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KI-Boom in Gefahr: So trifft der Iran-Krieg die Chip-Branche

Schon die Corona-Pandemie hatte die Verwundbarkeit der Wirtschaft offenbart, auch an den Börsen. Der Iran-Krieg könnte nun den KI-Boom einstürzen lassen. Mit dem Beginn des Iran-Kriegs werden Erinnerungen an die Pandemie wach: Denn so wie sie wirken sich die Kämpfe in Nahost auf viele andere Bereiche aus – auf die Chipfertigung in Asien, das Silicon Valley und letztlich auf unfassbar viele Unternehmen und ihre Kunden. Helium fehlt in der Chip-Produktion. Flüssiggas (LNG) ebenso. Besonders betroffen: die Halbleiterindustrie. Vieles hängt von einem Zulieferer ab: Katar. Was wird nun ohne ihn? Aktien von Chipherstellern schwankten bereits kurz nach Beginn des Iran-Kriegs stark. Zunächst ging es abwärts. Beispiel: TSMC. Die Aktien des Chipherstellers, der unter anderem für Nvidia fertigt, fielen zeitweise um 6 bis 7 Prozent am Tag. Die Wertpapiere des Halbleiterherstellers SK Hynix waren ebenfalls betroffen. Auch wenn sich die Aktien wieder etwas erholen, hat sich offenbart: Die Kriegssorgen haben die Chip- und KI-Branche erreicht. Die Folgen werden weitreichend sein – aus verschiedenen Gründen. Helium aus Katar fehlt Zum einen könnten Rohstoffe wie Helium knapp werden. Asien importiert es vornehmlich aus Katar. Doch seit Katar seine wichtigste Anlage für Flüssiggas stilllegen musste, fehlt auch Helium. Das Edelgas fällt bei der LNG-Produktion an und wird nun nicht mehr produziert. Dazu kommen unterbrochene Lieferketten. Durch die Straße von Hormus kommen keine Schiffe mehr nach Asien, seitdem der Iran diese Wasserstraße blockiert. Und die Lufträume sind auch gesperrt. Helium bleibt, wie viele andere Produkte (Kunststoffe, Düngemittel), aus der Region aus. Der Haken: Helium ist unentbehrlich und kann nicht ersetzt werden. Geht das so weiter und fehlt Helium in der Chip-Produktion in Asien bei TSMC, Samsung und Co., werden weniger Chips hergestellt, im schlimmsten Fall müssen Produktionsanlagen angehalten werden. Und wenn sie dann wieder laufen, wann auch immer, werden sie es vermutlich zu zunächst höheren Kosten tun. SK Hynix hat von sich aus geäußert: Sie haben alternative Lieferungen und genug auf Lager, kein Problem. Andere Hersteller sind da etwas schmallippiger. Dominoeffekte drohen Taiwan und Südkorea fertigen rund 80 Prozent der weltweiten Speicherchips. Fällt ein Teil davon aus, hätte das einen Dominoeffekt: Tesla , Nvidia, Apple – alle, die diese Chips brauchen, könnten ihre Produkte – vom Auto bis zum Handy – dann nicht mehr in ausreichender Stückzahl produzieren. Chip-Knappheit gab es jüngst erst, aber noch aus anderen Gründen: Die USA stoppten Lieferungen aus China . Als das Verbot aufgehoben wurde, lieferte China aus eigenem Antrieb nicht. Man einigte sich irgendwann. Das war schon aufregend genug für die Branche. Die Nachfrage ist stark gestiegen Noch ist es nicht so weit, dass Chips in rauen Mengen fehlen. Aber grundsätzlich ist die Situation aktuell noch riskanter als vor sechs Jahren zu Corona-Zeiten, denn die Nachfrage ist durch KI stark gestiegen. Vor allem die margenstarken KI-Rechenzentren, die wie Pilze aus dem Boden schießen, zwacken viel Nachfrage ab, sodass Kapazitäten bei Smartphones, Autos, Computern etc. fehlen. Zugleich fehlt es an Flüssiggas, an LNG. Das Emirat Katar ist der zweitgrößte LNG-Lieferant weltweit . Seit das Land seine Anlagen schließen musste, ruhen weite Teile der Produktion. LNG wird knapper, und das treibt die Preise. Und dazu stiegen auch noch die Ölpreise. Vom Öl aus Nahost ist vor allem Asien abhängig, das das meiste Öl von dort bezieht. Energie wird immer teurer Die Konsequenzen sind auch hier so weitreichend wie folgenschwer: Teurere Energie macht es naturgemäß auch teurer, Rechenzentren zu betreiben. Die verbrauchen viel Energie, einerseits für ihre Kühlsysteme, andererseits für ihre Rechenleistung. LNG aus Nahost war und ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Asiens Halbleiterindustrie. Nun sind die USA die nächste große Quelle für LNG und auch für Helium. Doch die Amerikaner brauchen beides selbst. China produziert kaum Helium, bekommt aber offensichtlich welches aus Russland . Ein Teil davon, so vermutet die Deutsche Rohstoffagentur, gelangt offenbar nach Europa, aber nicht im großen Stil. Denn es gibt keine ausreichenden Transportkapazitäten. Russland selbst darf nicht mehr in die EU exportieren. Folgen für den KI-Boom möglich Also stellen sich folgende Fragen: Wenn Helium und LNG fehlen, wenn Chips knapp werden, was heißt das für die KI-Branche? Wenn hier Bauvorhaben – vorerst – ruhen müssen, weniger Rechenzentren gebaut werden können, wenn Zentren in Nahost wie etwa in den Emiraten beschossen werden und folglich auch deren Chip-Nachfrage sinkt, dann muss man sich fragen: Was macht all das mit dem KI-Boom? Ohne weiter steigende Zahlen von Rechenzentren wäre er zumindest gebremst. Wie sehr, vermag man jetzt noch gar nicht zu sagen. Was macht das mit den Bewertungen der Unternehmen dieser Branche? Welche Risikoszenarien sind an der Börse eingepreist und welche nicht? Stand jetzt ist die Sorge noch nicht überbordend. Man hofft auf ein baldiges Kriegsende, und es gibt noch Vorräte und Lagerbestände. In wenigen Tagen oder Wochen werden diese Fragen aber immer drängender.

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