World News in German

Zollkrieg: Was Trumps Grönland-Drohung für Anleger bedeutet

Der Streit um Grönland bringt den Zollkrieg zurück auf die Weltbühne – und die Börsen reagieren nervös. Was bedeutet das für Anleger, die an der Börse langfristig für ihre Rente sparen? Die jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump haben den Dax zum Wochenstart spürbar belastet. Der deutsche Leitindex fiel zur Eröffnung am Montag um 1,4 Prozent auf 24.940 Punkte. Trump drohte mit zusätzlichen Zöllen auf acht europäische Länder – solange den USA der Kauf von Grönland verwehrt bleibt. Wie ernst die Lage ist, zeigt die Warnung von Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Parnters: "Es besteht das Potenzial für eine noch nie dagewesene Spirale aus Zöllen, Gegenzöllen und weiteren Maßnahmen." Und er betont: "Anders als in früheren Verhandlungen wird die EU wohl diesmal nicht klein beigeben." Die entscheidende Frage lautet daher: Was bedeutet die Rückkehr des Zollkriegs zwischen den USA und der EU für Anleger – gerade für alle, die mit Aktien, Fonds oder ETFs langfristig Vermögen aufbauen und für die Altersvorsorge sparen? Europa hält dagegen: "Wir lassen uns nicht erpressen" Viele Marktbeobachter hatten gehofft, dass sich die Zollsituation zunächst beruhigt. Doch diese Hoffnung habe sich vorerst zerschlagen, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Wir befinden uns in der gleichen Situation wie im letzten Frühjahr." Damals hatten im April 2025 von Trump verhängte Zölle die Märkte erschüttert – nun droht eine ähnliche Dynamik. Politisch signalisiert Europa inzwischen Geschlossenheit. Bundesfinanzminister und SPD-Co-Chef Lars Klingbeil machte am Montag in Berlin an der Seite seines französischen Kollegen Roland Lescure klar: "Wir lassen uns nicht erpressen." Gleichzeitig betonte Klingbeil, er habe kein Interesse an einer Eskalation. Newsblog zur US-Politik: Trump zu Grönland: "Es wird erledigt werden" Griff nach Grönland: Trump wittert Reichtum im Eis Trotzdem bereiten Deutschland und Frankreich gemeinsam mit europäischen Partnern Gegenmaßnahmen vor – für den Fall, dass Trump seine Drohung aufrechterhält. Dazu gehört auch, das bisherige Zollabkommen mit den USA auf Eis zu legen. Außerdem könnten ausgesetzte europäische Zölle auf US-Importe wieder in Kraft treten. Wer verliert – wer profitiert: Zölle treffen nicht alle gleich Die Unsicherheit trifft im Dax vor allem jene Branchen, die stark davon abhängen, Waren ins Ausland zu verkaufen. Besonders deutlich zeigte sich das bei den Autokonzernen. BMW-Aktien verloren nach einer Herabstufung zeitweise bis zu sieben Prozent und waren damit der größte Verlierer. Auch Porsche , Volkswagen und Mercedes-Benz gaben knapp drei Prozent nach. Gleichzeitig zeigt der Blick auf einzelne Werte: Nicht jedes Unternehmen gerät automatisch in den Abwärtsstrudel. So konnte ASM International trotz der geopolitischen Spannungen zulegen. Eine Erholung im China-Geschäft brachte dem Unternehmen einen überraschend großen Auftragseingang. Die Aktie stieg zur Eröffnung der Börse in Amsterdam gegen den Trend um 1,4 Prozent. Zu den Gewinnern zählen derzeit auch Rüstungswerte. Rheinmetall legte in der Spitze um mehr als drei Prozent zu, Hensoldt gewann vier Prozent, Renk sogar fünf Prozent. Auch Thales und Dassault Aviation in Frankreich sowie Leonardo in Italien stiegen. Der europäische Branchenindex hat in diesem Monat bereits fast 15 Prozent zugelegt. Parallel bleibt Gold gefragt: Der Goldpreis hält sich in der Nähe seines Rekordhochs. Dax bleibt anfällig: zwischen Zollschock und Hoffnung Konkret geht es um zusätzliche Einfuhrzölle ab dem 1. Februar: Trump droht mit zehn Prozent auf Waren aus Deutschland, Dänemark , Norwegen , Schweden , Frankreich, den Niederlanden, Finnland und Großbritannien – falls den USA der Kauf Grönlands verwehrt bleibt. Ab Juni sollen die Sätze sogar auf 25 Prozent steigen. Die Drohung kam am selben Tag, an dem die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichneten. Trotzdem rechnen deutsche Experten für 2026 weiter mit steigenden Unternehmensgewinnen – und sehen den Dax zum Jahresende bei der "psychologisch wichtigen Marke" von 26.000 Punkten. Allerdings erwarten Analysten auch mindestens zwei bis drei deutliche Konsolidierungsphasen – also Rücksetzer – von 5 bis 10 Prozent. 25.000 Punkte im Dax: Was der Höhenflug für Ihre Geldanlage bedeutet International fallen die Warnungen deutlich schärfer aus. US-Großbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan sehen erhebliche Risiken für das globale Wachstum, falls die Zölle tatsächlich kommen. Goldman Sachs schätzt, dass ein 10-Prozent-Zoll auf alle EU-Importe das Wachstum der Eurozone um etwa einen Prozentpunkt drücken könnte. JPMorgan sieht die Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession bei 60 Prozent – weil die kumulative Zollbelastung einer der massivsten Steuererhöhungen seit Jahrzehnten entspreche. Die Lage bleibt unberechenbar Auch wenn viele Investoren hoffen, dass Trump am Ende doch verhandelt: Die Lage bleibt unberechenbar. Carsten Nickel von der strategischen Kommunikationsberatung Teneo in London sagt, die unmittelbare Folge der US-Politik sei, dass Vereinbarungen mit den USA kaum längerfristige Sicherheit böten. Entscheidend werde nun, ob die EU den Konflikt auf einen "klassischen" Handelskrieg begrenzt – oder ob sich in Europa der Ruf nach einer härteren Linie durchsetzt. Zugleich sehen manche Experten in Trumps Vorgehen vor allem ein taktisches Manöver. Viele Investoren glauben, dass Trump vor einem massiven Börseneinbruch zurückschrecken könnte, weil er die Entwicklung des Aktienmarkts häufig als Maßstab für seinen eigenen Erfolg anlegt. Viel Geplapper, nichts dahinter? Darum wird Trump als Taco-Präsident verspottet Zusätzlich gibt es rechtliche Hürden: Börsenexperte Jim Cramer, Moderator der Sendung "Mad Money" auf CNBC, sagte, Trump habe möglicherweise zu früh agiert und müsse wohl eine Entscheidung des Supreme Courts abwarten, bevor die Zölle rechtlich Bestand haben. Wie stark die Märkte tatsächlich reagieren, könnte sich zudem erst verzögert zeigen. Denn die Wall Street bleibt zum Wochenstart feiertagsbedingt geschlossen: Am dritten Montag im Januar wird in den USA der Martin Luther King Day begangen. Anleger müssen daher zunächst ohne Impulse aus den USA auskommen – was die Unsicherheit eher verstärkt. Was Anleger jetzt tun können – ohne in Panik zu geraten Auch wenn der Zollkrieg zwischen den USA und der EU im Zuge der Grönlandaffäre wieder aufflammt, gilt für Anleger nun vor allem eines: Ruhe bewahren. Dem hektischen Markttiming nachzugeben und komplett auszusteigen ist oft die teuerste Reaktion, weil man nach dem ersten Schock die Erholung verpasst – zumal Märkte politische Drohkulissen zunächst oft überbewerten und Zölle schnell einpreisen. Sobald Verhandlungen starten, kann sich die Stimmung jedoch rasch drehen. Statt Panikverkäufen raten viele Strategen für 2026 zu einer selektiven Strategie. Wer stark in exportabhängigen Branchen wie Automobil- oder Maschinenbau investiert ist, sollte sein Klumpenrisiko prüfen und breiter streuen – zum Beispiel über defensivere Bereiche wie Gesundheit, Versorger oder Software. Auch US-Binnenwerte können ein Gegengewicht sein, wenn europäische Exporteure unter Druck geraten. Ein Crash gilt zwar nicht als Basisszenario, doch eine Korrektur bleibt möglich. Wer sich damit unwohl fühlt, kann die Cash-Quote moderat erhöhen, also etwas mehr Geld als Reserve halten, und spekulative Positionen mit Stop-Loss absichern, also eine Kursmarke nach unten festlegen, bei der eine Aktie automatisch verkauft wird, um größere Verluste zu begrenzen. So lässt sich Risiko reduzieren, ohne den langfristigen Anschluss an den Markt zu verlieren.

Читайте на сайте