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Annalena Baerbock: Mediale Offensive – politische Zukunft gesucht

Die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock ist verstärkt auf Sendung. Ein untrüglicher Hinweis darauf, dass sie eine politische Anschlussverwendung sucht. In der Hinsicht war sie immer schon schmerzfrei. Ein langjähriger Chef von mir, mit feinherbem Humor ausgestattet, hat immer gesagt, es wäre gut, wenn es bei den Menschen wäre wie bei den Hirschen. Einmal im Jahr Brunft, und gut ist. Alle übrige Zeit könnten sich dann alle dem Wesentlichen widmen. Die Welt wäre eine bessere. Eine produktivere, eine friedvollere. Diese permanente Paarungsbereitschaft, sie brächte nichts als Unruhe, meinte mein Chef. Eine gesteigerte Form dieser permanenten Paarungsbereitschaft zeigt der Politiker im Wahlkampf. Das ist seine Brunft. Und Wahlkampf ist immer irgendwie und irgendwo. Abermals gesteigert wird das nur noch vom Politiker auf Postensuche. Mehr Triebhaftigkeit geht nicht. In diesen Tagen und Wochen können wir das im politischen Zoo an einer Person idealtypisch studieren. Annalena Baerbock steht nicht mehr in High Heels und bauchfrei am Straßenrand in New York und ordert ein Taxi. Die frühere Bundesaußenministerin schmeißt sich stattdessen hierzulande wieder ins politische Getümmel und lässt keine Gelegenheit aus, um zu zeigen: Ich bin auch noch da. Im September läuft ihr einjähriges Engagement als Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen aus. Ein Posten, den sie immer so ausgelegt und inszeniert hat, als sei sie die eigentliche UN-Generalsekretärin und nicht der Portugiese António Guterres. Dabei war sie der Stellenbeschreibung nach weniger General als der bedeutungstragende zweite Teil dieser Positionsbeschreibung. Den repräsentativen Platz oben auf der Marmorkanzel des Weltrates hatte sie einer allseits geschätzten und renommierten deutschen Topdiplomatin weggeschnappt, die dafür fest vorgesehen war. Falls das ein Akt feministischer Außenpolitik war, dann bleiben wir vielleicht doch besser bei der althergebrachten maskulinistischen, so ungenügend sie sein mag. Einen großen Unterschied kann ich, nebenbei bemerkt, in dem Fall ohnehin nicht erkennen. Ubiquitär, allgegenwärtig wie der berühmte Igel in der Fabel ist Baerbock derzeit. Ist ja auch nicht mehr lange hin bis September. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz stand sie parat, um zur Weltlage interviewt zu werden. Mit ihrem Amtsnachfolger Johann Wadephul von der CDU machte sie ein lustiges Filmchen auf Instagram . Ihr Account bei X glüht wie ein Ofen, in den man unablässig Scheite nachschürt. Die Scheite bei X sind die Posts. Sie legt im Stundentakt ein. Das Solo bei Maischberger Bei Maischberger bekam sie das Solo, also den Top Act der Sendung. Aber der dreifache Rittberger landete in dieser Kür auf dünnem Eis. Baerbock, die sinngemäß von sich sagt, dass sie mehr von internationalem Recht versteht als Robert Habeck von Schweinen, legte mit großer Geste die EU-Außengrenze an die Gestade von Grönland . Moderatorin Maischberger meldete Widerspruch an gegen diesen Unsinn, den Annalena Baerbock mit großem Selbstbewusstsein vorgetragen hatte. Weil sie bekanntlich hin und wieder schneller redet, als der Faktencheck nachkommt ("we are at war with Russia", unvergessen), nennt sie eine entfernte Bekannte von mir Schnatterine. Das ist natürlich eine Unverschämtheit und geht gar nicht. Aber ich habe so eine Ahnung, wie er sich in diese wirklich empörungswürdige Vokabel verirren konnte. Fast wäre sie Kanzlerin geworden Wer sich auf einen neuen Job bewirbt, muss sich natürlich an seinen/ihren bisherigen Einträgen und Zeugnissen im Lebenslauf messen lassen. Parteipolitisch, ganz klar, da sucht ihre Bilanz ihresgleichen. Zusammen mit Robert Habeck machte sie so eine Bella Figura, dass es fast zur ersten grünen Kanzlerschaft gereicht hätte. Als Außenministerin reiht sie sich in der Rückschau für meine Begriffe ein zwischen Heiko Maas und Klaus Kinkel. Die Älteren werden sich erinnern. Die Zeitläufte fügen es, dass auch António Guterres, der tatsächliche UN-Generalsekretär, bald aufhört, der Posten also frei wird. Wie man hört, sollen sich Deutschland und China gemeinsam dafür einsetzen, dass es dieses Mal eine Frau wird. Die Volksrepublik China ist mir persönlich jetzt als Vorkämpferin für die Sache der Frau noch gar nicht so aufgefallen, aber man darf sich ja auch mal positiv überraschen lassen. Und niemandem sei das Recht verwehrt, sich weiterzuentwickeln. Nun hat sich Baerbock bei ihrem unvergessenen Auftritt in Peking zugleich nicht eben tief ins Herz der dortigen Führung geredet. Auch ich muss sagen, wenn ich die Wahl hätte, würde ich die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz klar bevorzugen. Und das will wirklich etwas heißen.

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