krahs Darstellung hat er spät, aber wie geplant bezahlt: Einschließlich Zinsen 5.053,28 Euro am Ende der vergangenen Woche. Die Zahlung an den Moderator ist dokumentiert. Das Geld wurde vom Konto eines der Kinder von Krah überwiesen. Zuvor habe er den Betrag seinem Sohn von seinem eigenen Konto geschickt, so Krah. Den ungewöhnlichen Weg erklärt der AfD-Politiker mit der Sorge, seine eigene Bankverbindung möglicherweise zu verlieren, wenn diese Böhmermann bekannt sei und öffentlich werde. Moderator Böhmermann hatte auf dem sozialen Netzwerk Bluesky am Mittwoch voriger Woche, am 21. Januar, berichtet, die Zwangsvollstreckung eingeleitet zu haben. Nach Informationen von t-online war der Auftrag an den Gerichtsvollzieher bereits einige Tage zuvor erfolgt. Böhmermann wollte dazu nichts sagen, das zuständige Gericht in Zwickau darf in Vollstreckungssachen keine Angaben machen. Krah hingegen gibt an, gezahlt zu haben, noch bevor ihn die Nachricht vom Gerichtsvollzieher erreichte. "Ich geh' nie in den roten Bereich, aber in den gelben schon mal." Neuer Vorwurf: Obulus an die eigene Partei nicht gezahlt Auch das ist ein Vorwurf, der Krah derzeit in seinem Landesverband Sachsen gemacht wird. Krah soll die sogenannte Mandatsträgerabgabe nicht fristgerecht entrichtet haben. Wer von der Partei für eine bezahlte Funktion aufgestellt wird, muss entsprechend einen Anteil an die Partei entrichten. Gegen Krah ist deshalb eine Parteiordnungsmaßnahme beantragt, wie der "Stern" berichtet. Solche Informationen stammen oft aus der Partei selbst und werden im Rahmen interner Machtkämpfe gezielt an Medien weitergegeben. Urheber des Antrags gegen Krah ist dem "Stern" zufolge der Europaabgeordnete Siegbert Droese. Anzeige Krah sagt, er habe "den Eindruck, der Antrag ist für die Presse geschrieben und nicht für den Landesvorstand. Man sucht etwas". Er hält das Durchstechen für eine Reaktion auf seinen Kurswechsel beim Thema "Remigration" in den vergangenen Monaten. Krah hatte sich erst am Wochenende in einem in der "FAZ" veröffentlichten Interview sehr deutlich gegen die Verwendung des unklaren Begriffs "Remigration" in der AfD ausgesprochen. Der Abgeordnete befindet sich damit auf Konfrontationskurs mit Martin Sellner, einer Führungsfigur der "Identitären Bewegung". Die Unklarheit des Begriffs sei das Problem, so Krah. Sellner verbinde den Begriff mit einem "ethnischen Programm". Im Interview sagte Krah: Wenn unter Forderungen nach "millionenfacher 'Remigration'" auch Staatsbürger verstanden würden, wäre "das Tor zur Hölle aufgestoßen". Er sieht das vor dem Hintergrund eines möglichen Verbotsverfahrens. Parallel dazu nähern sich Teile der AfD Sellner jedoch zunehmend an. Zuletzt trafen sich Abgeordnete in Brandenburg und Thüringen mit dem völkischen Österreicher . Krah ist in der AfD der sichtbarste Gegner dieses Kurses – und mit Vorwürfen zu Geldfragen leicht zu treffen. Schließlich schwebt über ihm noch ein laufendes Ermittlungsverfahren. Es geht um folgenden Verdacht: Honorar, das Krah als Anwalt für Beratungsleistungen erhalten hat, soll Bestechungsgeld aus Quellen in China gewesen sein – für chinafreundliches Handeln. Krah weist diese Vorwürfe zurück, spricht von einem politischen Verfahren und sagte t-online, er rechne bald mit einem Abschluss. Und die Mandatsträgerabgabe an den Landesverband? Dem "Stern" hatte Krah gesagt, aus seiner Sicht habe er immer pünktlich gezahlt. Jetzt muss er sich korrigieren: "Ich habe mich schlau gemacht. Ich überweise das immer am Monatsanfang, im August 2025 im Urlaub habe ich es vergessen." Das zahle er nun sofort. Er prüfe noch, es gehe aber nicht um mehrere Fälle und er sei auch nicht gemahnt worden. Der Antrag sei ein "Rohrkrepierer", so Krah zu t-online. "Es ist mir durchgegangen. Ich war wieder im gelben Bereich. Man kann mir vorwerfen, dass ich in so etwas lässig bin."

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