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Nach Revo-Insolvenz: Diese Hotels müssen jetzt schließen

Nach der Insolvenz der Revo Hospitality Group stehen nun die ersten dauerhaften Schließungen fest. Zwei Hotels in Deutschland stellen den Betrieb ein. Das Aedenlife Hotel & Resort auf Rügen und das Mövenpick Hotel Frankfurt City haben infolge der Revo-Insolvenz ihren Betrieb eingestellt. Damit sind erstmals konkrete Standorte betroffen, nachdem Europas größter Hotelbetreiber Mitte Januar für rund 140 Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg beantragt hatte. Nach Unternehmensangaben sind von dem ursprünglichen Insolvenzantrag 125 Hotels mit etwa 5.500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich betroffen. Der Geschäftsbetrieb sollte zunächst weiterlaufen, die Löhne über eine Vorfinanzierung der Agentur für Arbeit bis März gesichert werden. Brandenburg : Hunderte protestierten gegen Schließung von Wurstfabrik Insolvenzen : 60 Betriebe am Tag geben auf Die in Berlin ansässige Gruppe betreibt nach eigenen Angaben rund 250 Hotels in 135 Städten und zwölf europäischen Ländern – unter eigenen Marken sowie als Franchisenehmer großer Ketten wie Hilton, Accor , Wyndham oder Steigenberger. Zuvor firmierte das Unternehmen unter dem Namen HR Group. Zwei Hotels schließen Das Aedenlife Hotel & Resort Rügen hat den Betrieb bereits eingestellt. Auf der Internetseite heißt es, Buchungen seien nicht mehr möglich. "Gäste mit bestehenden Buchungen werden schnellstmöglich informiert. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die sich daraus ergeben", teilt das Hotel mit. Auch das Mövenpick Hotel Frankfurt City schließt. Ein Mitarbeiter erklärte auf Anfrage, "Morgen ist der letzte Tag". Es seien noch die letzten Gäste im Haus, doch am Sonntag werde der Betrieb eingestellt. "Dann existiert das Hotel nicht mehr", sagte er. Bei der ursprünglichen Meldung im Januar teilte das Unternehmen mit, die Insolvenzen seien in Eigenverwaltung angemeldet. Tatsächlich wurde jedoch für insgesamt vier Gesellschaften ein vorläufiges Regelinsolvenzverfahren angeordnet und Lucas Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt, wie das Branchenportal "Hotel vor 9" berichtete. Neben den beiden nun geschlossenen Häusern betrifft das auch das Centro Hotel Goya in Wolfsburg und das Centro Hotel National in Frankfurt. Dort läuft der Betrieb bislang weiter. Was Regelinsolvenz und Eigenverwaltung bedeuten Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und steuert die Sanierung selbst, allerdings unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters. Ziel ist es, das Unternehmen zu stabilisieren und fortzuführen. In einem Regelinsolvenzverfahren hingegen übernimmt ein Insolvenzverwalter die Kontrolle. Er entscheidet über Fortführung, Verkauf oder Schließung einzelner Betriebe. Dass für einzelne Revo-Gesellschaften dieser Weg gewählt wurde, deutet auf eine schwierigere wirtschaftliche Lage in diesen Häusern hin. Rasantes Wachstum als Belastung Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nannte Revo im Januar gestiegene Lohnkosten, höhere Mieten sowie stark gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise. Vor allem aber habe die schnelle Expansion der vergangenen Jahre das Unternehmen belastet. Seit 2020 wuchs das Portfolio von 51 auf rund 250 Hotels. Die Übernahme zahlreicher Häuser und Marken sei mit hohen Integrations- und Finanzierungskosten verbunden gewesen. Gleichzeitig seien die Übernachtungszahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, geplante Umsätze für 2025 seien nicht erreicht worden. Das Branchenportal "Hotel Inside" ordnet die Entwicklung als Teil eines größeren Trends ein. Binnen 15 Monaten seien mit Lindner, Achat und Revo drei große Hotelbetreiber in die Insolvenz geraten. Gemeinsame Faktoren seien hohe Fixkosten sowie langfristige Pacht- und Franchiseverträge. Gerade das sogenannte "White-Label"-Modell von Revo erhöhe die operative Komplexität, schreibt "Hotel Inside". Übersetzt bedeutet das: Revo tritt nicht in erster Linie mit einer eigenen starken Marke am Markt auf, sondern betreibt Hotels im Auftrag oder unter dem Namen großer internationaler Ketten. Für Gäste steht etwa "Mövenpick" oder "Wyndham" über der Tür – wirtschaftlich geführt wird das Haus jedoch von Revo. Dieses Modell verspricht Skalenvorteile, weil ein Betreiber viele unterschiedliche Marken parallel managen kann. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen: Jede Marke hat eigene Standards, IT-Systeme, Berichtspflichten und Gebühren. Wenn Auslastung und Erlöse sinken, schlagen diese festen Kosten besonders stark durch. Revo sucht nach internationalen Investoren, um die Sanierung voranzutreiben. Ziel ist nach Unternehmensangaben eine zügige Restrukturierung und eine langfristige Fortführung der Gruppe. Für die Dauer der Sanierung hatte Rechtsanwalt Gordon Geiser die Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften übernommen. Mit den in Eigenverwaltung beantragten Verfahren bestünden "gute Aussichten für eine zügige Sanierung und eine langfristige Fortführung", erklärte Geiser im Januar. Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld soll die Neuaufstellung bis zum Sommer 2026 abgeschlossen sein. Was das für Gäste bedeutet Für Reisende bedeutet die Entwicklung vor allem Unsicherheit. Zwar hatte Revo im Januar erklärt, bestehende Buchungen sollten grundsätzlich gültig bleiben und die Hotels geöffnet bleiben. Die Schließungen auf Rügen und in Frankfurt zeigen jedoch, dass es zu kurzfristigen Betriebseinstellungen kommen kann. Wer in einem Hotel der Revo-Gruppe gebucht hat, sollte sich vor Reiseantritt direkt beim jeweiligen Haus erkundigen, ob der Betrieb fortgeführt wird. Empfehlenswert sind flexible Stornierungsbedingungen und eine Zahlung über Anbieter mit Käuferschutz.

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