Geldanlage: Silber und Gold toppen Musks Tesla, Nvidia und Alphabet
Künstliche Intelligenz war als Top-Thema 2026 eigentlich gesetzt. Doch ein absurder Hype verdrängt selbst Nvidia, Tesla oder Alphabet. Wenn Sie vor wenigen Jahren im Bekanntenkreis auch unter gut informierten Börsianern mit dem Thema Silber gekommen wären, hätte man Ihnen umgehend die Auszeichnung Langweiler des Jahres verpasst. Dröger als Silber konnte kaum ein Basiswert sein. Das hat sich in den vergangenen Monaten fulminant gedreht. Denn an deutschen Börsen dominiert in der Regel der Dax als Basiswert, danach kommt meistens lange nichts bis zu starken Einzelaktien wie zuletzt Rheinmetall, Nvidia oder Tesla – den Konzernen von Elon Musk und Jen-Hsun Huang. Nicht aber in diesem Jahr. Silber erholt sich nach dem Kursrutsch Wenn es ein stammtischtaugliches Börsenthema 2026 geben soll, dann ist es an erster Stelle der Silberpreis . Silber strahlt immer noch heller als gewohnt, obwohl der jüngste Kursrutsch historische Ausmaße annahm. "Seit dem Hoch liegt die Korrektur bei etwa 40 Prozent – ein Abstand, der aber auf der mittleren Zeitskala noch keine nachhaltige Entspannung signalisiert", erklärt der technische Analyst Franz-Georg Wenner. "Die Feinunze notiert weiterhin etwa 50 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt", so Thomas Soltau von Smartbroker. Mittel- bis langfristig spricht das technisch klar gegen eine neue, stabile Aufwärtsbewegung. Kurzfristig jedoch hat sich eine deutlich überverkaufte Ausgangslage etabliert: "Mit 20 Prozent Abschlag zum Monatsdurchschnitt ist Silber so günstig wie zuletzt während des Corona-Crashs sowie im September/Oktober 2011", so Franz-Georg Wenner. Schließlich kratzte Silber im Februar erstmals an der Marke von 120 USD je Feinunze, um danach auf 70 Dollar rapide abzustürzen. Anleger kauften an Börsen wie Gettex fast alles, was long oder short auf Silber zu haben war. Vor allem bei Emittenten wie UBS, Vontobel, Morgan Stanley oder JP Morgan im Derivatesektor dominierte das Thema Silber. Aber auch physisch hinterlegte Silber-ETFs sind seit Jahresbeginn der Renner. Bei den Umsätzen und dem Hype um Silber in den ersten sechs Wochen des Jahres müssen sich Nvidia, Alphabet, Tesla oder auch der Dax hinten anstellen, die sonst ganz oben standen in Auswertungen, zum Beispiel beim Lynx-Broker. China stützt den Silberpreis Die bereits bekannten Argumente für die Rally werden noch immer wiederholt: geopolitische Krisen, Zolldrohungen, der Boom der KI , industrielle Nachfrage und ein Angebotsdefizit gelten als Treiber. Neu hinzukommt der zeitweise hohe Preisaufschlag in China . Anders als an westlichen Börsen wie New York oder London , wo überwiegend "Papiersilber" an Terminmärkten gehandelt wird, dominiert in Shanghai der physische Handel. Dort liegt der Preis rund 15 Prozent über dem internationalen Spotpreis. Das wird gern als Beleg für eine starke physische Nachfrage herangezogen – und für die Annahme, dass die Rally nicht von Spekulanten getrieben, sondern durch realen industriellen Bedarf gestützt wird. Doch Vorsicht: "Silber in China unterliegt einer 13-prozentigen Mehrwertsteuer (VAT), die vor allem Kleinanleger und kleine Händler trifft, die sogenannte 'Shanghai Premium'" so Experte Soltau. Diese Steuer bildet die Basisprämie, doch der aktuelle Anstieg dürfte nicht allein steuerbedingt sein. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel von Steuern , Angebot und Nachfrage sowie kurzfristigem Marktverhalten. Die physische Nachfrage verstärkt die Basisprämie, die Margins am Terminmarkt und spekulative Aktivitäten bewirken zusätzliche Volatilität. Letztes Mittel gegen Spekulationsblasen Auch an den westlichen Börsen lohnt sich ein genauer Blick. Die CME Group hat seit Dezember auf die massive Volatilität reagiert und die Sicherheitsanforderungen (Margins) mehrfach erhöht. Am 28. Januar 2026 trat eine weitere Verschärfung in Kraft: Die Margin stieg von neun auf elf Prozent des Nominalwerts. Auf den ersten Blick sind zwei Prozentpunkte vielleicht unscheinbar, doch bei einem Standardkontrakt von 5.000 Unzen und einem Silberpreis von 117 USD steigt die erforderliche Sicherheitsleistung von 52.650 Dollar um 11.700 Dollar auf 64.350 Dollar – und wer 100 Kontrakte hält, muss über Nacht zusätzliche 1,17 Millionen Dollar bereitstellen. Historisch gesehen, etwa 1980 und 2011, war eine derartige Folge von Margin-Erhöhungen oft das letzte Mittel der Börse, um eine spekulative Parabel zu brechen. Die Börse will nicht auf Verlusten sitzen bleiben, falls der Preis plötzlich um zehn Prozent oder mehr einbricht. Der Markt wird ausgetrocknet Heute ist die Ausgangslage jedoch anders. Zwar wurden die Hürden für den Einstieg in den Terminmarkt massiv erhöht, doch das fundamentale Angebotsdefizit lässt sich nicht wegregulieren. "Seit Jahresbeginn gelten in China strikte Exportbeschränkungen", so Lars Reichel von der Börse München . Als Hauptproduzent und größter Veredler trocknet der globale Markt für physisches Silber (Granulat und Barren) zunehmend aus. "Margin-Erhöhungen treffen vor allem gehebelte Spekulanten am Papiermarkt, während Industriekunden aus Photovoltaik, KI-Rechenzentren oder der Nuklearindustrie das Metall physisch benötigen – und nicht warten können", so Stefan Riße von Acatis. Zudem werden Edelmetalle stärker als strategische Anlage und sicherer Hafen wahrgenommen. Institutionelle Investoren bauen ihre Bestände aus. Da sie ihre Positionen vollständig mit Eigenkapital finanzieren, spielen höhere Sicherheitsleistungen an den Börsen für sie kaum eine Rolle.