Rubio in München: Ein Witz über deutsches Bier reicht nicht
US-Außenminister Marco Rubio schmeichelt bei der Münchner Sicherheitskonferenz Deutschland und den EU-Staaten. Doch wer deswegen auf einen Sinneswandel der Trump-Regierung hofft, ist naiv. Misstrauen bleibt eine Notwendigkeit. Es sind warme Worte, die sich fraglos gut anfühlen – besonders nach dem heftigen Streit zwischen den USA und der Europäischen Union in den vergangenen Monaten. US-Außenminister Marco Rubio erinnerte in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag an die historische Verbundenheit zwischen Europa und Amerika. Er sprach über europäische Siedler, die Gründerväter der USA. Er erinnerte an die Rolle der Nato im Kalten Krieg und der USA im geteilten Deutschland. Er machte Witze darüber, wie deutsches Bier die amerikanische Kultur bereichert habe. In der Konferenzhalle gab es dafür teilweise höflichen Applaus, es wurde sogar gelacht. Rubios Rede in München wirkte wie eine heilsame Salbe. Sie war aber vor allem deswegen wohltuend, weil sie an eine Zeit erinnert, in der Amerika und Europa in einem gemeinsamen Kampf gegen den sowjetischen Kommunismus eng zusammenstanden. Doch die Wahrheit in der Gegenwart ist eine andere: Die Nachkriegsordnung wurde von US-Präsident Donald Trump massiv beschädigt. Die Zeit, über die Rubio in seiner Rede sprach, um freundschaftliche Gefühle zu wecken, sie ist längst vorbei. Es ist kein Zufall, dass Trump Rubio nach München schickte. Der US-Außenminister ist in Europa keine Reizfigur wie Vizepräsident JD Vance. Fragt man europäische Diplomaten, dann liegen die Hoffnungen mit Blick auf die transatlantische Freundschaft meistens auf Rubio. Weil er in der Vergangenheit ein Transatlantiker war, hoffen sie, er habe Einfluss auf Trump und könne ihn mäßigen. Aber das zu glauben, ist naiv – auch nach seiner sehr gemäßigten Rede in München. Rubio auf der Sicherheitskonferenz: Trumps Minister zählt zwei "dumme" Fehler auf Rede in München: Plötzlich schießt Merz offen gegen Trump Politische Gegensätze werden deutlich Denn Rubio spielt sein eigenes Spiel – und er spielt es klug. Er ist in Trumps Administration eher ein Minister, der im Hintergrund wirkt. Er setzt nicht auf Eskalation, sondern war mit allen EU-Staaten im ersten Amtsjahr von Trump oft in einem konstruktiven Austausch. Zumindest hatte es den Anschein. Rubios Macht ist im vergangenen Jahr stetig gewachsen. Er ist nicht mehr nur Außenminister, sondern auch Trumps Sicherheitsberater. Der Plan zur US-Intervention in Venezuela zum Jahresbeginn stammt aus seiner Feder, vermuten Experten. Außerdem will Rubio gerne US-Präsident werden, und schon deswegen wird er sich nicht allzu sehr politisch von Trump entfernen. Das wurde auch in München deutlich, aber eher zwischen den Zeilen. Genau wie Trump sprach Rubio von einer Klima-Ideologie, kritisierte die Europäer auch dafür, Massenmigration zuzulassen. All die transatlantischen Sympathiebekundungen bei der MSC können nicht darüber hinwegtäuschen: Die USA sind aktuell ideologisch ein Rivale für viele europäische Demokratien. Auch Deutschland muss diese Gegensätze als Warnung ernst nehmen. Grönland-Streit noch immer spürbar Dabei sind die politischen Differenzen nicht das größte Problem. Sie gehören dazu, und gute Freundschaften müssen sie aushalten. Auch Rubios Forderungen und Analysen mit Blick auf die globale Ordnung sind oftmals richtig: Europa müsse stärker werden. Das würde auch die USA stärken. Zudem müssten die Vereinten Nationen reformiert werden, weil sie die aktuellen Kriege in der Welt nicht verhindern konnten. Der US-Außenminister hat hier valide Punkte. Aber engen Partnern zieht man eben nicht die Daumenschrauben an, um eigene Interessen durchzusetzen, so wie Trump es bisher getan hat. Der US-Präsident setzt vor allem auf Drohungen und Erpressung, etwa in der Handelspolitik oder im Streit um Grönland . Besonders letzterer war für die Europäer ein Schock, der zu Recht noch immer tief sitzt und der noch länger nicht vergessen sein wird. Diese Zäsur in den transatlantischen Beziehungen muss ein aufweckendes Momentum für Europa werden. Ein sympathischer Auftritt eines US-Außenministers kann nicht wettmachen, dass die Amerikaner teilweise unterschiedliche Interessen verfolgen. Aktuell setzt Trump wieder auf Annäherung an Europa, auch weil er einen politischen Konflikt mit dem alten Kontinent mit Blick auf die Zwischenwahlen in den USA aktuell nicht brauchen kann. Aber mit ihm im Weißen Haus kann sich der Wind jederzeit drehen. Das muss die Lehre bleiben, die Deutschland und Europa aus dem vergangenen Jahr ziehen sollten.