"Tradwives"-Trend: Hübsch, brav, unterdrückt?
Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, im Internet macht sich ein seltsamer Trend breit: Auf reichweitenstarken Social-Media-Kanälen inszenieren sich Frauen als sogenannte "Tradwives" ("traditional wives") und leben einen Alltag wie aus dem 19. Jahrhundert vor: Sie kümmern sich um Küche, Kinder und Keller, dienen ihrem Ehemann als hübsches Heimchen und perfekte Gastgeberin. Die ehemalige Miss America Hannah Neeleman sowie Meghan Markle, die Gattin von Prinz Harry, gelten vielen als prominenteste Vorbilder dieser femininen, aber alles andere als feministischen Bewegung. Auch deutsche Influencerinnen sind auf den Trend aufgesprungen, denn mit derlei Videos lässt sich eine Menge Geld verdienen. Zugleich prägen diese Hausfrauen das Weltbild Zigtausender Mädchen. Genau das kritisieren linke Politikerinnen wie Franziska Brantner: "Antifeminismus ist der Kitt der extremen Rechten", sagt die Grünen-Chefin. Ihre Kolleginnen Ricarda Lang und Katrin Göring-Eckardt blasen in dasselbe Horn. Sie halten die Idealisierung antiquierter Rollenbilder für gefährlich. Diese Kritik wiederum hat unseren Kolumnisten Uwe Vorkötter hellhörig gemacht: Er wirft den Grünen vor, zwar öffentlichkeitswirksam über Internet-Phänomene zu wettern, aber das viel größere Problem in der deutschen Gesellschaft zu ignorieren. 20 Prozent der hierzulande lebenden Frauen entsprechen einer Studie zufolge dem Lebenswandel von "Tradwives". Ein Großteil von ihnen seien jedoch Migrantinnen aus islamischen Ländern. Der Verdacht liegt nahe, dass viele von ihnen nicht aus Überzeugung ihr Leben zwischen Herd und Bügelbrett verbringen, sondern weil sie patriarchalischen Rollenmustern gehorchen. Das jedoch würden die Grünen bewusst verschweigen, meint Vorkötter. Ist an der Kritik etwas dran? Verändern muslimische Strukturen die deutsche Gesellschaft zum Schlechteren, und linke Politiker verdrängen das Problem? Oder werden hier Migranten stigmatisiert und Frauen gegen Frauen ausgespielt, während Männerdominanz überall das gleiche Problem ist – ob an Stammtischen, in Vorstandsetagen oder in Shishabars? In unserem Podcast versuchen wir, diese Frage zu klären: Moderatorin Nicole Fuchs-Wiecha hat Franziska Brantner und Uwe Vorkötter zu einem Streitgespräch eingeladen. Was die beiden zu sagen haben, ist hörenswert: Abonnieren auf Spotify | Apple Podcasts || Transkript lesen Ich wünsche Ihnen ein erkenntnisreiches Wochenende und einen behaglichen dritten Advent. Am Montag kommt der Tagesanbruch von unserer Nachtredaktionschefin Anna-Lena Janzen in Australien. Herzliche Grüße Ihr Florian Harms Chefredakteur t-online E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de Gefällt Ihnen der Tagesanbruch? Dann leiten Sie diesen Newsletter an Ihre Freunde weiter. Haben Sie diesen Newsletter von einem Freund erhalten? Hier können Sie ihn kostenlos abonnieren. Alle bisherigen Tagesanbruch-Ausgaben finden Sie hier . Alle Nachrichten von t-online lesen Sie hier . Mit Material von dpa.