Olympia: Vater von Eisschnellläufer küsst Volunteer und zerstört Brille
Über 1500 Meter läuft der Niederländer Joep Wennemars olympischen Rekord. Auf der Tribüne ist sein Vater nicht mehr zu halten. Doch die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten. Der Vater des niederländischen Eisschnellläufers Joep Wennemars hat für einen denkwürdigen Olympia-Moment bei den Spielen in Mailand gesorgt. Beim 1.500 Meter-Lauf am Donnerstag schaute Erben Wennemars von der Tribüne aus zu. Mehr noch: Er fieberte so sehr mit, dass es ihn nicht mehr auf seinem Sitz hielt. Und dazu hatte er allen Grund. Denn Sohnemann Joep lief ein fabelhaftes Rennen. Als dieser die Ziellinie überquerte, schaute Wennemars Senior gebannt auf die Anzeigetafel. Und dort erschien: Olympischer Rekord mit einer Zeit von 1:43,05 Minuten. Die Freude bei Erben Wennemars kannte nun keine Grenzen mehr. Eisschnelllauf: Brille geht nach Kuss auf die Wange zu Bruch Er ballte beide Fäuste, stieß Jubelschreie aus, hämmerte an die Verkleidung eines Reporter-Tisches und lief die Treppe der Tribüne hoch. Ganz oben angekommen, schnappte er sich einen dort sitzenden Volunteer, fasste dessen Kopf mit beiden Hände und küsste ihn auf die Wange. Im Eifer des Gefechts tat er dies aber so ungeschickt, dass der Bügel der Brille des Olympia-Helfers zerbrach. Das fand dieser gar nicht zum Lachen. Nun wusste Wennemars, der bei Olympia 2006 in Turin zweimal Bronze im Eisschnelllauf gewann, erst recht nicht mehr wohin mit seinen Emotionen. Er tigerte weiter auf und ab, wechselte zwischen Jubel über den Lauf seines Sohnes und Entschuldigungen beim Volunteer für seine Fauxpas. Die Ernüchterung folgte jedoch auf dem Fuße: Wennemars Junior knackte zwar den Olympischen Rekord, doch das taten nach ihm gleich noch drei weitere Athleten. So reichte sein Rekordlauf nicht einmal für eine Medaille. Gold in diesem hochklassigen Rennen sicherte sich Ning Zhongyan aus China mit dem dann gültigem Olympischen Rekord von 1:41,98 Minuten. Silber ging an US-Sprint-Star Jordan Stolz (1:42,75), der nach Gold über 500 Meter und 1000 Meter seine dritte Medaille in Mailand gewann. Das Podest komplettierte Wennemars Landsmann Kjeld Nuis (1:42,82), 2018 und 2022 Olympiasieger über 1500 Meter. Für Wennemars blieb als Vierter nur "Blech". Ob Wennemars Senior danach noch weitere Gegenstände zu Bruch gehen ließ – dieses Mal aus Frust – ist nicht überliefert.