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Gold: Goldpreis knackt Rekordmarke – Anleger flüchten wegen Trump-Drohungen

Gold glänzt wie nie zuvor, doch der Grund ist alles andere als beruhigend. Trumps Drohungen lassen die Angst vor einem Handelskrieg zurückkehren. Die Edelmetalle Gold und Silber kennen an der Börse derzeit nur eine Richtung: nach oben. Der Goldpreis hat erstmals die Marke von 4.700 Dollar je Feinunze (etwa 4.008 Euro) überschritten und ist in der Spitze auf ein neues Allzeithoch von 4.737 Dollar gestiegen. Auch Silber erreichte ein Rekordniveau von 94,72 Dollar, bevor vereinzelt Gewinnmitnahmen einsetzten. Für viele Anlegerinnen und Anleger ist das ein klares Signal: In unsicheren Zeiten suchen die Märkte Schutz und finden ihn traditionell bei Edelmetallen. Der Grönland-Konflikt heizt die Lage an Der wichtigste Auslöser für den Preissprung liegt in der Politik. Die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump , die dänische Arktis-Insel Grönland zu erwerben und weitere Zölle gegen europäische Verbündete zu verhängen , schüren die Sorge vor einer neuen Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und Europa. Solche Zollankündigungen wirken an den Finanzmärkten wie ein Stresstest: Unternehmen fürchten höhere Kosten, Investoren rechnen mit schwächerem Wachstum – und viele ziehen Geld aus riskanteren Anlagen ab. Grönland-Deal: Trump kündigt neue Zölle gegen Deutschland an Glanz, Macht und Triumph: Warum Gold seit Jahrtausenden begehrt ist Trump bezeichnete das Vorgehen als entscheidend für die nationale und weltweite Sicherheit. Er habe dazu ein "sehr gutes" Telefonat mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte geführt, schrieb Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social . Und weiter: "Es kann kein Zurück geben – darüber sind sich alle einig!" Genau diese Zuspitzung macht die Märkte nervös. Medienberichten zufolge warten Investoren nun vor allem darauf, wie Europa auf Trumps Drohungen reagiert. Denn je schärfer die politischen Töne werden und je geringer die Aussicht auf eine diplomatische Lösung ist, desto wahrscheinlicher trifft der Konflikt auch die Wirtschaft. "Sell America": Wenn Anleger den USA misstrauen Dass Gold und Silber so stark steigen, hängt laut Experten auch mit der Art zusammen, wie Anleger Trumps Politik einschätzen. "Trumps unberechenbarer Politikansatz in internationalen Angelegenheiten und sein Wunsch nach niedrigeren Zinsen kommen Edelmetallen sehr zugute", sagte Tim Waterer, Chef-Marktanalyst beim Handelshaus KCM Trade, laut Bloomberg. Experten erwarten Kursgewinne: Warum Gold 2026 gefragt bleibt Dax unter Druck: So reagieren Anleger richtig auf neue US-Zölle Parallel gewinnt ein Trend an Fahrt, den der US-Nachrichtensender Bloomberg Television als "Sell America"-Handel beschreibt. Damit meinen Marktbeobachter, dass Investoren sich von US-Anlagen trennen – also etwa US-Aktien, den Dollar oder US-Staatsanleihen verkaufen. Solche Bewegungen entstehen oft, wenn Anleger das politische Risiko in einem Land als zu hoch empfinden oder plötzliche Kurswechsel befürchten. Henry Cook, Europa-Volkswirt bei der Mitsubishi UFJ Financial Group , bringt das Grundproblem auf den Punkt: Selbst, wenn am Ende nicht alle Zölle kommen, bleibe die Unsicherheit. "Auch wenn es zu einer Deeskalation kommt, wird diese Episode viele dazu veranlassen, an der Glaubwürdigkeit eines jeden Abkommens mit Trump zu zweifeln“, so Cook. Grönland-Krise wirkt wie ein Turbo auf die Gold-Rally Die aktuellen Rekorde kommen nicht aus dem Nichts. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit vor einem Jahr hat der Goldpreis bereits um mehr als 70 Prozent zugelegt. Bloomberg zufolge hat die Grönland-Krise die ohnehin schon starke Bewegung nun zusätzlich beschleunigt. Ole Hansen, Stratege bei der Saxo Bank, beschreibt die Situation wie folgt: "Die Grönland-Episode hat dem seit Monaten wachsenden Goldpreis frischen Treibstoff gegeben", schrieb er laut Bloomberg in einer Mitteilung. Für Anleger bedeutet das: Die Märkte reagieren nicht nur auf das, was tatsächlich passiert – sondern auch auf das, was jederzeit passieren könnte. Mehrere Experten sehen hinter der Entwicklung einen größeren Trend. "Wir haben eine Ära des Ressourcennationalismus zwischen den Großmächten betreten", sagte Peter Kinsella, globaler Chefstratege für Devisen bei Union Bancaire Privee SA, in einem Interview mit Bloomberg Television. Mit "Ressourcennationalismus” ist gemeint, dass Staaten versuchen, wichtige Rohstoffe und strategische Gebiete stärker zu kontrollieren – notfalls auch gegen Widerstand. Für die Finanzmärkte stellt dies ein Risiko dar, da solche Konflikte Handelswege, Lieferketten und politische Bündnisse destabilisieren können. Eine Flucht in Währungen wie den Dollar sei nicht unbedingt der beste Weg, um dieses geopolitische Thema zu adressieren – Gold bleibe dagegen eine starke Wette, so Kinsella weiter. Anleger besorgt: Fed unter Druck Neben Handelspolitik und Geopolitik spielt noch ein weiterer Faktor eine Rolle: die Sorge um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Laut Bloomberg beobachten Investoren sehr genau, was der US Supreme Court in dieser Woche diskutiert: Es geht um Trumps Versuch, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen. Das könnte entscheidend dafür sein, wie unabhängig die Notenbank künftig bleibt. Für die Märkte ist das ein sensibles Thema. Denn die Fed steuert mit ihren Entscheidungen über Zinsen und Geldpolitik einen zentralen Teil der Weltwirtschaft. Wenn Anleger den Eindruck gewinnen, politische Interessen könnten die Notenbank beeinflussen, steigt oft die Nachfrage nach Gold. Viele sehen das Edelmetall dann als eine Art Versicherung gegen Vertrauensverlust im Finanzsystem. Wie geht es weiter mit dem Goldpreis? Ob Gold in den kommenden Wochen weiter steigt, hängt vor allem davon ab, ob sich die Lage beruhigt – oder weiter zuspitzt. Eine Lösung im Grönland-Konflikt könnte den Druck kurzfristig verringern. Doch selbst dann bleibt ein Risiko bestehen, das Henry Cook bereits angesprochen hat: Zweifel an der Verlässlichkeit künftiger Abkommen.

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