Stipendienprogramm in Südafrika will Lücken in der Klimaberichterstattung schließen
Die Non-Profit-Organisation Fossil Free South Africa (FFSA) hat ein neues, auf Mentoring ausgerichtetes Stipendienprogramm ins Leben gerufen. Es zielt darauf ab, die Berichterstattung über den Klimawandel in Südafrika zu stärken. Zuvor hatten die Initiator:innen des Projekts den Zustand des Klimajournalismus im Land als „katastrophal“ bezeichnet.
Klimaaktivistische Proteste. Bild: Dominik Wunderlich, Pixabay
Das „Climate Media Lab“-Stipendium, das von David Le Page, Jo-Anne Smetherham und Ozayr Patel von FFSA geleitet wird, soll aktive Journalist:innen und digitale Storyteller:innen mit den Werkzeugen ausstatten, um den Klimakontext in die tägliche Berichterstattung zu integrieren – von Politik und Bildung bis hin zu Wirtschaft und Naturkatastrophen.
Die Initiative entsteht vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis, dass afrikanische Universitäten Journalist:innen nicht ausreichend auf die Berichterstattung über den Klimawandel vorbereiten. Laut einer Studie des European Journalism Observatory (EJO) und des African Journalism Educators Network (AJEN) gaben im Jahr 2024 zwei Drittel der befragten internationalen Journalismusdozent:innen an, dass ihre Institute keine Kurse zur Berichterstattung über den Klimawandel anbieten.
„In den südafrikanischen Nachrichten mangelt es an Klimaberichterstattung und Klimakontext“, sagte Smetherham.
„Von großen Öl- und Gasfunden, die als Entwicklungserfolge dargestellt werden, bis hin zu Überschwemmungen und Dürren, über die ohne jeglichen Klimakontext berichtet wird – uns fehlt der Blick auf das große Ganze.“
Obwohl Studien zeigen, dass sich viele Südafrikaner:innen über den Klimawandel bewusst sind, glaubt ein erheblicher Teil nicht, dass er vom Menschen verursacht wird. Das deutet auf eine Lücke im öffentlichen Verständnis hin. Das Stipendienprogramm zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen, indem es die Qualität und Quantität der klimainformierten Berichterstattung stärkt.
Mentoring im Mittelpunkt
Das Programm läuft von März bis November und ist für ausgewählte Teilnehmer:innen kostenlos. 20 Stipendiat:innen sollen gefördert werden – vor allem aktive Journalist:innen, Community-Reporter:innen und Social-Media-Storyteller:innen.
Alle Stipendiat:innen werden mit erfahrenen Klima-Berichterstatter:innen zusammengebracht. Diese Teams treffen sich zweimal im Monat zu Mentoring-Sitzungen. Die Teilnehmenden werden angeleitet, wie sie den Klimakontext in ihre bestehenden Themenbereiche einbinden und mindestens zwei eigene, klimafokussierte Geschichten produzieren können.
„Wir wollen es so einfach wie möglich machen“, sagte Smetherham. „Der Klimawandel ist ein komplexes und nuanciertes Thema. Journalisten wissen oft nicht, wen sie fragen oder wie sie das Thema unter Zeitdruck angehen sollen. Wir stellen Ressourcen und Expertenkontakte zur Verfügung und zerlegen die Komplexität in verdauliche Häppchen.“
Zusätzlich zum Mentoring wird das Stipendium Seminare mit prominenten Klimakommunikator:innen veranstalten.
Die Seminare sollen den Teilnehmenden verschiedene Möglichkeiten der Berichterstattung aufzeigen und in lösungsorientiertes Storytelling einführen, das über düstere Untergangsszenarien hinausgeht.
Einschränkungen in den Redaktionen und redaktionelle Prioritäten
Patel merkte auch an, dass der finanzielle Druck in schrumpfenden Redaktionen ein großes Hindernis für die Klimaberichterstattung darstellt.
„Im Journalismus gibt es wenig Geld. Wer stellt heutzutage noch Journalisten nur fürs Klima ein?“
Spezialisierte Klimapositionen fielen oft als erste weg, wenn die Mittel knapp werden.
Zwar haben einige Redaktionen wie News24 und Daily Maverick sich dazu entschieden, der Klimaberichterstattung eine hohe Priorität zu geben, doch dies sind eher Ausnahmen als die Regel.
„Der Klimawandel betrifft jeden Bereich“, sagte Patel. „Es geht nicht nur um die Umwelt. Er wirkt sich auf Lebensmittelpreise, Bildung, Infrastruktur und Politik aus. Wir wollen, dass Journalisten diese Zusammenhänge verstehen – und wie sie das tägliche Leben der Menschen betreffen.“
Smetherham fügte hinzu, dass die Angst, wissenschaftliche Fakten falsch wiederzugeben, Reporter:innen oft davon abhielte, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Stipendium, so sagte sie, ziele darauf ab, sowohl Wissen als auch Selbstvertrauen aufzubauen.
Während die Kohorte 2026 auf Südafrika beschränkt ist, sagen die Organisator:innen, dass ein deutliches Interesse auf dem gesamten Kontinent bestehe. Es gingen Bewerbungen aus Kenia und Malawi ein, doch finanzielle Engpässe verhinderten eine Ausweitung in diesem Jahr.
„Wenn wir die Finanzierung sichern können, würden wir das Projekt gerne auf ganz Afrika ausweiten“, sagte Patel. „Das Interesse ist riesig.“
Das langfristige Ziel bestehe nicht nur darin, die individuellen Berichterstattungsfähigkeiten zu verbessern. Die Kultur in den Redaktionen solle schrittweise verändert werden – indem Klimabewusstsein in den alltäglichen Journalismus integriert wird, anstatt als Nischenthema behandelt.
Für Journalismusausbildende auf dem gesamten Kontinent ist die Botschaft klar: Während Universitäten mit Lehrplanreformen und Finanzierungsdruck zu kämpfen haben, springen zivilgesellschaftliche Initiativen ein, um eine kritische Lücke in der Berichterstattungskapazität zum Thema Klima zu schließen.
Klimabedingte Katastrophen nehmen zu, die wirtschaftlichen Auswirkungen verschärfen sich. Fossil Free South Africa argumentiert deshalb, dass es nicht mehr optional, sondern unerlässlich ist, Journalist:innen zu befähigen, diese Geschichten genau – und im Kontext – zu erzählen.
Dieser Artikel wurde zunächst vom African Journalism Education Network (AJEN) veröffentlicht. Übersetzt von Judith Odenthal mithilfe von DeepL.
Der Beitrag Stipendienprogramm in Südafrika will Lücken in der Klimaberichterstattung schließen erschien zuerst auf Europäisches Journalismus-Observatorium (EJO).