Zugbegleiter stirbt bei Kotrolle: Reaktionen auf Gewalt im Regionalzug
Der bei einer Ticketkontrolle von einem Passagier angegriffene Zugbegleiter Serkan C. ist seinen Verletzungen erlegen. Politiker fordern nun eine harte Bestrafung des Täters. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz mehren sich in der Politik erste Rufe nach Konsequenzen. "Ich erwarte, dass der Täter mit der vollen Härte des Gesetzes für seine brutale Tat bestraft wird", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). "Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn muss deutlich verschärft werden. Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden." Auch Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erklärte, er sei entsetzt und fassungslos über den Tod des Zugbegleiters. Sein Mitgefühl gelte den Angehörigen sowie den Kollegen. "Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt", sagte Schnieder. "Wir müssen gemeinsam mehr tun für den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Züge und Bahnhöfe müssten sicher sein: "Das ist nicht nur ein schwarzer Tag für die gesamte Eisenbahnfamilie, sondern für uns alle. Alle staatlichen Ebenen sind jetzt gefragt, der steigenden Gewaltbereitschaft Einhalt zu gebieten." Der 36-jährige Serkan C. war am Montag in einem Regionalzug bei Kaiserslautern von einem Mann durch Faustschläge gegen den Kopf schwer verletzt worden. Es kam zu dem Angriff, nachdem Serkan C. den Mann ohne Fahrschein des Zuges verweisen wollte, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Am Mittwoch teilte die Bahn-Chefin Evelyn Palla mit, dass der Zugbegleiter seinen Verletzungen erlegen und gestorben sei. Bei dem Angreifer handelt es sich den Ermittlern zufolge um einen 26-jährigen Griechen ohne Meldeadresse in Deutschland. Auch außerhalb der Regierung sorgt der Vorfall für Entsetzen. FDP-Chef Christian Dürr forderte im Gespräch mit t-online Maßnahmen, die zu mehr Polizeipräsenz im öffentlichen Raum führen. "Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Verkehr verdient null Toleranz", sagte Dürr. Die Tat reihe sich ein "in zunehmend aggressive Gewalttaten gegenüber Sicherheitspersonal". "Das zeigt, dass das abnehmende Sicherheitsgefühl der Menschen im öffentlichen Raum nicht unbegründet ist", so Dürr weiter. "Unser Rechtsstaat muss eine starke Antwort auf solche schlimmen Taten liefern." Dazu müssten Vorkehrungen getroffen werden, um den öffentlichen Raum sicherer zu machen und das Personal wirksam zu schützen. "Die erste Schutzlinie unseres Rechtsstaates ist eine gut ausgestattete Polizei", sagte Dürr. "Durch mehr Digitalisierung vor allem bei Routineaufgaben in der Verwaltung sorgen wir dafür, dass die Kräfte mehr Zeit für die Präsenz auf der Straße haben und somit zu mehr Sicherheit beitragen." Attacke in Zug: 36-Jähriger muss reanimiert werden Wetterchaos im Newsblog: Winter legt Bahn lahm – Todesopfer im Schnee Der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer und seine saarländische Kollegin Anke Rehlinger (beide SPD) veröffentlichten ein gemeinsames Statement. "Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück." Weiter hieß es: "Unser Dank gilt auch allen Fahrgästen, die geholfen haben, den Zugbegleiter zu retten, und erste Hilfe leisteten". "Der Opferschutzbeauftragte von Rheinland‑Pfalz wird der Familie Unterstützung anbieten", so Schweitzer. Der getötete Serkan C. lebte in Ludwigshafen am Rhein. "Wir bei der Bahn trauern" Zuvor hatte Bahn-Chefin Palla auf der Network-Plattform LinkedIn zu dem Vorfall geschrieben: "Wir alle bei der Deutschen Bahn verurteilen diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen aufs Schärfste. Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt. Wir, die Politik, die Gesellschaft, müssen Antworten geben. Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land. Wir bei der Bahn trauern." Auch der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Martin Burkert äußerte seine Erschütterung: "Wir akzeptieren es nicht länger, dass man sich als Zugbegleiter in Lebensgefahr begibt, sobald man seine Schicht antritt". Am Mittwochnachmittag um 15 Uhr ruft die EVG die Mitarbeitenden und Mitreisenden zu einer Schweigeminute für den getöteten Zugbegleiter auf. Caritas kritisiert Gesetzentwurf der Bundesregierung Die Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa kommentierte derweil die allgemeine Gefahr für Bahnmitarbeitende: "Wer im Dienst für die Gemeinschaft Verantwortung für andere übernimmt und sich für das Gemeinwesen engagiert, verdient Schutz, unabhängig von Berufsbezeichnung, Ausbildungsabschluss oder Status." Dabei kritisiert der Caritasverband die von der Bundesregierung geplante Reform des Strafrechts, die Angriffe auf einzelne Berufsgruppen schärfer sanktionieren soll. Dies greife zu kurz, weil es nur besonderen strafrechtlichen Schutz für einzelne klar definierte Berufsgruppen verschärfe. "Gewalt gegen Helfende ist nicht hinnehmbar, unabhängig davon, ob diese haupt- oder ehrenamtlich tätig sind. Für ihren Schutz braucht es keine selektiven Strafverschärfungen, aber ein entschlossenes präventives Handeln, das den objektiven Schutz verbessert", so Welskop-Deffaa.