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USA suchen Unterstützung im Iran-Krieg: Trump bekommt die Quittung

Die USA und Israel bombardieren weiter Ziele im Iran, aber das iranische Regime scheint nicht zu kollabieren. Auch deshalb sucht US-Präsident Donald Trump offenbar nach Unterstützung – bislang ohne Erfolg. Es ist einer dieser Sätze, die in die Geschichte eingingen. "Es besteht kein Zweifel, dass Saddam Hussein jetzt Massenvernichtungswaffen besitzt", sagte der damalige US-Vizepräsident Dick Cheney im August 2002 in einer Rede. Wenige Monate später marschierten die Amerikaner im Irak ein. Viele Länder – darunter auch Deutschland – waren schon damals von den angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak nicht überzeugt. Doch trotz des internationalen Misstrauens unterstützten immerhin 30 Staaten den damaligen US-Präsidenten George W. Bush militärisch oder logistisch. Polen , Großbritannien und Australien gehörten neben den Amerikanern zur sogenannten "Koalition der Willigen" und nahmen direkt an den Kampfhandlungen teil. Seit Samstagmorgen kämpfen die USA erneut in einem Krieg im Nahen Osten. Gemeinsam mit Israel fliegen sie Luftangriffe auf den Iran . Die Ziele: das iranische Atom- und Raketenprogramm und ein Regimewechsel in Teheran. Mittlerweile ruderte die US-Administration mit Blick auf den Regimewechsel etwas zurück, US-Vizepräsident JD Vance nannte ihn "nebensächlich". Und das nicht grundlos. Trump möchte keine US-Bodentruppen schicken, und mittlerweile ist fraglich, ob ein Regimewechsel in Teheran nur mit Luftangriffen zu erreichen ist. Während die iranische Opposition aktuell zu geschwächt für einen militärischen Aufstand gegen das Regime erscheint, bekommt der US-Präsident von kurdischen Gruppen einen Korb. Und das hängt auch mit Trumps Entscheidungen während seiner ersten Amtszeit zusammen. Trumps Iran-Politik: "Unglaublich dumm, diese Länder anzugreifen" US-Krieg gegen den Iran: Trump zieht sie ins Chaos Trump sucht nach Unterstützung Die USA hoffen eigentlich auf eine Machtübernahme durch die iranische Opposition. Noch zu Jahresbeginn hatte es im Land große Proteste gegeben, die aber vom Regime blutig niedergeschlagen wurden – mit Zehntausenden Todesopfern und Verhaftungen. "Hilfe ist unterwegs", hatte Trump Mitte Januar versprochen. Doch die Amerikaner brauchten Zeit, um Flottenverbände und die Luftwaffe am Golf zu stärken. Die US-Hilfe ist gekommen, aber zu spät. Nun bezweifeln politische Beobachter, dass Trump einen Plan B beziehungsweise eine Exit-Strategie mit Blick auf seinen Krieg hat. Auch deshalb reagieren viele Parteien zurückhaltend auf die Eskalation im Nahen Osten – insbesondere die europäischen Staaten. Großbritannien oder Spanien untersagten den Amerikanern sogar die Nutzung ihrer Militärstützpunkte. Dieses Verhalten sei katastrophal, wütete Trump bei seinem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag im Weißen Haus . Newsblog: Alle Entwicklungen zum Angriff auf den Iran Ernüchtert dürfte Washington auch registrieren, dass andere Golf-Staaten nicht auf die iranischen Angriffe reagieren. Aktuell schießt der Iran um sich und greift Staaten wie Saudi-Arabien , Katar, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate an, in denen es US-Basen gibt. Raketen und Drohnen fliegen aber auch in Richtung Türkei und Aserbaidschan. Bislang reagieren alle zurückhaltend, also eben nicht mit Gegenangriffen auf den Iran. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Sie möchten die Eskalation in der Region nicht weiter verschärfen und hoffen auf ein möglichst schnelles Kriegsende. Für die Länder am Persischen Golf geht es vor allem um ihre wirtschaftlichen Interessen. Sie finanzieren einen Großteil ihrer Staatshaushalte mit Rohstoffverkäufen und Tourismus – beides wird durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen. Auch deswegen ist eine arabische Allianz, die gegen das iranische Regime vorgeht, kaum realistisch. USA wollen offenbar Kurden bewaffnen Auch deshalb richtet sich Washingtons Blick offenbar auf andere Gruppen in der Region, die über militärische Fähigkeiten verfügen. Der TV-Sender CNN hatte unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtet, der US-Geheimdienst CIA arbeite an einer Bewaffnung der irakischen Kurden. Ziel sei ein Bodeneinsatz im westlichen Iran in den kommenden Tagen, berichtete CNN unter Berufung auf einen ranghohen iranischen Kurdenvertreter. Das Weiße Haus dementierte diese Berichte. Mehr Details veröffentlichte die "Washington Post" am Donnerstag. In einem Telefonat mit kurdischen Führern im Iran und im benachbarten Irak soll Trump diese Woche "umfangreiche US-Luftunterstützung" und weitere Hilfen für den Kampf gegen das iranische Regime angeboten haben. Die US-Zeitung zitiert einen hochrangigen Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), einer der beiden großen politischen Parteien, die die halbautonome kurdische Region im Irak regieren. Trump soll sich am Sonntag in seinem Telefonat mit PUK-Chef Bafel Talabani klar geäußert haben. "Er sagte uns, die Kurden müssten sich in diesem Konflikt entscheiden – entweder für Amerika und Israel oder für den Iran", sagte der PUK-Vertreter. Insgesamt acht bis zehn Millionen Kurdinnen und Kurden leben im Iran. Eine große Mehrheit von ihnen steht in Opposition zum iranischen Regime und spricht sich für einen eigenen kurdischen Staat aus, der sich über die kurdischen Gebiete im Iran, in Syrien , in der Türkei und im Irak erstreckt. Bislang wurde die Hoffnung vieler Kurdinnen und Kurden allerdings immer enttäuscht – auch von westlichen Ländern. Enttäuschung durch Trump Zuletzt war es ausgerechnet Donald Trump , der sie im Jahr 2019 im Stich ließ. Obwohl kurdische Milizen für den Westen eine Speerspitze im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) waren, zogen die USA damals ihre Truppen aus Syrien ab. Die Folge: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte freie Bahn, konnte die kurdischen Gebiete angreifen. "Sie haben uns nicht im Zweiten Weltkrieg geholfen, sie haben uns beispielsweise nicht mit der Normandie geholfen", sagte Trump vor über sieben Jahren. Die Kurden würden vielmehr für "ihr Land" kämpfen. Die US-Soldaten zogen ab und die kurdische Bevölkerung in Nordsyrien schmiss Steine auf gepanzerte Fahrzeuge der US-Armee . Sieben Jahre später suchen die USA wieder eine Speerspitze für ihren Kampf gegen das iranische Regime – und Trump bekommt die Quittung von einigen kurdischen Gruppen. So unterstrich am Donnerstag der Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Nechirvan Barsani, seinen Willen zum Frieden. "Die Kurdistan-Region wird stets ein Grundpfeiler des Friedens bleiben und sich nicht auf Konflikte oder militärische Eskalationen einlassen, die das Leben und die Sicherheit unserer Bevölkerung gefährden", hieß es in einer Erklärung Barsanis. Ein Korb für den US-Präsidenten. Hohes Risiko für kurdische Gruppen Überraschend ist diese Reaktion nicht. Schließlich gibt es kaum einen Grund für kurdische Gruppen, den Amerikanern noch zu vertrauen. Gleichzeitig wäre eine militärische Beteiligung an dem Krieg ein Risiko für die kurdischen Milizen, weil sie auch in Zukunft in dieser Nachbarschaft leben müssen – auch wenn die Amerikaner wieder abgezogen sind. Die Kurden wollen offenbar nicht Trumps Kanonenfutter werden. Das letzte Wort scheint hier aber noch nicht gesprochen. Die irakischen Kurden haben zahlreiche Kämpfer an der rund 1.500 Kilometer langen Grenze zum Iran stationiert und teilweise auch Verbindungen zur kurdischen Minderheit im Iran. Das ist natürlich sehr attraktiv für Trump. Aber ob ein Deal zustande kommen kann, hängt davon ab, welche glaubwürdigen Sicherheitsgarantien die USA den Kurden geben können. Zudem haben iranische Streitkräfte bereits kurdische Gruppen im Irak angegriffen – das wiederum könnte kurdische Gruppen in den Krieg hineinziehen. Im Zweifel könnten kurdische Gruppen von diesem Konflikt sogar profitieren. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte des Nahen Ostens: Die autonome Kurdenregion im Irak entstand nach dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003. Ob sich die Kurden von dieser Perspektive überzeugen lassen, ist zurzeit aber völlig offen. Der US-Präsident ist am Zug.

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