Donald Trump: Streit um den Iran-Krieg spaltet Anhänger des US-Präsidenten
Der Iran-Krieg zeigt: Donald Trumps womöglich entscheidende Unterstützer folgen dem Präsidenten nicht mehr blind. Die Unstimmigkeiten könnten sich zu einem Richtungsstreit um die Zukunft der Republikaner entwickeln. David Schafbuch berichtet aus New York Bis zum vergangenen Dienstag war der Name Joe Kent wohl außerhalb den USA nur politischen Insidern ein Begriff. Kent, bis dahin Leiter des amerikanischen Zentrums für Terrorismusbekämpfung NCTC, sorgte an diesem Tag international für Aufsehen. Er könne guten Gewissens nicht mehr den Krieg der USA im Iran unterstützen, teilte Kent in seinem Schreiben an Präsident Donald Trump mit und erklärte darin seinen sofortigen Rücktritt von der Behörde. Doch er ging noch einen Schritt weiter: Der Iran habe auch nicht, anders als von Trump behauptet, eine "unmittelbare Bedrohung" gegenüber den USA dargestellt, schrieb Kent. Der 45-Jährige nannte Trumps Aussage eine Lüge. Krieg im Iran: Alle Informationen im Newsblog Kommentar: Nicht unser Krieg? Ein fataler Irrtum Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, reagierte mit einer langen Gegenrede auf der Plattform X: "Dies ist dieselbe falsche Behauptung, die die Demokraten und Teile der liberalen Medien immer wieder wiederholen", heißt es von Leavitt dort. Allerdings ist Kent weder Teil der Demokraten noch der Medien, sondern wie Donald Trump Republikaner. Rücktritt von Kent steht für mehr in der Trump-Regierung Kents Rückzug steht für mehr als nur einen unzufriedenen Mitarbeiter innerhalb der Trump-Regierung: Seine Erzählung steht sinnbildlich für die Entfremdung eines Teils der amerikanischen Rechten, die Trump bislang nahezu bedingungslos unterstützt hatte. Seinen Rückzug hatte Kent nicht nur damit begründet, dass der Iran aktuell keine größere Bedrohung gewesen sei. Die USA seien zudem von Israel in den Krieg hineingezogen worden. "Wir haben diesen Krieg wegen des Drucks Israels und dessen amerikanischer Lobby begonnen", heißt es in Kents Rücktrittsschreiben. Es ist eine Erzählung, die nach dem Ausbruch des Kriegs schon von verschiedenen Stimmen im Trump-Kosmos zu hören war. Auch US-Außenminister Marco Rubio hatte zunächst davon gesprochen, dass die USA sich an dem Krieg beteiligt hätten, weil Israel einen Angriff ohnehin geplant hatte. Trump selbst hatte diese Erzählung bisher verneint. Auch sein ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, John Bolton, sagte t-online, Rubios Ausführungen seien "vollkommen lächerlich" . Lob von Tucker Carlson Ob der Iran tatsächlich eine unmittelbare, militärische Bedrohung für die USA dargestellt hat, wird von vielen Militärexperten angezweifelt. Es gilt allerdings als wahrscheinlich, dass Kents Rücktritt weniger mit rein militärischen Aspekten des Kriegs zu tun hatte. Seine Worte wirken wie eine Botschaft an Trump: Nämlich, dass er sich nicht mehr der völligen Unterstützung des Rechtsaußen-Lagers sicher sein kann. Kent galt schon vor seinem Rücktritt als politischer Hardliner. Zweimal war ihm zuvor der Einzug in das US-Repräsentantenhaus für die Republikaner nicht gelungen. In dieser Zeit soll er unter anderem ein Mitglied der rechtsextremen "Proud Boys" beschäftigt haben. Bekanntheit erlangte er in der Vergangenheit auch dadurch, dass er häufig in der Sendung des ehemaligen Fox News-Moderators und langjährigen Trump-Unterstützers Tucker Carlson zu Gast war. Der Moderator gilt als eines der Sprachrohre der "Make America Great Again"-Bewegung (Maga), die den harten Kern der Trump-Unterstützer ausmacht. Doch auch Carlson steht nicht mehr bedingungslos an der Seite von Trump. Carlson lobte Kent etwa nach dessen Rücktritt als den "mutigsten Mann", den er kenne und lud ihn erneut in seine Sendung ein. Auch Carlson hatte zuletzt immer wieder die Erzählung aufgegriffen, dass Israel und nicht die USA die Triebfeder des Kriegs sei. "Das ist der Krieg Israels, nicht der der USA", sagte er etwa wenige Tage, nachdem USA und Israel ihren gemeinsamen Angriff begonnen hatten. Dem Moderator wird wegen seiner Äußerungen Antisemitismus vorgeworfen, genauso wie Kent. "Antisemitismus ist ein Übel, das ich verabscheue, und wir wollen es ganz sicher nicht in unserer Regierung haben", kommentierte etwa der republikanische Abgeordnete Don Bacon Kents Rücktritt. Fuentes betet für den Iran Andere Figuren im Trump-Lager gehen mit ihrer Kritik noch weiter. Dazu zählt etwa der Rechtsextremist Nick Fuentes. Der 27-Jährige vertritt im Netz offen rassistische und antisemitische Positionen. Allein auf der Plattform X hat Fuentes 1,3 Millionen Follower und gilt vor allem in der jungen, rechtsradikalen Szene als einflussreich. Den Krieg im Iran nutzte er ebenfalls, um mit Trump als Präsident abzurechnen. "Im Moment kämpft der Iran mehr für Amerika, als dass es Amerika für Amerika tut", teilte Fuentes etwa vor wenigen Tagen auf sozialen Medien mit. Deshalb bete er für die iranischen Märtyrer oder das getötete staatliche Oberhaupt Ajatollah Chamenei, weil diese sich im Kampf gegen Israel befinden. Fuentes hatte bislang Trumps Politik unterstützt, aber sich im Zuge des Kriegs von Trump abgewandt. "Wir haben Maga nicht verlassen, Maga hat uns verlassen", teilte der Rechtsextremist etwa auf der Plattform X mit. Zuletzt hatte er auch Trumps Vizepräsidenten angegriffen: JD Vance, der bislang eindeutige Aussagen für oder gegen den Krieg vermeidet , versuche, "seine Chancen im Jahr 2028 zu retten, indem er sich nur stillschweigend vom Krieg distanziert." US-Vizepräsident: Für JD Vance hilft nur noch Beten Die Abgrenzungstendenzen innerhalb des Trump-Lagers hatten schon vor dem Iran-Krieg begonnen. Erkennbar war das vor allem an zwei Ereignissen: am Umgang der US-Regierung mit den Epstein-Dokumenten und während der Razzien von ICE und anderen Grenzschutzbehörden in Minneapolis Anfang des Jahres. Podcaster stellt sich gegen Trump Im Zuge der Epstein-Veröffentlichungen wurde Trump auch aus den eigenen Reihen mangelnde Transparenz vorgeworfen. Trump hatte im Wahlkampf immer wieder davon gesprochen, die gesamten Ermittlungsakten zu Epstein als Präsident öffentlich zu machen. Einen großen Teil der Unterlagen hält die Regierung weiter unter Verschluss, obwohl sie per Gesetz mittlerweile zur vollständigen Freigabe verpflichtet ist. Wegen des Umgangs mit den Epstein-Unterlagen hatte sich etwa Marjorie Taylor Greene mit Trump überworfen. Die Republikanerin war bis dahin eine glühende Trump-Unterstützerin und galt als eines der bekannten Gesichter der Maga-Bewegung. Mittlerweile hat Taylor Greene nicht nur mit Trump gebrochen, sondern auch ihr Mandat als Abgeordnete im Kongress abgegeben . Trump beschimpft die frühere Verbündete nun als Verräterin. Weiteren Gegenwind erhielt Trump, nachdem in Minnesota durch Beamte verschiedener Grenzschutzbehörden die Amerikaner Renée Good und Alex Pretti erschossen wurden. Kritik übte daraufhin auch der Podcaster Joe Rogan. "Wollen wir wirklich wie die Gestapo sein?", fragte Rogan in seiner Sendung. Rogan ist aktuell einer der erfolgreichsten Podcaster der Welt. Jede Ausgabe seiner Sendung wird millionenfach gehört. Rogan gilt als zentrale Stimme der "Manosphere" – einer Gruppe von unabhängigen, männlichen Medienmachern, die ein ultrakonservatives Gesellschaftsbild propagieren und vor allem unter jungen Trump-Wählern viel Anklang finden. Rogan hatte noch im Wahlkampf 2024 Trump in seiner Sendung zu Gast und später zu seiner Wahl aufgerufen. Heute kritisiert auch er Trump für den Iran-Krieg. "Klassische republikanische Linie" An der Wählerbasis ist der Unmut gegenüber Trump dagegen weniger spürbar. Laut einer jüngsten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos lehnen aktuell 59 Prozent der Amerikaner den Krieg im Iran ab. Die Mehrheit der republikanischen Wähler steht allerdings mit 77 Prozent hinter dem Krieg. "Das war bis 2016 die klassische republikanische Linie", sagte auch Ex-Trumpberater Bolton zu t-online. Daher sei er weiter davon überzeugt, dass der Krieg von einer Mehrheit der republikanischen Wähler getragen werden. Allerdings könnten schon kleine Veränderungen in den kommenden Monaten zu gravierenden politischen Änderungen führen: Im November will Trump bei den Zwischenwahlen im Kongress seine knappe Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus verteidigen.