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Trump-Rede zur Lage der Nation: Ein Land im Aufschwung?

Es war die längste Rede eines amtierenden Präsidenten zur Lage der Nation – und vielleicht die politisch aufgeladenste. Obwohl er innenpolitisch unter Druck steht, schwelgte Donald Trump in Superlativen über sich und seine Politik. Bastian Brauns berichtet aus Washington Kein Nicken, kein Stirnrunzeln, kein Applaus. Die Hände stets gefaltet vor sich auf den Knien. Für 1 Stunde und 47 Minuten saßen die vier Richterinnen und Richter des amerikanischen Supreme Court, des höchsten US-Gerichts, in ihren schwarzen Roben regungslos in der ersten Reihe. Direkt vor Donald Trump , der leicht erhöht, über ihnen am Rednerpult im Repräsentantenhaus stand. Die Gesichter der Richter blieben steinern neutral während der längsten State-of-the-Union-Rede, die je ein amtierender Präsident gehalten hat. Wenn dieser Abend ein Stresstest für institutionelle Selbstbeherrschung der US-Justiz war, dann haben sie ihn bestanden. Dabei hatte Donald Trump insbesondere die von ihm einst ernannte Richterin Amy Coney Barrett bei einem Auftritt zuletzt wüst beschimpft. Sie sei eine Schande für ihre eigene Familie, hetzte Trump. Der Grund: Gemeinsam mit fünf anderen Richtern hatte sie gegen die verfassungswidrige Notstands-Zoll-Gesetzgebung des Präsidenten geurteilt. Trumps Zorn war grenzenlos. Die obersten Richter der Nation hatten ihm damit die bisher empfindlichste Niederlage seiner Amtszeit zugefügt. Und darum war an diesem 24. Februar 2026 die Spannung besonders groß, wie sich Trump wohl bei dieser Rede zur Lage der Nation schlagen würde. Amerikanische Präsidenten halten sie traditionell erstmals nach einem Jahr im Amt. Trump und die Republikaner müssen die Wählerinnen und Wähler wenige Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen im November überzeugen. Der kalkulierte Eklat Und so setzte Donald Trump den Ton, den man von ihm kennt: triumphierend, konfrontativ, gnadenlos, unnachgiebig und ohne jeden Anschein von Zweifeln. Von Niederlage war keine Rede. Im Gegenteil: "Unsere Nation ist zurück: größer, besser, reicher und stärker als je zuvor", rief Trump. Auf der republikanischen Seite brandete dazu frenetischer Applaus auf. Immer wieder "USA"-Rufe. Die Demokraten reagierten hingegen sichtbar ablehnend, teils mit Zwischenrufen, teils mit demonstrativem Sitzenbleiben. Gleich zu Beginn kam es zum ersten Eklat: Der demokratische Kongressabgeordnete Al Green hielt ein Schild hoch, auf dem zu lesen war: "Schwarze Menschen sind keine Affen". Schnell wurde er aus dem Saal geführt . Green bezog sich auf ein rassistisches Video, das Trump vor Kurzem auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social verbreitet hatte. Darin wurden der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle als Affen dargestellt. Im Interview mit t-online sagte Green anschließend: "Man darf ihm das nicht durchgehen lassen". Der Präsident sei ein Rassist und solche Entgleisungen seien ein typisches Muster dieser Regierung. Aktionen wie die von Al Green oder der großangelegte Boykott der Rede durch viele andere Demokraten sind der Versuch, der teils grenzenlos erscheinenden Macht von Donald Trump etwas entgegenzusetzen. Immerhin zogen sie eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich. Doch der Präsident dominierte auch an diesem Abend wie immer die Schlagzeilen mit seiner Deutung zur Lage der Nation. Gegenveranstaltungen zu "State of the Union": Sie wollten Trump die Show stehlen Trumps Dramaturgie mit den Opfern von Migranten Trump versteht die Dramaturgie solcher Abende. Immer wieder unterbrach er im Kapitol seine Rede, um geladene Gäste auf der Tribüne zu würdigen, oder sie in seine Argumentation einzubauen. Da war die Mutter eines fünfjährigen Mädchens, das bei einem Unfall starb. "Ihr Mörder war ein illegaler Einwanderer", sagte Trump. Und fügte hinzu: "Wir schieben kriminelle illegale Einwanderer in Rekordzahlen ab – und wir werden sie verdammt noch mal schnell los." Der Rest des Satzes ging im Jubel der Republikaner unter. Trumps Rezept gegen illegale Einwanderer, von denen viele Millionen, teils seit Jahrzehnten in den USA leben, arbeiten und Steuern zahlen: Er fordert vom Kongress ein Gesetz, das diesen Menschen den Erwerb eines Führerscheins verbietet. Auch die Eltern der Nationalgardisten, die ein Afghane im November in Washington mit Schüssen, teils schwer verwundet und teils tödlich verletzt hatte , waren anwesend. Der Soldat, der überlebt hat, war ebenfalls auf der Tribüne. Er und seine tote Kameradin erhielten von Trump das "Purple Heart". Es wird an Soldaten verliehen, die im Kampf von gegnerischen Kräften verwundet oder getötet wurden. Der Präsident bezeichnete den Täter als "Monster". Die Eltern brachen in Tränen aus. Was an diesem Abend auffällt: Trump wählte nur Gewaltopfer aus, bei denen die Täter Ausländer waren. Später bat er Erika Kirk, die Witwe des im vergangenen Jahr ermordeten Charlie Kirk , aufzustehen. Ihr Mann sei, so Trump, "für seinen Glauben zum Märtyrer geworden". Man müsse "jede Form politischer Gewalt vollständig zurückweisen", sagte er, um auch hier im nächsten Atemzug wieder auf seine Einwanderungspolitik zu verweisen. Es war trotzdem einer der wenigen Momente, in denen auch die Demokraten aufstanden und klatschten. Es war ein erster kluger Schachzug von Trump. Trumps Kniffe trieben die Demokraten in die Enge Dann stellte Trump seinen politischen Gegnern eine rhetorische Falle. "Wenn Sie dieser Aussage zustimmen, dann stehen Sie auf und zeigen Sie Ihre Unterstützung", hob er an und sagte dann: "Die erste Pflicht der amerikanischen Regierung ist es, amerikanische Bürger zu schützen, nicht illegale Einwanderer." Die meisten Demokraten blieben daraufhin sitzen, wenige klatschten. Trump grinste höhnisch. "Sie sollten sich schämen", sagte er. Es war der Auftakt für ein hitziges Wortgefecht. "Sie sollten sich schämen!", rief die in Somalia geborene US-Abgeordnete Ilhan Omar und forderte Trump im Gegenzug auf, alle Akten zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein freizugeben. Auch die Abgeordnete Rashida Tlaib schrie in Richtung des Präsidenten, seine Regierung habe Amerikaner getötet. Sie bezog sich auf die Tötung der beiden Demonstranten aus Minnesota, Renée Good und Alex Pretti. Es blieb bei diesen Zwischenrufen, die vom Gelächter und Applaus der Republikaner übertönt wurden. Minneapolis im Ausnahmezustand: "Der Präsident ist ein Mörder" Trump holte dann auch noch die erfolgreiche US-Olympia-Eishockeymannschaft in den Saal. "Das goldene Männer-Olympiateam im Hockey, kommt herein!", rief er. Der Applaus und Jubel waren parteiübergreifend groß. Über den Torwart sagte Trump: "Ich habe noch nie einen Torhüter so spielen sehen." Und kündigte an, ihm die Presidential Medal of Freedom zu verleihen. Es ist die höchste zivile Auszeichnung des Landes. Wer sollte da etwas dagegen haben? Im Eishockey ist Kanada für alle der Erzfeind. Über das Frauenteam, das eine Einladung zur Rede wohl ausgeschlagen hatte, bemerkte er, dass die "bald ins Weiße Haus kommen" würden. Wirtschaft als Wundererzählung Im Zentrum von Trumps Rede aber stand die Wirtschaft, die ausgerechnet für ihn aktuell der größte Schwachpunkt ist. Dabei gestanden ihm die Wähler hier 2024 eine klare Kompetenz zu. Der Präsident sprach an diesem Abend von "einer Wende für die Ewigkeit". "Noch nie in der Geschichte unseres Landes waren mehr Amerikaner in Arbeit als heute", behauptete er. Und: "In nur einem Jahr haben wir 2,4 Millionen Amerikaner weg von den Lebensmittelmarken geholt." Er pries einen Dow Jones , der über 50.000 Punkte stehe – "vier Jahre früher als geplant", so Trump. Er sprach von "Hunderten Milliarden Dollar", die durch Zölle in die Staatskasse geflossen seien. "Die Zölle retten unser Land", erklärte er. Und wiederholte seine bekannte These, diese Einnahmen von ausländischen Staaten würden eines Tages sogar die Einkommenssteuer ersetzen und "den Menschen, die ich liebe, eine enorme finanzielle Last abnehmen", so Trump. Die Inflation , die er ausschließlich seinem Vorgänger Joe Biden und den Demokraten anlastete, bezeichnete er als überwunden. "Ihre Politik hat die Preise in die Höhe getrieben; unsere Politik beendet das jetzt rasend schnell", sagte er. Dass viele Preise, wie etwa die von Kaffee, Fleisch oder Bananen, weiterhin deutlich über dem Niveau früherer Jahre liegen, blieb unerwähnt. Zwar ist nicht jede positive Entwicklung, von der Trump sprach, frei erfunden. Die unter Biden begonnene wirtschaftliche Erholung hält weiter an, und es gibt tatsächlich Kursgewinne. Doch die Rede lebte von Superlativen und Übertreibungen. Und Trump sparte aus, dass Millionen von Menschen unter ihm in finanzielle Bedrängnis geraten sind. Etwa wegen seiner Gesundheitspolitik, aber auch der anhaltend hohen Lebenshaltungskosten. Ob die Amerikaner ihm die Erzählung vom wirtschaftlichen Erfolg abnehmen, ist angesichts der historisch schlechten Umfragewerte zumindest fraglich. Die Prüfung muss im Herbst bestanden werden Trump kündigte einen "Krieg gegen Betrug" an. Sein Vizepräsident JD Vance soll diesen anführen. "Wenn wir genug von diesem Betrug aufdecken, dann haben wir über Nacht einen ausgeglichenen Haushalt", versprach Trump. Ausgerechnet er schlug ein Gesetz gegen Insiderhandel vor und führte die Demokratin Nancy Pelosi vor, stellte sie wegen Insiderhandels an den Pranger. Über seine eigenen fragwürdigen Machenschaften mit Kryptowährungen, wie den "Trump und Melania Meme Coin" und die vielen weiteren korrupten Vorgänge in seiner Regierung, schwieg er sich dagegen aus. 2026 wird ein wichtiges Jahr für den Präsidenten. Amerika steht vor seiner 250. Geburtsstunde. Und Trump will das für sich nutzen. Und so ehrte er noch schnell einen Helden des Zweiten Weltkriegs, Buddy Taggart. "An diesem Abend sitzt er auf der Galerie und freut sich auf den 4. Juli 2026 – seinen 100. Geburtstag"; sagte Trump. Es ist der Tag, an dem er als Präsident historisch triumphieren will. Dann sind es noch vier Monate bis zu den Zwischenwahlen. Um dort zu gewinnen, werden Trump und die Republikaner allerdings mehr als eine fast zweistündige Rede benötigen.

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