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"Tatort"-Star Adele Neuhauser: "Es ist aus mir herausgebrochen"

Es ist eine sehr persönliche Unterhaltung, auf die sich Adele Neuhauser einlässt. Mit t-online spricht sie über Sehnsucht, Beziehungsmuster – und warum sie heute lieber allein lebt. Seit 15 Jahren ist Adele Neuhauser als Bibi Fellner eine feste Größe im Wiener "Tatort". Ende 2026 verabschiedet sie sich auf eigenen Wunsch von der Rolle. Aktuell ist sie im ARD-Film "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks" zu sehen. Sie spielt Constanze, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, deren Ehe nur noch nach außen funktioniert. Die Leidenschaft ist verschwunden – also beschließt sie, einen Callboy zu buchen. Neuhauser selbst lebte bis 2006 in einer Beziehung, war rund 25 Jahre mit dem inzwischen verstorbenen österreichischen Schauspieler und Regisseur Zoltan Paul verheiratet. Mit ihm hat sie einen Sohn. Aktuell führt sie keine Beziehung. "Ich bin jetzt auch schon ziemlich lange Single und gerne Single", sagt sie im Gespräch mit t-online. "Ich habe mich zu lange zurückgenommen" Früher sei das anders gewesen. "In Beziehungen habe ich versucht, mich zurückzunehmen. Aus Sehnsucht nach Harmonie, aus Sehnsucht nach Makellosigkeit, aus Sehnsucht nach Perfektion." Heute weiß die 67-Jährige, warum sie sich damals selbst hinten angestellt hat: "Aus Angst, alleingelassen zu werden. Aus Angst vor Verlusten, vor Konfrontation, vor Streit." Irgendwann sei der Punkt gekommen, an dem es nicht mehr ging. "Ich habe mich zu lange zurückgenommen, bis es aus mir herausgebrochen ist." Die Konsequenz war schmerzhaft. "Dann habe ich gemerkt, ich will eigentlich etwas anderes. Ich will wirklich Harmonie. Und ich musste sehen, dass ich dazu aus dieser Beziehung rausmuss." Die Trennung beschreibt sie als "schmerzhaft und furchtbar". Doch sie fügt hinzu: "Aber für uns beide hat das komischerweise einen sehr positiven Weg genommen. Wir haben uns in einer liebevollen Freundschaft wiedergefunden, die ich so eigentlich in der Ehe leben wollte." Adele Neuhauser: Der berühmte Ex der "Tatort"-Kommissarin ARD-Krimi: Krassnitzer und Neuhauser verlassen "Tatort" Heute genießt sie ihr Leben allein. "Jetzt habe ich mich so eingerichtet. Vielleicht bin ich zu bequem geworden oder zu schrullig." Es sei keine Trotzreaktion, sondern eine bewusste Entscheidung: "Dadurch, dass ich durch meinen Beruf mit vielen Menschen und Stimmungen zu tun habe, genieße ich das Alleinsein. Ich bin wirklich gerne allein." Und dann sagt sie noch einen Satz, der viel über sie verrät: "Und ich halte dann auch den Mund. Das ist auch von Vorteil, den Mund zu halten, statt zu schweigen." Makellosigkeit ist ein Trugbild Perfekte Beziehungen seien eine Illusion, so Neuhauser. Das sei auch gut so. "Wir reflektieren unser Leben nur in der Reibung. In schwierigen, tragischen, schockierenden Momenten und in Verlusten." Entwicklung entstehe genau dort: "Wenn es gut läuft, wenn es für uns makellos ist, merken wir das gar nicht. Wir stellen keine Fragen, wir hinterfragen nicht, wir reflektieren zu wenig." Deshalb ist sie überzeugt: "Glück wird oft erst möglich, wenn wir in einen Konflikt geraten." Gleichzeitig warnt sie davor, Glück als Dauerzustand zu verstehen. "Glück ist ein flüchtiger Moment." Oft erkenne man ihn erst im Rückblick. "Manchmal weiß man gar nicht, dass das jetzt eigentlich ein glücklicher Moment war. Weil man getrieben ist und vom Erfüllen von Zeitdruck geprägt durch den Tag hetzt." Für Adele Neuhauser zählt vor allem eines: "Wichtig ist nur, dass wir unser Herz öffnen, um das Glück auch zuzulassen. Jeder braucht diesen Glücksmoment für sein Leben." Über Gespräche, Freiheit – und das Aufhören Krisen in Beziehungen entstehen für sie nie aus dem Nichts. "Diese Gedanken entstehen erst, wenn Unzufriedenheit herrscht. Wenn irgendetwas fehlt oder nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Oft weiß man gar nicht, wo das angefangen hat." Ihr Appell ist eindeutig: "Ich glaube, dass Gespräche wichtig sind. Viel wichtiger, als zuzulassen, dass man sich anderweitig orientiert, weil man einen Notstand empfindet." Für Neuhauser steht fest: "Das Gespräch ist ein entscheidender Faktor. Wir hören uns viel zu wenig wahrhaftig zu. Wir sprechen viel zu wenig darüber, was wir uns wünschen. Was wir leben wollen. Welche Ängste wir haben. Darum geht es eigentlich." "Immer wieder denke ich darüber nach" Mit 67 sind die meisten Menschen längst im Ruhestand. Für Neuhauser endet zumindest der Wiener "Tatort" Ende 2026 auf eigenen Wunsch. Wird sie dann generell kürzertreten? Sie lacht. "Zum Glück hat mir das in der Form noch niemand nahegelegt. Aber vielleicht ab jetzt. Nein, nein, nein, zum Glück nicht." Gänzlich lässt sie den Gedanken dennoch nicht los. "Immer wieder denke ich darüber nach. Na klar. Ob es nicht auch irgendwann gut ist." Es klingt nach Abwägung, nicht nach Abschied: "Aber es ist wichtig, sich solche Fragen zu stellen. Man ist ja nicht immer die gleiche Person. Das gehört dazu." "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks" läuft am 11. März in der ARD und ist schon jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar.

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