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Mesut Özil: Weggefährten über seine Entfremdung von Deutschland

Der Weltmeister von 2014 war einer der letzten großen Zehner in Deutschland. Fans erinnern sich aber auch an den Wirbel um sein Erdoğan-Foto. Senkrechtstarter, Magier, Weltmeister – und gefallener Held: Mesut Özil zählte jahrelang zu den besten deutschen Fußballern, neben seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten erinnern sich die Fans aber auch an den großen Krach rund um seinen Abschied aus der Nationalmannschaft. Ab dem 20. März zeigt das ZDF dreiteilige Dokumentation "Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden". Der Film von Grimme-Preisträger Florian Opitz zeichnet nach, wie Özil vom gefeierten Weltmeister zum Erdoğan-Vertrauten wurde und dabei den Kontakt zu Deutschland weitgehend abbrach. Özil selbst, schreiben die Macher, "war nicht dazu bereit", mit ihnen zu reden. Dafür kommen mehrere Wegbegleiter zu Wort. Hamit Altıntop, der mit Özil bei Schalke 04 und Real Madrid zusammen gespielt hat, sagt etwa direkt zu Beginn der Doku über den Menschen Mesut Özil: "Keiner kennt ihn." Und doch errege seine Geschichte "die Gemüter der Deutschen", wie Macher Opitz sagte, immer noch "extrem". In der Doku geht es weniger um die Karriere eines Fußballstars, sondern um Erzählungen über Integration und Rassismus in der Bundesrepublik. Özils Geschichte sage dabei "mindestens so viel über die deutsche Gesellschaft und ihren Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund" wie über Mesut Özil selbst. Das Foto, das alles verändert Die Geschichte beginnt in Gelsenkirchen. In der Stadt, die Özil in einem Interview von 2017, das erstmals im TV zu sehen ist, "meine Heimat" nennt. Mit der Liebe zu ihr begründet er seine Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft. Gegen jene der Türkei, dem Land seiner Großeltern – was Teile der Familie als "Verrat" auffassen, wie Vater Mustafa berichtet. Und alles endet mit Özils Bruch mit der DFB-Elf, mit Deutschland – und seiner Hinwendung zu Recep Tayyip Erdoğan. Den Wendepunkt markiert ein Foto aus dem Mai 2018: Özil posiert mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdoğan. Die Aufnahme entsteht zu einer Zeit, so zeigt es die Doku, als sich die Stimmung im Land wandelt. Von der Integrations-Euphorie, die Özil einen Bambi einbrachte, und der Willkommenskultur von 2015 hin zu Pegida-Märschen und AfD-Hochs. Özil spürt, dass er noch immer als "Deutsch-Türke" wahrgenommen wird, nicht als vollwertiger Deutscher. Und er versteht nicht, dass das Foto ein Fehler war. Sein damaliger Berater Erkut Söğüt sagt: "Für Mesut war von Anfang an klar: Wir haben nichts Falsches gemacht." Özil habe Erdoğan davor "fast jedes Jahr" getroffen, ohne, dass es interessiert habe. Doch plötzlich wird Özil vom Integrationsmaskottchen zum Diktatorfreund, nach dem historischen Vorrunden-Aus der DFB-Elf bei der WM zum rassistisch angefeindeten Sündenbock. Der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte damals: "Wer mit Erdoğan posiert, kann keinen Platz in der deutschen Nationalmannschaft haben." Özils frühere Schule in Gelsenkirchen lud ihn aus. "Das", sagt Berater Söğüt, "hat ihn am meisten getroffen". Tief verletzt tritt Özil, für Ex-Bundestrainer Joachim Löw "einer der besten Nationalspieler, den Deutschland je hatte", aus dem DFB-Team zurück, rechnet mit dem Verband und Deutschland ab. Altıntop: "Mesut ist einfach nur verletzt" In der Türkei wandte sich Özil noch stärker Erdoğan zu, der sein Trauzeuge wurde. Er machte Wahlkampf für dessen Partei AKP und ließ sich das Logo der rechtsextremen Grauen Wölfe tätowieren. Sein früherer Mitspieler Per Mertesacker könne sich diesen Wandel "nicht erklären". Und heute? "Der Mesut", berichtet Löw, "lebt jetzt in der Türkei, ist weniger in Deutschland oder äußerst selten", sei auch dem jüngsten Treffen der Rio-Helden ferngeblieben, "das fand ich schade". Oliver Bierhoff glaubt zu wissen, "dass er einen klaren Schlussstrich ziehen und die Brücken nach Deutschland abbrechen" will. Die vermeintliche Erklärung liefert Hamit Altıntop. Er sagt: "Mesut ist einfach nur verletzt." Weil das Land, dem er sein außergewöhnliches Talent und den WM-Pokal schenkte, ihm "nicht die Geborgenheit" gegeben habe, nach der er sich sehnte.

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