Zusammenstöße mit Polizei: Hertha-Fans verlassen das Olympiastadion
Vor dem Topspiel in der 2. Bundesliga geraten Fans und Polizei aneinander. Im Stadion herrscht im Anschluss eine beklemmende Stimmung. Massive Proteste haben das Zweitliga-Topspiel zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04 (0:0) überschattet. Zahlreiche Fans der Berliner verließen rund 20 Minuten nach Anpfiff geschlossen das Olympiastadion. Das berichtet ein t-online-Reporter vor Ort. Dem Stimmungsboykott vorausgegangen war laut der Fanhilfe Hertha BSC "massive Polizeigewalt gegen wartende Fans am Eingang zur Ostkurve". Die Gruppe setzt sich nach eigenen Angaben für Hertha-Fans ein, "die in Konflikt mit dem Gesetz bzw. der Polizei geraten sind". Beamte hätten die Fans am Eingang provoziert und eine Festnahme ohne ersichtlichen Grund durchgeführt. Im Vorbereich der Fankurve sei gegen wartende Fans "anlasslos massive Gewalt ausgeübt" worden, inklusive "großflächigem Einsatz von Pfefferspray". Mindestens 30 Fans seien so verletzt und von Sanitätern behandelt worden. Weitere Fans seien schwer verletzt in einer Notaufnahme behandelt worden. Die Gruppe schreibt in einer Pressemitteilung: "Dieser heutige Angriff vor der Ostkurve ist der traurige Höhepunkt einer Eskalations- und Provokationsspirale der Polizei im Olympiastadion, die seit etwa einem halben Jahr durchgedrückt wird." Innensenatorin Iris Spranger sei "direkt verantwortlich" für die Verletzten. Polizei schildert Vorfall: "Gewalt- und Bedrohungslage" Eine Reaktion der Polizei gab es auf Anfrage der dpa zunächst nicht. Die Situation werde von der Einsatzleitung am Stadion bewertet. Nach dem Spiel teilte die Polizei dann mit, dass 31 Berliner Fans und 21 Beamte bei der Auseinandersetzung verletzt worden seien. Die Polizei beklagte massive Fangewalt. Mehrere Personen seien festgenommen worden. Über die Art der Verletzungen der Polizisten wurden keine Angaben gemacht. Die Fans hätten vorwiegend wegen der Folgen eines Pfeffersprayeinsatzes behandelt werden müssen, hieß es. Die Hertha teilte mit, dass es vor dem Spiel einen Zwischenfall zwischen Fans und der Polizei vor dem Stadion gegeben habe. Details würden geprüft. Auf X schilderte die Polizei den Vorfall aus ihrer Sicht. "Am Stadioneingang zur Ostkurve sollen Kolleg. nach Beleidigungen von vermummten Fans u.a. mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein." Und weiter: "Aufgrund der Gewalt- und Bedrohungslage war es zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauenden notwendig, Pfefferspray gegen größere Gewalttätergruppen einzusetzen." Wegen des Verdachts der Beleidigung, der gefährlichen Körperverletzung und wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es weiter. "Die Ermittlungen und Auswertungen unserer Beweismittel und Aufnahmen dauern an." Fans reagieren mit kollektivem Schweigen Die aktiven Fanszenen beider Klubs reagierten während des Spiels durch kollektives Schweigen auf die aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Polizeiaktion. Bei der Partie gab es phasenweise lediglich verunglimpfende Sprechchöre gegen Sicherheitskräfte von den Rängen, ansonsten herrschte in der mit mehr als 70.000 Zuschauern gefüllten Arena eine beklemmende Stimmung. Die Scharen an Hertha-Fans, die nach rund 20 Minuten die Ostkurve verließen, hinterließen einen blauen Schriftzug mit einer Polizei-Beleidigung. Die Schalke-Fans nahmen zur zweiten Halbzeit die Anfeuerung ihres Teams wieder auf. Nach gut 55 Minuten Spielzeit schallte auch das klassische "HaHoHe" der Hertha-Fans erstmals durch das Stadion. Bereits vor dem Spiel hatte die Fanhilfe Hertha BSC in einer Pressemitteilung aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Hausdurchsuchungen vor einigen Tagen bei Anhängern des Hauptstadtklubs beklagt.