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CDU: Drogenbauftragter Hendrik Streeck für Social-Media-Verbot bis 14

Ein Antrag für den CDU-Parteitag fordert ein Social-Media-Verbot für Jugendliche bis 16 Jahre. Zwei bekannte Vertreter der Partei, Nathanael Liminski und Hendrik Streeck, plädieren nun im Gastbeitrag für eine niedrigere Altersgrenze – wie es auch die SPD tut. Die Gefahren eines exzessiven Social-Media-Konsums bei Kindern und Jugendlichen sind nicht mehr nur Thema der Medienpolitik, des Jugendschutzes und der Suchtprävention, sondern werden inzwischen breit gesellschaftlich diskutiert – richtig so! Jedes vierte Kind zeigt bereits ein riskantes Medienverhalten. Seit der Pandemie sind die Nutzungszeiten deutlich gestiegen und liegen weiterhin über dem Niveau vor Corona. Bereits 42 Prozent der 10- bis 11-Jährigen nutzen TikTok, 74 Prozent YouTube. Das ist keine Randerscheinung mehr, sondern Teil des Alltags einer ganzen Generation. Die Risiken sind real – viele Eltern spüren diese Sorgen unmittelbar im Alltag, junge Menschen leiden unter den Folgen. Stundenlange Nutzung sozialer Medien führt zu Konzentrationsproblemen, depressiven Symptomen oder gar Angsterkrankungen. Studien zeigen zudem, dass dauerhafte digitale Ablenkung Lernprozesse schwächt und Stress erhöht. Tiefenlernen und kritisches Denken brauchen Fokus und keine Dauerbeschallung. Das ist kein Zufall, sondern Geschäftsmodell. Plattformen sind darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zu maximieren. Plattformen arbeiten mit personalisierten Endlos-Feeds, automatischen Wiedergaben und algorithmisch verstärkten Reizen. Ziel ist maximale Verweildauer. Die Algorithmen sind dabei so gut geworden, dass sie schnell abhängig machen und ähnlich wirken wie bei einer chemischen Substanz. Wer das verharmlost, verkennt die Realität. Konzepte, die wirken – und keine Symbolpolitik Dabei müssen wir unterscheiden zwischen problematischen Inhalten und suchtfördernden Mechanismen. Gewalt, Extremismus oder verzerrte Körperbilder sind das eine. Algorithmen, die Nutzungsdauer maximieren, das andere. Beides wirkt zusammen – und trifft auf ein besonders sensibles Belohnungssystem bei Heranwachsenden. Dafür braucht es eine echte Antwort der Politik, die wirkt. Nicht Symbolpolitik. Nicht Schlagzeilen. Die Menschen erwarten ein Konzept, das dem Thema gerecht wird und dann auch tatsächlich politisch durchgesetzt und rechtlich wie technisch umgesetzt werden kann. Es geht jetzt um einen entschlossenen und wirksamen Jugendmedienschutz im Zusammenspiel von klarer Regulierung, konsequenter Rechtsdurchsetzung und kluger Prävention. Er muss sich an der Lebensrealität junger Menschen orientieren, ohne sich ihr unterzuordnen. Eltern tragen Verantwortung, aber sie dürfen mit dieser Herausforderung nicht allein gelassen werden. Nutzungsverbot für Kinder bis 14 Jahre Kinder brauchen besonderen Schutz. Gerade weil sie Risiken noch nicht verlässlich einschätzen können und besonders anfällig für manipulative Mechanismen sind. Deshalb treten wir für ein wirksames Verbot der Nutzung von sozialen Netzwerken bis zum Alter von 14 Jahren ein. Altersgrenzen nützen aber nur, wenn sie auch technisch durchgesetzt werden. Deshalb braucht es eine verlässliche und datenschutzkonforme Altersverifikation. Die Länder haben mit der Reform des Jugendmedienschutzstaatsvertrags wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen. Altersangaben müssen künftig auf Betriebssystemebene wirksam werden. Das entlastet Eltern und erschwert es, bestehende Schutzmechanismen etwa auf App-Ebene zu umgehen. Mit einem klaren Verbot werden zusätzlich die Plattformen in die Pflicht genommen, den Zugang für unter 14-Jährige effektiv zu unterbinden. Wir akzeptieren Altersgrenzen bei Alkohol, Tabak, Glücksspiel oder bei Filmen. Warum sollten sie im digitalen Raum nicht gelten? Das muss gerade dort gelten, wo Geschäftsmodelle gezielt die Verletzlichkeit junger Menschen ausnutzen. Ein klares Verbot schützt Kinder – und es entlastet Familien. Es verortet Verantwortung dort, wo sie hingehört: zu den Anbietern. Leitplanken statt Abschottung Wir müssen an der Altersgrenze 14 unterscheiden zwischen Kindern und Jugendlichen. Jugendliche kommunizieren, informieren sich und organisieren sich selbstverständlich über soziale Medien. Diese Realität können wir nicht ignorieren. Für Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren muss daher Sicherheit im Netz gewährleistet sein – ohne ihnen Chancen auf Wissen, Vernetzung und Entfaltung zu verbauen. Das verlangt klare Anforderung an die Anbieter. Plattformen müssen stärker Verantwortung für ihr Produkt übernehmen, müssen bei der Suchtprävention und -bekämpfung sowie mit Blick auf den Jugendschutz in die Pflicht genommen werden. Hier geht es nicht um Abschottung, sondern um Leitplanken. Klare Altersvorgaben, transparente Algorithmen, Schutz vor Manipulation durch Bots oder gekaufte Reichweite. Plattformen tragen Verantwortung für ihr Produkt – auch für dessen Suchtpotenzial. Der europäische Digital Services Act verpflichtet große Plattformen bereits heute, systemische Risiken zu begrenzen – ausdrücklich auch Risiken für Minderjährige. Jetzt kommt es auf die Durchsetzung an: Es braucht wirksame Verfahren, transparente Beschwerdewege, spürbare Sanktionen und technische Unterstützung – auch durch KI –, damit rechtswidrige Inhalte schnell erkannt und konsequent entfernt werden. Wenn der bestehende Rechtsrahmen nicht ausreicht oder Plattformen Lücken suchen und ausnutzen, müssen wir nachschärfen – und so schnell sein wie die technische Entwicklung selbst. Regulierung allein reicht nicht Und wir dürfen nicht zulassen, dass sich Probleme lediglich verlagern. Wenn soziale Interaktion in Spiele-Chatfunktionen oder andere digitale Räume ausweicht, ohne dass dort Schutzmechanismen greifen, entsteht ein blinder Fleck. Jugendmedienschutz muss technologieneutral und konsequent gedacht werden. Aber klar ist auch: Regulierung allein reicht nicht. Jugendmedienschutz ist immer auch Prävention. Der Umgang mit sozialen Medien muss gelernt werden – altersgerecht, niedrigschwellig und kontinuierlich. Medienkompetenz gehört in Schulen, aber auch in die außerschulische Bildung. Vereine, Kultur, Ehrenamt müssen eine größere Rolle spielen. Es braucht Fortbildungen für Lehrkräfte und Eltern. Jugendliche brauchen Räume, in denen sie digitale Erfahrungen reflektieren können. Es gibt bereits gute Programme – sie müssen gestärkt, sichtbarer und flächendeckender werden. Gerade weil soziale Medien mittlerweile fester Teil des Lebens junger Menschen ist. Medienkompetenz ist dabei nicht nur eine Frage individueller Gesundheit, sondern auch der demokratischen Resilienz. Wer lernt, wie Algorithmen Inhalte auswählen und verstärken, ist weniger anfällig für Manipulation und Radikalisierung. Mediennutzung darf kein Wahlkampfthema sein Jugendmedienschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jetzt geht es darum, vom Reden ins Handeln zu kommen. Die von Bundesministerin Prien eingesetzte Fachkommission Jugendschutz ist dafür ein wichtiger Schritt und auch die unterschiedlichen Vorschläge und Debatten der letzten Wochen und Monate sind wertvoll, da es zeigt, dass hier der Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Am Ende zählt, dass wir klare Leitplanken setzen: Kinder mit einem Verbot bis zum Alter von 14 Jahren wirksam schützen, Jugendlichen ab diesem Alter Sicherheit geben, Plattformen in die Pflicht nehmen und Eltern entlasten. Diese Debatte darf nicht parteipolitisch instrumentalisiert werden. Sie betrifft die Gesundheit und die Entwicklung unserer Kinder. Die Mediennutzung junger Menschen ist kein Wahlkampfthema. Für Entscheidungen dieser Art sollten wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens suchen. Vor allem aber kommt es jetzt darauf an, dass wir diese wichtige Aufgabe nicht länger aufschieben. Unsere Kinder wachsen jetzt auf. Die im Gastbeitrag geäußerten Ansichten geben die Meinungen der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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