Barrierefreies Wohnen: Mit KfW-Kredit bis zu 50.000 Euro sparen
Altersgerecht wohnen klingt nach einem Thema für später. Doch wer früh umbaut oder modernisiert, erhöht Komfort und Sicherheit – und erhält oft finanzielle Unterstützung. Wer jung ein Eigenheim baut, denkt selten an das Älterwerden. Doch was heute barrierefrei erscheinen mag, kann morgen zur Herausforderung werden – wenn Treppen plötzlich steil und Schwellen zu Stolperfallen werden. Wer dann nicht rechtzeitig plant, muss teuer nachrüsten. Welche Umbauten im Alter sinnvoll sind und wie Förderprogramme dabei helfen, erklärt Ralf Oberländer, Baufinanzierungsberater bei Schwäbisch Hall. Altersgerecht umbauen: Nicht nur ein Thema für Senioren Barrieren im Wohnraum zu reduzieren, lohnt sich nicht erst im hohen Alter. Auch junge Familien oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität profitieren von einem barrierearmen Zuhause. So erleichtern schwellenlose Zugänge oder breitere Türen den Alltag – etwa wenn Sie mit einem Kinderwagen unterwegs sind oder später einmal eine Gehhilfe benötigen. "Wer früh modernisiert, erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Alltagskomfort in jeder Lebensphase", sagt Oberländer. Diese Umbauten machen Ihr Zuhause barriereärmer Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt immer von der jeweiligen Immobilie und den individuellen Bedürfnissen ab. Grundsätzlich gibt es mehrere Bereiche, in denen sich Barrieren reduzieren lassen. Im Wohnraum helfen beispielsweise schwellenlose Übergänge, Rampen, breitere Türen oder größere Bewegungsflächen. Sie erleichtern das Fortbewegen in der Wohnung und schaffen Platz für Rollator oder Rollstuhl. Besonders häufig wird auch das Badezimmer umgebaut. Eine bodengleiche Dusche – also eine Dusche ohne Einstiegskante – sowie Haltegriffe erhöhen die Sicherheit deutlich. In Häusern mit mehreren Etagen können Treppen- oder Plattformlifte den Alltag erleichtern. Auch technische Lösungen gewinnen an Bedeutung. Smart-Home-Systeme können etwa sensorgesteuerte Beleuchtung, Notrufsysteme oder vernetzte Warnmelder steuern. Solche Systeme sorgen dafür, dass Licht automatisch angeht oder im Notfall schnell Hilfe gerufen werden kann. Rund ums Haus können ebenfalls Barrieren die Mobilität einschränken. Breitere Stellplätze erleichtern etwa das Ein- und Aussteigen mit Rollstuhl oder Rollator. Barrierearme Wege und Überdachungen für Mobilitätshilfen verbessern zusätzlich die Zugänglichkeit. Oft lässt sich altersgerechter Umbau außerdem mit Maßnahmen zum Einbruchschutz kombinieren. Einbruchhemmende Türen mit zusätzlichen Sicherheitsschlössern oder gesicherte Fenster erhöhen die Sicherheit im eigenen Zuhause. Förderprogramme: Antrag vor dem Umbau stellen Wer seine Immobilie barriereärmer umbauen möchte, kann dafür staatliche Unterstützung erhalten. Wichtig ist jedoch eine zentrale Regel: Der Förderantrag muss gestellt werden, bevor die Bauarbeiten beginnen. "Der häufigste Fehler ist, erst mit dem Umbau zu starten und sich dann um die Förderung zu kümmern. Dann ist es meist zu spät", warnt Oberländer. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit qualifizierten Fachbetrieben. Viele Förderprogramme setzen technische Mindestanforderungen voraus. Fachbetriebe kennen diese Standards und stellen sicher, dass die Maßnahmen den Förderbedingungen entsprechen. Finanzierungsmythen: Irrtümer beim Immobilienkauf – und wie Sie sie vermeiden Ohne Kredit kein Eigenheim: Worauf Banken achten und wie Sie Ihre Chancen verbessern Um die Finanzierung optimal zu gestalten, empfiehlt Oberländer häufig einen sogenannten Finanzierungsmix. Damit ist die Kombination verschiedener Fördermöglichkeiten gemeint, etwa eines Kredits von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), eines Zuschusses der Pflegekasse und möglicher regionaler Förderprogramme. KfW-Förderung: Bis zu 50.000 Euro Kredit für den Umbau Eine zentrale Förderung bietet die staatliche Förderbank KfW mit dem Programm "Altersgerecht Umbauen – Kredit (159)". Damit können Eigentümer barrierereduzierende Baumaßnahmen mit einem zinsgünstigen Kredit von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit finanzieren. Die Förderung gilt auch für Mietobjekte oder für den Kauf von Immobilien, die bereits barrierearm modernisiert wurden. Teure Anschlussfinanzierung: So sichern Sie Ihr Eigenheim trotz steigender Zinsen Immobilienkredit in Gefahr: So retten Sie Ihr Eigenheim vor der Zwangsversteigerung Zusätzlich hat die KfW angekündigt, den früheren Investitionszuschuss "Barrierereduzierung (455-B)" wieder einzuführen. Das Zuschussprogramm wird derzeit überarbeitet und soll voraussichtlich ab Frühjahr 2026 erneut verfügbar sein. In der Vergangenheit lag der Zuschuss bei zehn Prozent der förderfähigen Kosten einzelner Maßnahmen. Aktuell kann der Zuschuss allerdings noch nicht beantragt werden, erklärt Oberländer. Zuschüsse der Pflegekassen: Bis zu 16.720 Euro möglich Auch die Pflegekassen unterstützen den barrierearmen Umbau von Wohnungen. Voraussetzung ist ein anerkannter Pflegegrad. Dann können Betroffene einen Zuschuss von bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme erhalten. Gefördert werden beispielsweise bodengleiche Duschen, Haltegriffe, angepasste Türen, Rampen oder Lifte. Leben mehrere pflegebedürftige Personen in einem Haushalt, kann sich die Förderung auf bis zu 16.720 Euro erhöhen. Steuererklärung: Diese Kosten können Rentner mit Pflegegrad absetzen Steuerbonus: Pflegegrad 4 oder 5 bringt bis zu 7.400 Euro Regionale Förderprogramme: Oft lohnt sich ein genauer Blick Neben bundesweiten Förderungen bieten manche Bundesländer und Kommunen eigene Programme an. Diese können zusätzliche Zuschüsse, Darlehen oder Beratungsangebote umfassen. Informationen dazu finden Sie unter anderem in der Förderdatenbank des Bundes und der Länder oder bei kommunalen Beratungsstellen. "Oft ist es die clevere Kombination verschiedener Programme, die eine Modernisierung wirtschaftlich attraktiv macht. Eine frühzeitige Beratung hilft dabei, die optimale Förderstruktur zu finden", sagt Baufinanzierungsexperte Ralf Oberländer.