Grönland weist Trump-Angebot zurück: Streit um Lazarettschiff
Grönland kontert das Angebot von US-Präsident Trump zur Entsendung eines Lazarettschiffs. Ministerpräsident Nielsen verweist auf die Gesundheitsversorgung der Insel, die – anders als in den USA – kostenlos ist. Grönland hat das Angebot von US-Präsident Donald Trump zur Entsendung eines Lazarettschiffs strikt zurückgewiesen. Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen lehnte den Vorschlag am Sonntag ab und verwies auf die funktionierende Gesundheitsversorgung der Insel. "Die Idee von Präsident Trump, ein amerikanisches Lazarettschiff hierher nach Grönland zu schicken, ist zur Kenntnis genommen worden", schrieb Nielsen auf Facebook. "Aber wir haben ein öffentliches Gesundheitssystem, in dem die Behandlung für die Bürger kostenlos ist." Trump hatte am Samstag in den sozialen Medien angekündigt, er arbeite mit dem Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zusammen, um ein Schiff zu entsenden. Dies solle "die vielen kranken Menschen versorgen, die dort vernachlässigt werden". Angaben dazu, welche angeblich kranken Menschen er meinte, machte der US-Präsident nicht. "Es ist auf dem Weg!!!", schrieb Trump, flankiert von einem Bild des Lazarettschiffs "USNS Mercy". Jeff Landry wurde von Trump im Dezember zum Grönland-Sondergesandten ernannt. Nach Grönland-Streit: Nato startet Arktis-Einsatz US-Newsblog: Alle Entwicklungen zu Donald Trump und seiner Regierung Nielsen erklärte weiter, Grönland bleibe offen für Dialog und Zusammenarbeit, auch mit den USA . "Aber reden Sie mit uns, anstatt mehr oder weniger willkürliche Kommentare in sozialen Netzwerken abzugeben", fügte er hinzu. In Grönland ist neben kleineren öffentlichen Gesundheitseinrichtungen das Krankenhaus Königin Ingrid (Dronning Ingrids Hospital) in der Hauptstadt Nuuk für kompliziertere Fälle zuständig. In Einzelfällen werden Patienten für aufwendigere Eingriffe auch aus Grönland nach Dänemark ausgeflogen. Trumps Ankündigung erfolgte wenige Stunden, nachdem ein Besatzungsmitglied eines US-U-Boots vor der Küste der Hauptstadt Nuuk aus medizinischen Gründen evakuiert werden musste. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Vorfall und Trumps Post besteht, war zunächst unklar. US-Lazarettschiff liegt aktuell wohl in Alabama vor Anker Unklar ist allerdings, inwieweit und wie schnell die beiden Schiffe überhaupt einsatzfähig wären. Ende Januar hatte eine Werft in Mobile im US-Bundesstaat Alabama auf Facebook mitgeteilt, dass nun auch die USNS Comfort dort angekommen sei und damit beide Lazarettschiffe dort lägen. Für die Comfort waren dort nach früheren Angaben des Pentagons Arbeiten bis Ende April geplant. Das Schiffsverkehrs-Portal "Vesselfinder" verortete beide Schiffe zuletzt weiter in Mobile – wobei nur für die USNS Mercy am Sonntagvormittag deutscher Zeit aktuelle Daten vorlagen, für die USNS Comfort stammten die letzten Angaben von Anfang des Monats. Hinzu kommt: Zwar schrieb Trump, dass das Schiff bereits unterwegs sei. Normalerweise dauert es jedoch einige Zeit, ein Lazarettschiff mit voller Personalstärke auszustatten. Im Regelbetrieb, wenn die Schiffe vor Anker liegen, befindet sich nur eine minimale Besatzung an Bord. "Trump twittert ständig über Grönland" Neben Nielsen meldete sich derweil auch die dänische Regierung in Kopenhagen . "Die Bevölkerung von Grönland erhält die Gesundheitsversorgung, die sie braucht", sagte der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen am Sonntag dem Sender DR. Die medizinische Versorgung finde entweder in Grönland selbst oder durch Spezialisten in Dänemark statt, es bestehe keinerlei Bedarf für medizinische Hilfe durch andere Staaten. Über eine zu erwartende Ankunft eines Lazarettschiffs lägen ihm keine Informationen vor. "Trump twittert ständig über Grönland", sagte der Minister. "Das ist offensichtlich ein Ausdruck der neuen Normalität, die in der internationalen Politik Einzug hält." Auch Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen schrieb bei Facebook, sie sei "glücklich, in einem Land zu leben, wo der Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle kostenlos und gleich ist und wo nicht die Versicherung oder der Reichtum darüber entscheidet, ob man eine angemessene Behandlung erhält", ohne die USA ausdrücklich zu erwähnen. Manager aus Grönland: "Trump hat das offenbar vergessen" Supermarkt in Grönland: Hier wird der Cola-Kauf zur Ansage Die Beziehungen zwischen den USA und Dänemark sind angespannt. Trump hat wiederholt Interesse an einem Kauf oder einer Übernahme des weitegehend autonomen Territoriums Grönland bekundet. Ende vergangenen Monats hatten Grönland, Dänemark und die USA Gespräche aufgenommen, um den Streit beizulegen. Dänemarks Regierungschefin verweist auf "rote Linien" Allerdings sehen sowohl die Regierungen in Nuuk als auch Kopenhagen das Problem noch nicht als gelöst an – und warnen weiterhin vor dem Druck aus Washington . "Alle fragen uns, ob wir glauben, dass es vorbei ist", sagte Frederiksen auf der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar. Dies sei aber nicht der Fall. "Wir haben jetzt eine Arbeitsgruppe. Das ist gut. Wir werden versuchen, eine Lösung zu finden". Es gebe aber "rote Linien" wie die Souveränität und territoriale Souveränität, die nicht überschritten werden dürften. Grönlands Regierungschef Nielsen nannte den von den USA ausgeübten Druck "inakzeptabel". Grönland ist die größte Insel der Welt mit 2,16 Millionen Quadratkilometern und autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Die Regierung in Kopenhagen verantwortet insbesondere die Außen- und Verteidigungspolitik Grönlands. Auf der Insel leben knapp 60.000 Menschen, meist küstennah. Die mit Abstand größte Stadt ist Nuuk im Südwesten Grönlands mit knapp 20.000 Einwohnern.