Bundesliga: Albert Riera soll bei Eintracht Frankfurt übernehmen
Eintracht Frankfurt sucht einen Nachfolger für den freigestellten Dino Toppmöller. Ein kaum bekannter Spanier soll nun den Posten als Cheftrainer antreten. "Albert, wer?" und "War das nicht der von Liverpool?": So oder so ähnlich wird es dem einen oder anderen Fan von Eintracht Frankfurt gegangen sein, als vor einigen Tagen die ersten Gerüchte rund um Albert Riera aufkamen. Der 43-Jährige wird in der Main-Metropole die Nachfolge von Dino Toppmöller antreten. Doch seine Vita liest sich nicht wie die eines europäischen Top-Trainers. Salopp gesagt, kommt Riera ein wenig aus dem Nichts. Als Spieler war der auf Mallorca geborene Linksfuß ein richtiger Wandervogel. Aus der Jugend von RCD Mallorca stammend, ging er früh in seiner Karriere nach Frankreich und später nach England, wo er unter anderem für den FC Liverpool aktiv war. Aus der Zeit bei den "Reds" zwischen 2008 und 2010, als er auch spanischer Nationalspieler war, mag Riera wohl auch noch so manchem Fußballfan ein Begriff sein. Seine Karriere ließ er interessanterweise nach Stopps in Griechenland, Türkei und Italien nicht auf Mallorca, sondern in Slowenien ausklingen. Von genau dort kommt nun Riera auch nach Frankfurt. Denn er war zuletzt zum zweiten Mal Cheftrainer von NK Celje. Der Klub führt gerade die erste slowenische Liga mit zwölf Punkten Vorsprung an. Riera hatte erst kürzlich seinen Vertrag bis 2028 verlängert, wie aus einem Beitrag auf der Onlineplattform X hervorgeht. Nun macht er offenbar den Abflug. Er war bereits zu Beginn der Saison 2023/24 für 17 Spiele bei Celje verantwortlich, nur um den Klub in Richtung Frankreich zu verlassen. Öffentliche Äußerungen als psychologische Kriegsführung In seiner Zeit bei Girondins Bordeaux , das damals in der Ligue 2 unterwegs war, kam es zu fragwürdigen Schlagzeilen. Vor allem behauptete Riera in aller Regelmäßigkeit, dass sein Team dem Gegner überlegen war, obwohl Bordeaux die Saison auf Rang 13 beendete. "Manchmal kann man glauben, dass man besser war und es einfach nicht geklappt hat. Aber bei ihm ist es ein wiederkehrendes Phänomen", sagte etwa Bastia-Trainer Régis Brouard der französischen "L'Équipe". "Was glaubt er denn? Dass wir sein Positionsspiel nicht sehen? Wenn man sich die Tore anschaut, die sie kassieren, gibt es da einige Gemeinsamkeiten." Generell wurde Riera in Frankreich Arroganz unterstellt, er habe sich angeblich um jeden Preis beweisen wollen. Er hatte seine Trainerscheine zusammen mit Fußballgrößen wie Xavi und Ex-Leverkusen-Coach Xabi Alonso erworben. Aber natürlich konnte er bislang weniger als diese auf seinen Namen bauen. Rieras Kontakte reichten zu Beginn der Trainerkarriere zu seinen Ex-Klubs, darunter Galatasaray und eben Bordeaux sowie nach Slowenien. In der kleinen Prva Liga hat Riera jedoch einen starken Eindruck hinterlassen. Das bezeugen auch vormalige Gegner. "Er bringt sehr offen seine Meinung zum Ausdruck", erinnert sich etwa Albin Sheqiri, der zuletzt Co-Trainer von NK Maribor war. Doch Rieras Tendenz, öffentliche Kritik an Verbandsoffiziellen, Schiedsrichtern oder anderen Teams zu äußern, sieht Sheqiri eher als psychologische Kriegsführung im Stile eines José Mourinho . "Aber er geht sehr respektvoll mit seinem eigenen Team und Trainerstab um, wie ich gehört habe", sagte er. Ballbesitz und Systemumformungen Und dann wäre da noch der Taktiker Riera, der dezidiert auf Positionsspiel und Ballbesitz baut, um Spiele auf diese Weise zu dominieren. Defensiv setzte er in Celje auf ein 4-3-3, aber offensiv auf ein 3-2-2-3. Meist rückte der Linksverteidiger bei Ballbesitz ins Mittelfeld. Diese Umformung hatte aus Sheqiris Sicht einen bestimmten Grund: "Er wollte gegnerische Umschaltangriffe kontrollieren und nutzte deshalb einen der Spieler aus der Viererkette, um eine Doppelsechs zu formen." Mehr Präsenz im Zentrum vor der Abwehrlinie sollte leichte Durchbrüche des Gegners unterbinden. Und im Angriff hatte Riera zuletzt bei Celje auch einen bestimmten Plan. "Er nutzte gerne ein 3-2-2-3, in welchem die Flügelangreifer sehr hoch und breit standen und ständig die ballferne Seite hinter der gegnerischen Verteidigungslinie attackierten", erklärt Sheqiri. "Sie griffen extrem stark über die Mitte über die 3-2-2-Staffelung an, wobei die Zehner auch mal nach außen rückten, wenn das Zentrum zugestellt war, um dann Überzahl auf den Außen zu schaffen." Ganz anderer Typ als Toppmöller Frankfurt verfügt über Außenstürmer wie Jean-Mattéo Bahoya, die gerne hoch aufrücken und die Abseitslinie attackieren. Und auf der Zehn, genauer gesagt den offensiven Halbpositionen, sind Mario Götze , Can Uzun oder auch Ansgar Knauff flexibel einsetzbar, womit Riera sie über die Mitte oder eben die Halbräume angreifen lassen kann. Generell besitzt Frankfurt viele interessante Spielertypen für ein Ballbesitzsystem, welche zugleich dazu imstande sein sollten, schnelles Gegenpressing auszulösen. Nur leider konnte Dino Toppmöller dieses Potenzial nie gänzlich ausschöpfen und konzentrierte sich eher auf die Stärke im offensiven Umschaltspiel. Das Pressing sowie generell die Arbeit gegen den Ball blieben stets unter den Möglichkeiten. Die Gegentor-Flut in dieser Saison kostete Toppmöller einige Punkte und schließlich den Job. Nun kommt ein gänzlich anderer Trainer zur Eintracht. Und das nicht nur aus taktischer Sicht. Riera ist wohl um einiges konfrontativer und extrovertierter als der eher sachliche Toppmöller. Und vielleicht ist Riera auch ein wenig verrückt. Darauf deuten mehrere kleine Episoden aus seiner Spieler- und Trainerkarriere hin. Zum Ende seiner aktiven Zeit war er übrigens sogar mal in Sibirien gestrandet – seine Frau stammt aus Russland – und er wollte dort noch mal weitermachen. Aber dann ging es doch über einen Co-Trainerposten bei Galatasaray und die Trainerausbildung nach Slowenien. Riera mag hierzulande noch nicht jedem bekannt sein, aber er hat schon in einigen Teilen der Erde seine Spuren hinterlassen.