Iran-Krieg: Rätsel um Staatschef Ali Chamenei
Der Amtssitz des iranischen Staatsoberhauptes ist offenbar zerstört worden. Doch über den Verbleib von Ali Chamenei gibt es widersprüchliche Angaben. Nach dem US-israelischen Angriff auf den Iran am Samstag herrscht Unklarheit über den Verbleib von Staatschef Ali Chamenei. Berichten zufolge wurde der Amtssitz des Obersten Führers bei einem Luftangriff vollständig zerstört. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das in Trümmern liegende Areal des als "Beyt" bekannten Hochsicherheitsbereichs in der Hauptstadt Teheran. Auch Bewohner in Teheran berichteten davon. Krieg in Nahost: Alle Entwicklungen im Überblick Explosionen in mehreren Ländern: Die ersten Flammen des Flächenbrandes Der israelische Sender N12 News berichtete unter Berufung auf israelische Quellen, dass Chamenei bei dem Angriff auf seinen Amtssitz getötet worden sei. Unklar ist allerdings, ob sich Chamenei zum Zeitpunkt der Attacke in dem Komplex aufhielt. Einer Mitteilung des Fernsehsender Al-Alam vom Nachmittag zufolge wollte sich Chamenei "in wenigen Minuten in einer Rede äußern". Chamenei hatte sich in den vergangenen Wochen angesichts der militärischen Spannungen selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Der iranische Staat dürfte seine Sicherheit zur obersten Priorität gemacht haben. Wo er sich zuletzt aufhielt, ist nicht bekannt. Chamenei steht an der politischen und religiösen Spitze des Landes und ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Tod Chameneis hätte erhebliche Folgen Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Samstagnachmittag gesagt, dass Chamenei "seines Wissens" am Leben sei. Mit Blick auf die US-Angriffe räumte Araghtschi den Verlust von "einem oder zwei Kommandeuren" ein. Fast alle Regierungsvertreter seien jedoch in Sicherheit. Sollte Chamenei tatsächlich getötet worden sein, könnte das erhebliche Folgen für das politische System im Iran haben. "Damit wäre erstmal die zentrale Figur, auf die alles zusammenläuft, ausgeschaltet", sagte Professor Simon Wolfgang Fuchs, der an der Hebräischen Universität in Jerusalem Islamwissenschaft lehrt, der Deutschen Presse-Agentur. "Auf der anderen Seite ist Iran natürlich kein Regime, das nur auf eine Familie baut oder auf einen ganz engen Kreis an Leuten, an denen alles hängt", schränkte er ein. Chamenei habe zudem angeordnet, für alle führenden Positionen im Staat mindestens vier Stellvertreter zu ernennen, damit Befehlsketten nicht unterbrochen würden. Das gelte auch für das Staatsoberhaupt selbst, so Fuchs. Zudem sei die Nachfolge des obersten Führers mit der Wahl durch einen Expertenrat klar geregelt.