Großes Vermögen anlegen: So behalten Sie den Überblick
In einer Ratgeberserie erklärt die t-online-Redaktion Schritt für Schritt, wie ein erfolgreicher Start an die Börse gelingen kann. Heute geht es um große Vermögen und den besten Umgang damit. Eigentlich ist es ein Luxusproblem, wenn das eigene Vermögen über die Jahre und Jahrzehnte immer weiter wächst, wir dann aber nicht wissen, wie wir damit umgehen und wie wir solche Beträge anlegen sollen. Das kann ein Aktiendepot sein, das über die Jahre stark im Wert gestiegen ist. Manchmal kommt das große Vermögen auch ganz plötzlich – durch ein Erbe oder eine üppige Abfindung beispielsweise. Oder wir verkaufen eine Immobilie. Dieses Geld muss irgendwie angelegt werden. Es auf dem Konto herumliegen zu lassen, ist keine Alternative . Das gilt übrigens auch für die Einmalzahlung aus einer privaten Altersvorsorge . Wo auch immer der Geldsegen herkommt, das Luxusproblem bleibt: Wie umgehen mit dem Vermögen? Wie sollte man "Reichtum" managen? Je größer die Summen, desto unwohler fühlt man sich oft mit den eigenen finanziellen Entscheidungen und desto vorsichtiger ist man. Es steht ja auch einfach mehr auf dem Spiel. Die möglichen Verluste sind – zumindest nominal – höher als bei kleineren Anlagesummen. Müssen Sie deshalb vorsichtiger sein? Mit wachsendem Vermögen erscheint das Risiko höher Schauen wir auf Ihr hoffentlich prall gefülltes Aktiendepot. Wer an der Börse investiert, macht unweigerlich irgendwann Bekanntheit mit stärkeren Kursschwankungen, mit Korrekturen und sogar Crashs . Das gehört einfach dazu. Langfristig aber stimmt die Rendite und das investierte Vermögen wächst. Vermögensaufbau: Warum die Weltwirtschaft Aktienkurse langfristig antreibt In Zukunft werden es hoffentlich Zehntausende oder gar Hunderttausende sein, die im Depot liegen. Wie wird es sich dann anfühlen, wenn die Kurse schwanken? Schlimmer? Zehn Prozent von 100.000 Euro sind 10.000 Euro, von 500.000 Euro aber eben 50.000 Euro. Es sind immer noch zehn Prozent, aber der Schaden erscheint deutlich größer. Und das ist er nominal auch, also in Euro und Cent. Steigt das Risiko also mit der Anlagesumme und der Höhe des Vermögens? Gefühlt auf jeden Fall. Ich kann das gut nachvollziehen. Auch mein Depot ist im Laufe der Jahre und Jahrzehnte schön gewachsen. Wenn es jetzt an der Börse ruckelt, schaue ich besser nicht darauf. Doch selbst wenn es gut läuft, erwische ich mich manchmal bei dem Gedanken, ob denn einzelne Positionen nicht mittlerweile zu groß geworden sind. Sollte ich wirklich so viel Geld in diesen oder jenen ETF stecken? Doch das ist der falsche Ansatz. Denn eigentlich ist die Summe gar nicht entscheidend, sondern meine Strategie: Ich investiere 80 Prozent in Aktien und 20 Prozent in Anleihen . Diese Strategie ist unabhängig vom Depotwert. Sie passt zu meinem Risikoprofil, meinen Zielen und meinem Anlagehorizont. Es ist schön, wenn sie funktioniert und das Depot wächst. Lesen Sie aus der Reihe "Ihr Weg an die Börse" Folge 5: Welche Wertpapiere sich für Einsteiger wirklich lohnen Folge 6: Welchen ETF sollten Sie kaufen? Folge 7: Darauf brauchen Sie bei ETFs nicht zu achten Folge 8: Das ist der erste Schritt, um ein Vermögen aufzubauen Folge 9: Ein einfacher Leitfaden zum ersten ETF-Kauf Die Strategie muss von Zeit zu Zeit überprüft werden Genau darum geht es beim Vermögensaufbau. Sie benötigen eine Strategie, die zu Ihnen, zu Ihrem Risikoprofil, Ihren Zielen, Ihrer Lebenssituation sowie Ihrem Anlagehorizont passt. Diese Strategie sollten Sie regelmäßig überprüfen, vor allem, wenn sich etwas an Ihrer Lebenssituation ändert. Dazu können die Familiengründung, ein größerer Karriereschritt, eine Erbschaft oder eine Trennung gehören. Ein plötzlicher Geldsegen kann dazu führen, dass Sie Ihre Anlagestrategie anpassen müssen. Plötzlich ist ein Immobilienkauf möglich . Es ist Geld vorhanden, um sich an ganz neue, vielleicht auch riskantere Risikoklassen heranzutrauen. Wenn der Renteneintritt naht , kann das auch bedeuten, dass Sie Ihre Anlagen etwas sicherer gestalten möchten. Vielleicht reduzieren Sie dann die Aktienquote. Das sollte aber nur bedingt mit der Höhe des Vermögens zu tun haben. Wenn Ihre Strategie aufgegangen ist und sich Ihr Vermögen über viele Jahre stark vermehrt hat, sollten Sie keine Höhenangst bekommen. ETF-Verkauf: Damit Ihre Rendite nicht still verloren geht Wenn doch, dann denken Sie über eine Absicherung nach. Sie könnten dem Depot sichere Häfen wie Gold oder Staats- und Unternehmensanleihen mit guter bis sehr guter Bonität als Versicherung in unruhigen Zeiten beimischen. Lassen Sie sich nicht von großen Summen verrückt machen Wenn Sie irgendwann hoffentlich über ein größeres Vermögen verfügen, ist Folgendes ganz wichtig: Denken Sie strategisch und lassen Sie sich nicht von der bloßen Summe verrückt machen. Natürlich muss eine Strategie gelegentlich überprüft werden. Sie können auch darüber nachdenken, Gewinne mitzunehmen und das Geld etwas sicherer zu investieren. Bedenken Sie aber immer: Auf dem Tagesgeldkonto wächst das Vermögen nicht weiter. Es schadet übrigens auch nicht, sich beraten zu lassen – bei der Bank oder noch besser bei einem unabhängigen Finanzberater.