FC Bayern: Hoeneß spricht über Zeit in Haft – "Tränen in den Augen"
Der langjährige Macher des deutschen Rekordmeisters spricht zehn Jahre nach seiner Haftentlassung über die Zeit im Gefängnis – und erinnert sich an einen bedrückenden Moment. Zehn Jahre nach seiner Haftentlassung hat Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß seine Zeit im Gefängnis als "wichtigen Teil" seines Lebens bezeichnet. Der heute 74-Jährige verbüßte eine Strafe wegen Steuerhinterziehung und wurde am 29. Februar 2016 kurz nach Mitternacht aus der JVA entlassen. "Ich habe in der damaligen – vor allem für meine Familie sehr schwierigen Zeit – einiges für mein Leben mitnehmen können und danach auch einiges anders gesehen", sagte Hoeneß der "Bild"-Zeitung. Besonders Demut und soziale Verantwortung seien ihm durch die Erfahrung wichtiger geworden: "Das war mir immer wichtig, aber es wurde noch verstärkt." Die letzte Nacht im Gefängnis bleibt dem FC-Bayern-Ehrenpräsidenten in besonderer Erinnerung. Die Leitung der Haftanstalt entließ ihn überraschend kurz nach Mitternacht. "Alle Journalisten haben gedacht, dass ich an dem 29. Februar gegen Mittag aus der JVA aus dem Tor marschiere. Keiner hatte damit gerechnet, dass mich die Gefängnis-Leitung schon um kurz nach 0 Uhr entlassen würde. Meine Frau und mein Sohn haben mich abgeholt." "Hatte bei vielen Briefen Tränen in den Augen" Zu Hause am Tegernsee angekommen, hätten dort viele Freunde gewartet, "sogar eine Blaskapelle hat vier, fünf Lieder gespielt. Wir haben dann bis morgens um 5 Uhr Schafkopf gespielt. Unvergesslich." Während seiner Haftzeit machte Hoeneß allerdings auch bedrückende Erfahrungen. "Wenn man morgens aufwacht und ein Mörder sitzt vor deinem Bett und erzählt dir seine Lebensgeschichte, weiß man nicht, ob man das unbedingt erleben will", schilderte er. Zu ehemaligen Mithäftlingen hält er heute keinen Kontakt mehr. Die rund 5.500 Briefe, die ihn während der Haftzeit erreichten und teilweise tief bewegten, bewahre der frühere Erfolgs-Manager in einer großen Kiste auf und schaue gelegentlich hinein. "Ich hatte bei vielen Briefen Tränen in den Augen, während ich sie auf meinem Bett gelesen habe", erinnerte sich Hoeneß. Dabei gab es Post auch von namhaften Persönlichkeiten. "Mir haben damals viele Wegbegleiter geschrieben wie auch Sir Alex Ferguson von Manchester United . Doch was mich richtig überrascht hat: 98 Prozent der Absender kannte ich nicht. Das war der Wahnsinn."