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Berufungsverfahren: Jordan Bardella will Marine Le Pen beerben

Marine Le Pen wartet auf das Urteil im Berufungsprozess. Dort entscheidet sich ihre politische Zukunft. Ihr Zögling Jordan Bardella übernimmt die politische Bühne. Sein Ziel: die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Ganz Frankreich wartet auf das Urteil im Berufungsverfahren gegen Rechtspopulistin Marine Le Pen . Nur einer schafft schon mal Fakten. Jordan Bardella, 30, Chef der Le-Pen-Partei Rassemblement Nationale (RN), erklärte sich im Mittwoch auf der Plattform Instagram: Er sei frei und "niemandem etwas schuldig", erklärte er – um dann noch knapp seine "Freundschaft" mit "Marine" zu erwähnen. Das ist mehr eine Unabhängigkeitserklärung als ein Treuebeweis. Le Pen muss sich derzeit vor Gericht in einem Betrugsverfahren verantworten. Es geht um die unrechtmäßige Verwendung von EU-Geldern für die Partei RN. Ein erster Prozess endete mit dem Verbot, für ein politisches Amt zu kandidieren. Im Berufungsverfahren hatte Le Pen ihre Strategie geändert und leichte Versäumnisse eingestanden . Ihre Strategie: eine milde Strafe, aber die Chance, im nächsten Jahr bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich anzutreten. Doch das Plädoyer der Staatsanwaltschaft nährte Zweifel an dieser Hoffnung. Und so macht Bardella Druck: "Ich bin jung, dafür kann ich nichts, aber ich versichere Ihnen, dass dieser Makel von allein verschwindet", sagte er auf Instagram. Analyse: Wenn Richter Politik machen Souveränität: Frankreich verbannt US-Dienste wie Teams Bardella übernimmt längst die Bühne Schon die Kommunalwahl in Frankreich in diesem März bietet ihm eine erste Bewährungsprobe. Am vergangenen Wochenende schaltete Bardella sich erstmals in den Kommunalwahlkampf ein. Seine Auftritte machen deutlich, dass er vor allem für sich selbst kämpft – mit Selfies, Bad in der Menge und halbseitigen Autogrammen wie in seinem jüngsten Buch. Die Auftritte wirkten wie eine Generalprobe für den Präsidentschaftswahlkampf. Die Chancen stehen günstig. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Das Parteiensystem in Frankreich ist fragmentiert. In Umfragen liegt Bardellas RN in Führung. Bardella, 30, ist in der Pariser Banlieue aufgewachsen. "Die Banlieue hat mich politisiert", hat er einmal erklärt. Mit 19 tritt er dem RN bei, da hatte das Kind aus einer italienisch-algerischen Familie gerade sein Geographie-Studium an der renommierten Pariser Sorbonne aufgenommen. Marine Le Pens neue Strategie Bislang war der RN ein Familienunternehmen . Marine Le Pens Vater, Jean-Marie Le Pen (1928-2025), hatte die Bewegung 1972 übernommen. Damals noch als Front National. Sein größter Erfolg war 2002 der Einzug in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl. Er unterlag gegen den Sozialisten Lionel Jospin. Deutlich. Damals galt der Erfolg der Rechtsaußenpartei noch als politischer Betriebsunfall. Doch Marine Le Pen gelang es gleich zwei Mal, Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang herauszufordern. Ihre Strategie: Entdiabolisierung, eine Säuberung des Programms von teuflisch-toxischem wie etwa Antisemitismus. Ihr Ziel: Die in Rassemblement National – Nationale Sammlungsbewegung – umbenannte Partei für breite rechtskonservative Schichten wählbar zu machen. Seit 2022 führt Jordan Bardella die Partei. Von den "Vergessenen" spricht Bardella gerne. Er redet über die Bäckereien, die ebenso schließen wie Poststellen und Schulen. Schuld daran seien der Freihandel, die EU, die Migration und natürlich die Eliten aus Paris . Bardella sammelt die Enttäuschten. Noch steht das Urteil im Berufungsverfahren gegen Le Pen aus. Es soll im Juli ergehen. Die Wachablösung in der Partei zeigte sich aber schon beim Neujahrsempfang der Bewegung im vergangenen Monat. Jordan Bardella stand im Zentrum und herzte viele. Marine Le Pen, streifte laut Beobachterinnen nur kurz durch die Menge. Sie überlässt Bardella längst die Bühne.

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