Epstein-Files: Dschungelcamp der Reichen und Mächtigen enthüllt Abgründe
Jeden Tag Neues von Epstein, verstörende Berichte aus der Welt der Reichen und der Mächtigen. In diesem schmutzigen Netzwerk geht es um Geld, Sex – und Politik. Ein Abgrund. Mich haben die Epstein-Akten lange Zeit nicht interessiert. Ein Sexualstraftäter, der junge Frauen missbraucht und in die Prostitution gedrängt hat, moralisch verkommen, charakterlos. 2008 wurde er zum ersten Mal verurteilt, es ging "nur" um einen Einzelfall. 2019 ging es um sein ganzes Netzwerk, um den organisierten Mädchenhandel für mächtige und reiche Männer. Epstein richtete sich selbst, bevor das Gericht über ihn urteilen konnte. Eine abstoßende Geschichte, ein monströser Kriminalfall. Aber der Haupttäter ist tot, seine langjährige Gefährtin und Komplizin Ghislaine Maxwell sitzt im Gefängnis. Ist das politisch noch relevant? Armeen von Anwälten, Journalisten und Hobby-Ermittlern haben versucht, Donald Trump nachzuweisen, dass er bei den Partys auf Epsteins Insel Little St. James dabei war. Sie zählten penibel nach, wie oft er in seinem Privatjet mitflog. Eine vulgäre Zeichnung zu Epsteins Geburtstag wurde Trump zugeschrieben, er streitet alles ab. In den Unterlagen fanden sich viele Indizien, die gegen Trump sprechen, aber wenig Beweise. Mein Eindruck war: Die Epstein-Akten schaden Trump, aber sie bringen ihn nicht wirklich in Gefahr. Die Trump-Gegner reiten ein totes Pferd. Seit das US-Justizministerium jetzt Millionen weiterer Dateien ins Netz gestellt hat, blicken wir in bisher unbekannte Abgründe. Es geht immer noch um sexuellen Missbrauch, wer dabei war und wer davon wusste. Aber auch um Geld, um Privilegien, um Politik. Einige Dokumente lassen mich am Verstand von Prominenten zweifeln, die ich bisher für integer gehalten hatte. Andere säen Zweifel an der Integrität der Politik. Beide Sphären sind eng ineinander verwoben. Nein, diese Geschichte ist längst nicht erledigt. Dass der britische Prinz Andrew , inzwischen Ex-Prinz, Stammkunde in Epsteins Bordell war, ist hinlänglich bekannt. Jetzt ist auch belegt, dass seine Ex-Frau Sarah Ferguson Epstein als "Bruder" sah, den sie sich immer gewünscht hatte. Den Bruder bettelte sie um 20.000 Pfund an, sie konnte ihre Miete nicht bezahlen. Szenen aus dem Leben der britischen Royals. Schockierendes über die Kronprinzessin Schockierend sind die Enthüllungen über Mette-Marit, die norwegische Kronprinzessin. Eine Frau, der auch in Deutschland die Herzen zufliegen. Millionen Menschen nehmen Anteil an ihrem Schicksal als Mutter, deren Sohn wegen Vergewaltigung und Drogenkonsums vor Gericht steht. Was bitte bringt eine Frau wie sie dazu, ein Bild mit zwei nackten Frauen an Epstein zu schicken, mit der Frage, ob sich das Foto wohl als Bildschirmschoner für ihren damals 15-jährigen Sohn eigne? Wieso spricht sie den Straftäter als "Sweetheart" an? Das ist eine Skandalgeschichte aus dem europäischen Hochadel – und eine Staatsaffäre. Staatsaffäre in Norwegen , Staatsaffäre in Großbritannien : Lord Peter Mandelson, bis vor einem halben Jahr britischer Botschafter in Washington , ist in den Akten auf einem Foto in Unterhose zu sehen, neben ihm eine Frau im Bademantel. Peinlich. Er kann sich an nichts erinnern. Auch nicht an zehntausende Dollar, die er von Epstein bekommen haben soll. Oder daran, dass er ihm versprach, sich für eine günstige Steuerregelung zu Epsteins Gunsten einzusetzen. Mandelson amtierte als Wirtschaftsminister in Großbritannien, er war vor dem Brexit EU-Kommissar. Einer der einflussreichsten Labour-Politiker, tief verstrickt in die Verbindungen zum Pädokriminellen Epstein. Wahrscheinlich erspressbar. Ein Hubschrauber für den Milliardär Epstein nahm und gab. Die Kinder von Mona Juul, früher norwegische Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York , bedachte er in seinem Testament mit 10 Millionen Dollar. Einfach so, weil man sich mal begegnet ist? Die Geschichte des US-Milliardärs Tom Pritzker hätte ich niemals für möglich gehalten. Aus einem Dorf in Afghanistan schrieb er an Epstein: David Petraeus, damals Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, habe ihm einen Hubschrauber zur Verfügung gestellt. Es sei sein Geburtstagswunsch gewesen, er genieße die Zeit mit den "boys with toys", den Jungs mit Spielzeug. Mitten im Krieg darf der Boss der Hyatt-Hotels (unter anderem) mit einem Helikopter der US-Army Abenteuerurlaub machen. Kann man mit Geld alles kaufen? Die Namen all derer, die mit Epstein auch nach dessen Verurteilung 2008 einen lockeren, freundschaftlichen Austausch pflegten, die sich von ihm Geld, Kontakte oder Gelegenheit zum Sex erhofften, liest sich wie das Who’s Who der globalen High Society. Der Tech-Milliardär Peter Thiel, Bill Gates , Elon Musk , Woody Allen. Und aktive und ehemalige Politiker: Bill Clinton, der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman, der Israeli Ehud Barak, Frankreichs ehemaliger Kulturminister Jack Lang. Und natürlich Donald Trump. Die Herrschaft der Reichen Ein exklusiver Club, mittendrin der Sugardaddy Jeffrey Epstein . Hier eine Spende, da eine Einladung ins Luxusresort, Anreise gern mit dem Privatjet, Party mit Champagner, Kaviar und jungen Frauen aus Russland . All-inclusive. Big Money unterstützt die Politik, die Politik zeigt sich erkenntlich. Nein, man nennt dieses System nicht Demokratie. Sondern Plutokratie, die Herrschaft der Reichen. Die ganze Epstein-Connection datiert in der Vergangenheit, in den Nuller- und in den Zehnerjahren. In seiner zweiten Amtszeit hat Trump die Plutokratie noch perfektioniert. Die Tech-Größen des Silicon Valley, damals noch im linken Lager verankert, sind zu Trump übergelaufen, Jeff Bezos hat ihm die "Washington Post" gefügig gemacht. Medienkonzerne, Ölkonzerne und KI-Konzerne werden im Weißen Haus hofiert. Eine einzige Gegenleistung wird von den Oligarchen des Kapitalismus erwartet: Gefolgschaft. Auch Steve Bannon, einst Chefideologe Trumps und immer noch Vordenker seiner MAGA-Bewegung, unterhielt enge Kontakte zu Epstein. Bannon gehört zu den Erfindern des "Deep State", einer Erzählung, wonach eine geheime Elite im Hintergrund die Regierung kontrolliert und demokratische Prozesse manipuliert. Ich habe das immer für einen Verschwörungsmythos gehalten. Es klingt jetzt nicht mehr ganz so mythisch. Zur Kleptokratie ist es nicht mehr weit Bannon und Epstein tauschten Zoten über Frauen aus. Bannon prahlte mit seinem politischen Einfluss auf die rechten Parteien in Europa, auch auf die AfD . Mit ihrer Hilfe sollten – zum Beispiel – die Pläne der EU vereitelt werden, Kryptowährungen politisch zu regulieren. Trump ist ein Fan des Kryptogeldes, politisch und privat. Politisch, weil Bitcoin und andere digitale Kunst-Währungen die Kontrolle der Zentralbanken über die Geldpolitik erschweren. Trump würde gern selbst über die Höhe der Zinsen entscheiden, die US-Zentralbank Fed steht ihm im Weg. Und persönlich: Im vergangenen Oktober wurde bekannt, dass Trumps Familie in den ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit mehr als 800 Millionen Dollar Gewinn mit Kryptowährungen erzielt habe. Der Weg von der Plutokratie in die Kleptokratie ist nicht weit. Kleptokratie ist die Herrschaftsform, in der sich die Staatsführer auf Kosten der Bevölkerung bereichern. In weiten Teilen der Welt ist das die Regel. Westliche Demokratien schienen dagegen immun zu sein. Das war vor Epstein, vor Trump und ihren Jetset-Kumpanen. Etwas Tröstliches zum Schluss. Nur einige wenige Dokumente der Epstein-Akten deuten auf Verbindungen nach Deutschland hin, politische Verwicklungen gibt es bisher nicht. Nur Angela Merkel taucht in den Dateien auf. Ein Freund Epsteins schickte ihm ein Foto, das die Ex-Kanzlerin zusammen mit zwei anderen Frauen zeigt – nackt! Ein Fake-Bild, das schon vor Jahren durch die sozialen Netzwerke ging. Nun ja, die Superreichen.