Sozialabgaben steigen: 50-Prozent-Marke bis 2035 möglich
Das Sozialversicherungssystem steht vor einer enormen Herausforderung: Die Finanzierungsschere der gesetzlichen Krankenversicherung öffnet sich immer weiter. Es droht ein Rekordanstieg der Sozialabgaben auf über 50 Prozent. Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung stellt auch in Zukunft eine große Herausforderung dar. Das zeigen neue Berechnungen des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) im Auftrag der DAK-Krankenkasse. Das IGES entwickelte hierfür szenarienbasierte Berechnungen zu den Beitragsentwicklungen der verschiedenen Sparten von Sozialversicherungen. Schon 2025 lagen die Sozialabgaben, inklusive Zusatzbeitrag, bei einer Höhe von 42,5 Prozent. Nach neuen Berechnungen des IGES-Instituts steigt der Gesamtsozialversicherungsbeitrag noch stärker an als zuvor erwartet. Damit ist die ehemalige Sozialgarantie der 40-Prozent-Marke in Zukunft außer Reichweite. Corona-Pandemie: Warken kontert Vorwürfe von US-Gesundheitsminister Kennedy Umbau des Sozialstaats: Grüne bereit zu Zusammenarbeit für Verfassungsänderung Die Zahlen der IGES-Projektion zeigen einen fortgesetzten Anstieg des Gesamtversicherungsbeitrags: 2026 soll der Gesamtversicherungsbeitrag bei 42,7 Prozent liegen. Für 2027 projiziert das IGES bereits einen Anstieg auf 43,6 Prozent und nur zwei Jahre später einen Anstieg auf 46,3 Prozent. Den Berechnungen zufolge soll der Gesamtsozialversicherungsbeitrag 2035 dann die 50-Prozent-Marke knacken – bei ungünstiger Entwicklung könnte er sogar bereits bei 54 Prozent liegen. Riesige Finanzlücke Dem starken Anstieg der Sozialversicherungsabgaben geht eine enorme Finanzlücke der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) von bis zu 17 Milliarden Euro im Jahr 2027 voraus. Allein die Krankenkassen haben mit einer Finanzlücke von bis zu 11,8 Millionen Euro zu rechnen. Nach Angaben des IGES-Instituts öffnet sich die Schere zwischen Ein- und Ausgaben der Krankenkassen in den folgenden Jahren immer mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielsweise laufen 2027 die unterstützenden Maßnahmen der Bundesregierung wie das Bundesdarlehen von 2025 und 2026 aus. Des Weiteren steigen die Ausgaben für Krankenhäuser und Apotheken sowie in der Pflege. Der demografische Wandel mit einer alternden Bevölkerung wirkt sich zudem negativ auf die Rentenversicherung aus. Um die gesetzlich vorgesehene Mindestreserve in der Rentenkasse sicherzustellen, sind deutliche Erhöhungen des Beitragssatzes notwendig. Weitere Entwicklungen der Beitragshöhe der verschiedenen Sozialversicherungen können außerdem von der Lohn- und Wirtschaftsentwicklung abhängig sein. Reformen sind notwendig Das Versprechen der Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für stabile Sozialbeiträge rückt nach der aktuellen Prognose in weite Ferne. Auf die Ergebnisse der IGES-Analyse, dass die Gesamtbelastung der Sozialversicherung bis 2035 die 50-Prozent-Marke übersteigt, reagiert der Vorstandschef der Krankenversicherung DAK , Andreas Storm, entrüstet. "Diese dramatische Entwicklung sollte für alle Beteiligten ein letzter Warnschuss sein, um schnell und mutig die notwendigen Reformen anzugehen", sagt Storm. Der Studienleiter der IGES-Projektion, Richard Ochmann, geht davon aus, dass die zuletzt beschlossenen Finanzierungsmaßnahmen der Bundesregierung allein "keine mittel- bis langfristige Beitragsdämpfung" erreichen werden. Er führt weiter aus: "Mit dem 'kleinen Sparpaket' und einem einmaligen Bundesdarlehen kann die Beitragsentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung im laufenden Jahr höchstens gedämpft werden." Die beiden Darlehen reichen somit langfristig nicht aus, um den Anstieg der Differenz zwischen Ein- und Ausgaben der Krankenkassen zu verhindern. Die DAK-Gesundheit fordert, durch eine stärker einnahmeorientierte Ausgabenpolitik dem 2027 zu erwartenden Beitragsanstieg zeitlich entgegenzuwirken. Dadurch könnten die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen den IGES-Berechnungen zufolge um acht Milliarden Euro gesenkt werden. DAK-Chef Andreas Storm stellte als Reaktion auf den drohenden Beitragsanstieg ein dreistufiges GKV-Stabilitätspaket vor.