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Olympiasieger Michael Jung: Sie nannten ihn Terminator

Michael Jung krönt sich in einem engen Finale zum Olympiasieger in der Vielseitigkeit. Der Bundestrainer zieht danach einen ungewöhnlichen Vergleich. Aus Paris berichtet Alexander Kohne Nachdem er "Los Angeles" übersprungen hatte, musste die Emotionen raus. Michael Jung stieß einen Jubelschrei aus, tätschelte den Hals seines Pferdes Chipmunk (deutsch: Streifenhörnchen) und ballte die rechte Faust. Durch einen fehlerfreien Auftritt im abschließenden Springreiten krönte sich der 41-Jährige im Schlosspark von Versailles zum Olympiasieger in der Vielseitigkeit. Amtlich wurde dies durch die Überquerung des letzten Hindernisses, auf dem das Logo der kommenden Sommerspiele 2028 in Los Angeles prangte. Danach winkte Jung den rund 16.000 Zuschauern auf den drei Tribünen des temporären Stadions, das nur wenige hundert Meter entfernt vom pompösen Schloss entfernt liegt, erleichtert zu. "Das ist schon etwas ganz, ganz Außergewöhnliches, etwas Besonderes", schwärmte der deutsche Vorzeigereiter später bei einem Pressegespräch, bei dem auch t-online zugegen war – und präsentierte stolz die Goldmedaille. Der Weg dahin war allerdings alles andere als leicht. Am Ende aber reichte es für Jung dank eines fehlerfreien Schlussdurchgangs mit 21,8 Strafpunkten vor dem Australier Christopher Burton mit Shadow Man (22,4) und der Britin Laura Collett mit London (23,1) zu seinem insgesamt vierten Olympiasieg. Olympia 2024: Der Medaillenspiegel in der Übersicht Jung: "Chipmunk hat mich gerettet" Und Jung, der bereits 2012 und 2016 mit dem Team und im Einzel bei Olympia erfolgreich war, wusste danach, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Ich habe heute nicht alles ideal erwischt. Er kennt mich vielleicht auch ein bisschen und hat die Situation einfach bravourös gemeistert und mich gerettet", lobte er Chipmunk, seinen 16 Jahre alten Hannoveraner. Jung und Chipmunk hatten schon beim vorangehenden Geländeritt sowie in der Dressur und dem Auftaktdurchgang im Springen aufgetrumpft, sodass vor dem großen Finale Rang eins zu Buche stand. Dass Jung dem Druck standhielt, führte der Bundestrainer vor allem auf dessen Nervenstärke zurück. "Der ist mega cool", sagte Peter Thomsen und schloss an: "Sie nannten ihn früher schon den 'Terminator' – und ich kann das nur bestätigen. Das ist absolute Weltklasse." Auf die Zuschreibung, der "Terminator" der Pferdeszene zu sein, reagierte Jung erst etwas verdutzt – und dann mit einem Lachen. "Terminator? Ich weiß nicht. Ich kann aber schon sehr gut mit dem Druck umgehen, mich gut konzentrieren und fokussieren. Ich bin dann so ein bisschen im Tunnel", erklärte der 41-Jährige, der in Baden-Württemberg eine Reitschule betreibt. Durch seine dritte Einzel-Goldmedaille in der Vielseitigkeit hat Jung einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Pferdesports sicher. Das war zuvor noch niemandem gelungen. Rund um die olympische Anlange im Versailles kam im Zuge dessen die Frage auf, ob er in der Disziplin nun der "Größte aller Zeiten" sei? Jung selbst gab sich im Hinblick darauf bescheiden. "Das hört man natürlich gerne. Aber ich kann nur dankbar sein, immer wieder so tolle Pferde zu haben", entgegnete er und schob ein weiteres Lob sein aktuelles Goldpferd nach: "Chippi passt so unglaublich gut zu mir. Wir verstehen uns super." Das dürfte auch eine verklausulierte Ansage an die Konkurrenz sein. Denn nachdem Jung um 15.53 Uhr das Logo der kommenden Spiele bereits auf dem Pferderücken überquert hatte, hatte er die Olympischen Spiele 2028 eine gute Stunden später anderweitig im Sinn. "Ich schaue natürlich schon ein bisschen Richtung Los Angeles", gab der frischgebackene Goldmedaillensieger zu.

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