Olympia 2026: Johan-Olav Botn holt Gold – ein emotionaler Triumph
Der Norweger Johan-Olav Botn holt Olympia-Gold im Einzel. Dabei zeigt der Zieleinlauf, wie viel ihm der Triumph bedeutet. Aus Antholz berichtet Benjamin Zurmühl Johan-Olav Botn musste kämpfen. 11,7 Sekunden Vorsprung hatte er nach dem vierten Schießen im Biathlon-Einzel bei den Olympischen Spielen auf Eric Perrot aus Frankreich. Also gab Botn noch einmal alles. Keinen einzigen Fehler hatte er sich am Schießstand geleistet. Mit einer starken Schlussrunde konnte er Gold gewinnen, das wusste der Norweger. Und Botn lieferte ab, baute seinen Vorsprung auf den Überflieger Perrot sogar aus. 14,8 Sekunden war er am Ende vor ihm. Auf den letzten Metern, als die Goldmedaille bereits feststand, hob Botn seinen rechten Arm, zeigte mit dem Finger gen Himmel und richtete seinen Blick nach oben. "Sivert, wir haben es geschafft", rief er – und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Seine Tränen galten Sivert Bakken, seinem Freund und Teamkollegen, den er kurz vor Weihnachten tot in seinem Hotelzimmer im Trainingslager in Italien gefunden hatte. Bis heute ist noch nicht offiziell bekannt, woran Bakken starb. Bekannt ist nur, dass er bei seinem Tod eine Höhentrainingsmaske trug. Spätestens im März wollen die italienischen Behörden ihre Untersuchungen abgeschlossen haben. "Ein großer Traum, hier Olympiasieger zu werden" Für Botn war Bakken am Montag in Antholz trotz seines Todes dabei. "Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn auf der Schlussrunde bei mir hatte. Ich hoffe, er hat zugeschaut", sagte Botn im ZDF . Er habe die ganze Zeit an seinen verstorbenen Freund gedacht, betonte der Goldmedaillengewinner. "Wir haben im letzten Jahr fast jeden Tag zusammen trainiert, für uns beide war es ein großer Traum, hier Olympiasieger zu werden." Landsmann Sturla Holm Laegreid, der am Ende Bronze gewann, brach wenig später im Ziel ebenfalls in Tränen aus. Eine große Umarmung bekam Botn auch vom Italiener Tommaso Giacomel, der nach der Silbermedaille in der Mixed-Staffel im Einzel lediglich Sechster wurde. Giacomel war ebenfalls mit Bakken befreundet. Er hatte im Januar in Oberhof unter Tränen angekündigt, für den toten Norweger Olympiasieger werden zu wollen. Nun gelang also Botn der emotionale Triumph. Wie viele Gefühle dieser Erfolg in ihm auslöste, war auch einige Minuten später bei der Siegerehrung zu sehen. Als die norwegische Nationalhymne in der Biathlon-Arena in Antholz ertönte, kämpfte er noch einmal mit den Tränen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es dem 26-Jährigen, bei diesen Spielen noch eine zweite Goldmedaille zu gewinnen. Eine für ihn, eine für Sivert Bakken.