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BW-Wahl 2026: Özdemir verteidigt CDU-Mann Hagel nach Sexismus-Vorwurf

Im Wahlkampfendspurt löst ein Video aus 2018 Wirbel aus: CDU-Mann Hagel spricht darin über eine Schülerin – und bekommt scharfe Kritik von den Grünen. Deren Spitzenkandidat hat sich nun live im TV geäußert. Keine zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat ein Video mit einer Aussage über eine Schülerin CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel in die Kritik gebracht und zu Sexismusvorwürfen geführt. Der Politiker wies beim SWR-Triell am Dienstagabend darauf hin, dass der Clip acht Jahre alt sei und er heute so nicht mehr reden würde. Sein Kontrahent von den Grünen, Cem Özdemir , nahm Hagel am Abend in der Live-Sendung gegen Kritik in Schutz. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe hatte auf X ein Video gepostet, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagel zu sehen ist. Das Gespräch war im Frühjahr 2018 auf YouTube veröffentlicht worden. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet. Landtagswahl in Baden-Württemberg : Wer wird die neue First Lady? Landtagswahl Baden-Württemberg: Diese Spitzenkandidaten gehen an den Start Äußerung über Aussehen Der Clip zeigt Hagel bei einem Interview in einer Ulmer Gaststätte für die Regio-TV-Sendung "Auf ein Bier mit". Er war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU . Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. "Also da gibt's für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen", sagt Hagel. Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: "Ich werd's nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen." Die Grünen-Politikerin Mayer postete den Clip und kritisierte: "Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?" Mayer fragt auch, warum es um das Aussehen eines minderjährigen Mädchens gehen müsse, wenn doch ihre Frage im Mittelpunkt stehe, und was das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen sende, die sich in der Politik engagieren wollten. Eigentlich wollte Hagel in dem Interview mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und die Menschen erreichen muss. "Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist", sagte Hagel daraufhin mehreren Medien. "Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt zwölf Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät." AfD-Kandidat wirft das Thema in TV-Debatte auf In der Live-Sendung "Die Debatte - wer überzeugt Baden-Württemberg?" wurde das Thema nochmals aufgegriffen. Als gegen Ende die drei Spitzenkandidaten eine Frage an einen Konkurrenten ihrer Wahl stellen konnten, wollte AfD-Mann Markus Frohnmaier von Özdemir wissen, ob er sich vor diesem Hintergrund weiter eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen könne. Er selbst empfinde die Kommentare von Hagel in dem Clip als "irritierend" und "abnormal", so Frohnmaier. Der Grünen-Spitzenkandidat antwortete: "Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren. Im Übrigen sind wir uns, glaube ich, einig, dass man Frauen so beurteilen sollte, wie man Männer beurteilt: nach ihrer Leistung, nach nichts anderem. So wollen wir Männer auch beurteilt werden." Dann räumte er noch Hagel die Chance ein, sich selbst zu äußern. Der wiederholte dabei im Grunde seine vorherige Äußerung und schilderte die damalige Situation. Die Schülerin habe kritisiert, Politiker sagten immer das Gleiche. Er habe darüber am Ende der Veranstaltung noch mit ihr gesprochen. Özdemir sagte, die Parteien sollten im Wahlkampf anständig und fair miteinander umgehen. Auf die Bemerkung Frohnmaiers, seine Partei habe den Clip veröffentlicht, entgegnete der Grünen-Politiker: "Meine Partei hat nichts veröffentlicht, sondern eine Abgeordnete hat etwas veröffentlicht, was im Netz frei zugänglich ist." Hagel habe gesagt, dass er das so heute nicht mehr sagen würde. "Und das gilt für mich." Weitere Schwerpunkte der TV-Debatte: Wirtschaft und Migration Ein Schwerpunkt der Fernsehdebatte war auch die Wirtschaftspolitik. Hagel kündigte hier an, zehn "Sonderwirtschaftszonen" schaffen zu wollen, in denen eine von ihm geführte Landesregierung Innovationen besonders fördern werde. Özdemir sagte, unter einer von ihm geführten Landesregierung würde besonders stark Forschung ermöglicht und Bürokratie abgebaut. Baden-Württemberg sei immer noch das "Gehirn der Welt", aber nicht mehr immer das Geschäftsfeld. Hier müssten die Bedingungen verbessert werden. Frohnmaier warf den Vertretern von Grünen und CDU dagegen vor, dass diese in den vergangenen Jahren schon Regierungsverantwortung hatten und die von ihnen beschriebenen Probleme jederzeit hätten angehen können. Der AfD-Spitzenkandidat forderte, die Strompreise zugunsten der Wirtschaft drastisch zu senken – dafür forderte Frohnmaier den Neubau von Atomkraftwerken. Ein weiterer Schwerpunkt in der Diskussion der Spitzenkandidaten der drei in den Umfragen stärksten Parteien war die Migrationspolitik. Özdemir und Hagel forderten hier insbesondere, straffällige Migranten abzuschieben. Frohnmaier sagte, nach Auffassung der AfD müsse jeder das Land verlassen, der sich illegal in Deutschland aufhalte. Die Wahl ist am 8. März. In den Umfragen hat die CDU einen Vorsprung vor den Grünen, die seit 15 Jahren mit Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten stellen. Kretschmann tritt aus Altersgründen nicht mehr an. Die CDU mit Hagel ist der Juniorpartner in der Koalition. Wahl in Baden-Württemberg ist am 8. März Den Umfragen zufolge werden auch nach der Landtagswahl weiter Grüne und CDU Baden-Württemberg regieren, allerdings dann mit der CDU als stärkere Kraft. Özdemir zeigte in der Fernsehdebatte eine deutliche Präferenz für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der CDU. Hagel dagegen versuchte, sich etwas von den Grünen zu distanzieren. Im Wahlkampf erklärte Hagel eine Präferenz für eine Zusammenarbeit mit SPD und FDP – diese Koalition hätte nach den jüngsten Umfragen aber keine Mehrheit.

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