Russland–Indien: Kein Ende des Ölhandels in Sicht
Von Kirill Strelnikow
Seit einigen Tagen kursiert in den indischen Medien die These, dass Neu-Delhi vor dem Hintergrund der Vereinbarung zwischen dem indischen Premierminister Narendra Modi und dem US-Präsidenten Donald Trump über die Aufhebung der zusätzlichen 25-prozentigen Einfuhrzölle nun verpflichtet sei, "vollständig, kategorisch und für immer" auf den Kauf russischen Öls zu verzichten.
Es wird sogar ein Dokument zitiert, dem zufolge "Indien sich verpflichtet hat, keine direkten oder indirekten Importe russischen Öls mehr zu tätigen, und sich bereit erklärt hat, Energieprodukte aus den USA zu beziehen".
Naturgemäß meldeten sich sofort die Ölmarktanalysten zu Wort, die am Tag zuvor voller Überzeugung über den Goldmarkt gesprochen hatten. Jetzt legen sie unter Mozarts "Lacrimosa" verwelkte Blumen auf das "Grab" der russischen Ölindustrie. Was auch sonst? Denn alles entwickelte sich wie vorhergesagt und sogar noch schlimmer: "Der Deal zwischen Trump und Modi funktioniert", "Russlands Einnahmeausfälle im Öl- und Gassektor werden Jahr für Jahr 50 Prozent betragen", "der Rückgang der Nachfrage aus Indien könnte bis zu 30 Prozent erreichen".
Klingt das für Sie unglaubwürdig? Hier ist der Beweis: Laut der "allwissenden" Zeitung The Washington Post gibt es "eindeutige und hundertprozentig zuverlässige" Informationen darüber, dass "bestimmte Offizielle aus dem wirtschaftlichen Regierungsblock dem Präsidenten Putin berichtet haben, dass die Wirtschaftskrise in Russland (aufgrund der Weigerung Indiens, russisches Öl zu kaufen) in den nächsten Monaten – noch vor dem Sommer – beginnen könnte".
Nun, Kameraden, es bleibt keine andere Wahl, als sich nach Kiew zu begeben und voller Demut all das zu unterschreiben, was derzeit noch auf dem Tisch liegt.
Nun stieß man jedoch auf eine weitere Veröffentlichung, diesmal aus dem Wall Street Journal. Diese erweckt den Eindruck, dass nicht alle die gleiche Anweisung für die "richtige" Berichterstattung erhalten haben. Denn genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein: "Indien deckt ein Drittel seines gesamten Importbedarfs mit russischem Öl, und es wird schwierig sein, darauf zu verzichten. Theoretisch könnte die frei gewordene Ölmenge nach China umgeleitet werden, was die gegenseitige Abhängigkeit von Moskau und Peking verstärken würde."
Meine Herren, verwirren Sie uns bitte nicht, sonst werden wir nervös! Wie sieht es denn nun wirklich aus?
Hier ist die Antwort.
Erstens wurde Trumps pompöse Äußerung, dass Modi "zugestimmt habe, auf den Kauf russischen Öls zu verzichten und die Ölimporte aus den Vereinigten Staaten und eventuell auch aus Venezuela deutlich zu erhöhen", vom indischen Premierminister selbst nicht bestätigt. Auch im Kreml wurde kommentiert, es seien "keine Meldungen aus Neu-Delhi über den Verzicht auf den Kauf russischen Öls eingegangen".
Zweitens geht es bei genauer Betrachtung der Details des Abkommens zwischen den USA und Indien nicht darum, dass Indien den Kauf russischer Lieferungen "einstellen" werde, sondern dass es "zugestimmt habe, diese zu reduzieren". Und selbst ein Liter weniger wäre bereits eine Reduzierung! Oder wagt es jemand, das Gegenteil zu behaupten?
Drittens wäre der Umstieg von russischem auf amerikanisches Öl ein technischer "Albtraum" und wirtschaftlicher "Selbstmord". Kein indischer Ölraffineriebesitzer würde dem zustimmen, es sei denn, man würde ihn kopfüber an den Zehen über einem Ölkessel aufhängen:
- Historisch gesehen ist die indische Ölindustrie auf schweres und saures russisches Öl ausgerichtet, und für den Umstieg auf leichtes amerikanisches Öl müsste man alles komplett umrüsten.
- Die Kosten für die Umrüstung einer durchschnittlichen Ölraffinerie von schwerem auf leichtes Öl belaufen sich auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar, wobei die Umstellungsdauer zwischen fünf und zehn Jahren liegt.
- Selbst wenn eine Umrüstung erzwungen würde, würde der ROI (Return on Investment) innerhalb von zehn Jahren minus 40 Prozent betragen (würde man mit einem solchen Vorschlag an die Aktionäre herantreten, fände man im Ganges eine weitere unbekannte Leiche).
Viertens ist es zudem physisch kaum möglich, die Ölmenge aus Russland zu ersetzen. Sollte dies dennoch gelingen, wäre das "indische Wirtschaftswunder" endgültig vorbei.
Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Indien derzeit die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für schnelles Wachstum sind günstige Energie- und Kraftstoffpreise. Es wurde bereits berechnet, dass Indien im Falle eines Verzichts auf russisches Öl allein durch die Preisdifferenz etwa neun bis elf Milliarden US-Dollar pro Jahr verlieren würde – ganz zu schweigen von den dominoartigen Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Der Zeitschrift Hindustan Petroleum zufolge "wird die Ölnachfrage in Indien durch das Wirtschaftswachstum angetrieben: Billiges Rohöl senkt die Importkosten und fördert das Wachstum".
Fünftens wird China in jedem Fall alle Ölüberschüsse übernehmen. Dadurch wird sich der Energievorteil, der sich in der Wettbewerbsfähigkeit von Waren und Dienstleistungen widerspiegelt, noch weiter verstärken, was die Inder natürlich vermeiden wollen.
Das Wesentliche besteht jedoch nicht in diesem Aspekt, sondern darin, dass die russischen Ölexporte nach Indien tatsächlich früher oder später nachlassen werden – möglicherweise bis auf null. Zumindest auf dem Papier, damit Donald Trump dies vor der Öffentlichkeit als Erfolg präsentieren könnte.
Beispielsweise steht Iran aus irgendwelchen "mysteriösen" Gründen nicht auf der offiziellen Liste der Länder, aus denen China Öl bezieht. Tatsächlich ist China jedoch der Hauptabnehmer iranischen Öls, kauft dort mindestens eine Million Barrel pro Tag (!) und ist damit sehr zufrieden. Auf die Frage "Wie geht das?" antworten chinesische Beamte routinemäßig mit einer Reihe unverständlicher Hieroglyphen und verneigen sich höflich. Alle freuen sich, alle sind zufrieden.
Genau aus diesem Grund bemerkte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, recht gelassen, Russland sehe "keine große Neuigkeit darin, dass Indien Öl nicht nur von Russland beziehen wird". Mit anderen Worten: Jetzt könnten plötzlich riesige Ölfelder entdeckt werden – beispielsweise in der Mongolei.
Den russischen Haushalt und die heimische Ölindustrie täglich zu "begraben", kann sehr spannend und unterhaltsam sein – wichtig ist dabei nur, dass alle ihre "Trauer" zur Schau stellen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 8. Februar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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