Warner Bros.: "Was hat Trump dem Netflix-Boss gesagt?"
Der Konzern Paramount kauft den Filmgiganten Warner Bros. Der Deal zeigt durchaus einige Merkwürdigkeiten. Und alle Spuren führen ins Weiße Haus. Jetzt ist es also passiert. Warner Bros. Discovery (WBD), eines der Gründungsstudios Hollywoods, wird aufgekauft. Damit gehen zugleich auch der Kabelsender HBO sowie neben anderen auch der Nachrichtensender CNN in neue Hände über. HBO gilt als Pionier des qualitativ hochwertigen Streamingfernsehens. Das Cable News Network (CNN) gilt als eine der letzten politisch unabhängigen TV-Stationen. Der Deal ist so gut wie sicher, nachdem Netflix am Donnerstag aus der Bieterschlacht mit dem Konkurrenten Paramount ausgestiegen ist. "Wir waren schon immer diszipliniert", hieß es in einer Mitteilung von Netflix. "Bei dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist das Geschäft jedoch finanziell nicht mehr attraktiv. Daher lehnen wir es ab, mit dem Gebot von Paramount Skydance mitzuziehen", hieß es in der Erklärung. Die Aktionäre des Streaminggiganten honorierten die Entscheidung, die Aktie von Netflix legte im nachbörslichen Handel um rund zehn Prozent zu. Unmittelbar zuvor hatte Warner Brothers ein nochmals verbessertes Gebot von Paramount formal als "überlegen" eingestuft. Dennoch hielt der Warner-Verwaltungsrat trotz des neuen Paramount-Angebots an seiner Empfehlung an die Aktionäre fest, das Übernahmeangebot von Netflix anzunehmen, wie es in einer nach US-Börsenschluss veröffentlichten Mitteilung hieß. Die Abstimmung darüber wurde auf den 20. März angesetzt. Trump: "Werde an dieser Entscheidung beteiligt sein" Anfang Dezember waren Warner und Netflix eine verbindliche Übernahmevereinbarung für das Studio- und Streaming-Geschäft eingegangen. Wenige Tage später wandte sich Paramount direkt an die Warner-Aktionäre und bot 108,4 Milliarden Dollar für den gesamten heutigen Konzern Warner Bros. Discovery samt den TV-Sendern, darunter CNN. Netflix bot zuletzt knapp 83 Milliarden Dollar für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft – ohne die Nachrichtensender. Dass nun Paramount Skydance die traditionsreiche Warner Bros. kauft, werten Experten als "feindliche Übernahme". Vorausgegangen waren erhebliche Störmanöver der US-Politik, namentlich durch US-Präsident Donald Trump . Der hatte sich bereits Anfang Dezember – als sich andeutete, dass es zur Übernahme durch Netflix kommen würde – in die Verlaufssaga eingeschaltet. Der Republikaner machte keinen Hehl daraus, was er von dem Vorgang hielt. "Sie [Netflix] haben jetzt schon einen sehr großen Marktanteil", sagte Trump im Interview mit NBC News. "Mit Warner Bros. steigt dieser Anteil noch einmal deutlich." Der Präsident fügte hinzu, dass er sich mit Wirtschaftsexperten beraten werde, und sagte: "Ich werde an dieser Entscheidung beteiligt sein." "Kultur der Angst" unter Amerikas Firmenbossen Die Aussage wurde von Beobachtung als handfeste Drohung verstanden. Der Präsident versuchte offenbar, Einfluss auf eine Entscheidung des freien Marktes zu nehmen. Tatsächlich sahen auch unabhängige Analysten den Netflix Warner-Deal kritisch. Es wäre allerdings Aufgabe der US-Wettbewerbshüter gewesen, eine entsprechende Bewertung der Rechtmäßigkeit des Handels vorzunehmen. Nicht des Präsidenten. Doch Trump mischt sich nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit aktiv in den Markt ein. So hat seine Regierung bereits für mehr als zehn Milliarden Dollar Aktien an US-Unternehmen gekauft, darunter den Chiphersteller Intel und an Bergbau- und Stahlunternehmen. So kann die Trump-Administration erheblichen Einfluss auf die entsprechenden Unternehmen und auf ganze Branchen nehmen. Zudem hat Trump eine "Kultur der Angst" unter Amerikas CEOs etabliert, wie es der US-Ökonom Bennett Freeman beschreibt. Sie fressen dem 79-Jährigen aus der Hand, wer sich ihm und seiner MAGA-Politik widersetzt, muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Trump zu verärgern ist schlecht fürs Geschäft, so Freeman. Und so kam es, dass just im Dezember, als der Deal zwischen Warner Bros und Netflix schon beschlossene Sache war, plötzlich ein anderer Bewerber wieder auf der Bildfläche erschien: Paramount Skydance. Das Unternehmen gehört David Ellison, einem amerikanischen Milliardär und bekannten Filmproduzenten in Hollywood . Ellison hat mit seiner Filmfirma Paramount nicht nur Blockbuster wie "Mission: Impossible – Rogue Nation" oder "Top Gun: Maverick" produziert. Seit 2024 ist er auch Besitzer des US-Senders CBS. Damals kaufte er den Medienkonzern Skydance, zu dem auch der Nachrichtenkanal gehört. Netflix-Chef: "Nicht um jeden Preis" CBS, unter anderem durch kritische Investigativformate wie "60 Minutes" bekannt, erlebte seit der Übernahme nicht nur einen Wechsel an der Führungsspitze. Aufmerksamen Beobachtern in den USA entging nicht, dass der einst eher liberale Sender plötzlich auffallend deutlich nach rechts abbog. Immer wohlwollender wurde auch die Haltung des Senders zum US-Präsidenten Trump. Erst vor einer Woche sorgte CBS für Aufsehen, als es dem bekannten Talkshow-Gastgeber Stephen Colbert verbot, ein Trump-kritisches Interview in seiner Sendung auszustrahlen. Das US-Politmagazin "The Nation" titelte daraufhin: "CBS hat endgültig vor Trump kapituliert". Den neuen, konservativen Kurs des Senders führen Medienexperten auf David Ellisons gutes Verhältnis zum US-Präsidenten zurück. Ellison ist der Sohn von Oracle-Gründer Larry Ellison, einem schwerreichen Software-Tycoon, der seit Jahrzehnten mit Trump befreundet ist. Ellison wird nachgesagt, Millionen Dollar in die Finanzierung der Trump-Kampagne investiert zu haben, um sich so Einfluss im Weißen Haus zu sichern. Dieses Investment könnte sich nun auszahlen. Denn der Warner-Bros-Deal steckt voller Merkwürdigkeiten. Nicht nur die unverhohlene Einflussnahme des Präsidenten im Vorfeld. Auch die Tatsache, dass Paramount nun ein Angebot vorlegte, das wirtschaftlich mindestens überraschen dürfte. 31 Dollar pro Aktie zahlt die Ellison-Firma für die Übernahme des Konkurrenten. Netflix hatte lediglich 27,75 Dollar pro Aktie geboten. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Während das Netflix-Angebot bei 83 Milliarden Dollar lag (für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft), zahlt Paramount nun 108,4 Milliarden Dollar für den gesamten heutigen Konzern Warner Bros. Discovery. Trump: "Alles Müll. Alles Fake" Ted Sarandos, Co-Chef von Netflix, betonte denn auch, man sei nicht bereit, verrückte Sachen zu machen. Der Deal sei finanziell nicht mehr attraktiv. "Diese Transaktion war immer ein 'Nice to have' zum richtigen Preis, kein 'Must have' um jeden Preis." Warum aber zahlt Paramount diesen Preis? Die Antwort könnte wiederum im Weißen Haus zu finden sein. Denn dort sitzt mit Donald Trump jemand, der es schon lange auf den renommierten Sender CNN abgesehen hat. "Was da läuft, ist alles Müll. Alles Fake News", schimpfte der Präsident vor einigen Monaten über die Berichterstattung des Senders. Im Dezember, mitten in der Übernahmeschlacht, sagte Trump vor Reportern im Weißen Haus: "Ich denke, CNN sollte verkauft werden. Weil ich überzeugt bin, dass die Leute, die CNN führen, entweder korrupt oder total unfähig sind". Seltsam auch, dass Netflix-Chef Ted Sarandos erst Stunden vor dem Ausstieg seines Unternehmens aus dem Bietergefecht im Weißen Haus zu sehen war. Was dort besprochen wurde, ist nicht bekannt. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren vermutet jedenfalls, dass es auch um den Warner-Bros.-Deal gegangen sein dürfte. "Eine Fusion zwischen Paramount Skydance und Warner Bros. ist ein Desaster für den freien Wettbewerb. Es drohen höhere Preise und weniger Vielfalt für die amerikanischen Zuschauer", teilte Warren per Stellungnahme mit. Darin stellte sie auch die Frage: "Was hat Trump dem Netflix-CEO heute im Weißen Haus bloß gesagt?". Will Trump zwei CNN-Moderatorinnen loswerden? Womöglich, dass bei einem höheren Angebot von Netflix das Trump gewogene Justizministerium der Fusion seine Zustimmung verweigern könnte. Das wäre nicht nur eine Blamage für Netflix, sondern auch teuer für den Konzern geworden. Experten gehen hingegen davon aus, dass die Wettbewerbshüter dem Übernahmeangebot durch Paramount Skydance sehr wohl zustimmen werden. Dass der Deal noch scheitert, ist nicht zu erwarten. Was das für den bislang unabhängigen, Trump-kritischen Nachrichtensender CNN bedeutet, bleibt abzuwarten. Senatorin Warren blieb jedenfalls nichts anderes, als eine deutliche Warnung an das amerikanische Volk auszusprechen. "Eine Handvoll Trump-naher Milliardäre versucht, die Kontrolle darüber zu erlangen, was Sie sehen [...]. Angesichts der Korruptionsvorwürfe, die über Trumps Justizministerium schweben, liegt es nun am amerikanischen Volk, sich zu Wort zu melden, und an den Generalstaatsanwälten, das Gesetz durchzusetzen", sagte Warren. Erst einmal könnte die Trump-nahe Milliardärsfamilie Ellison ihre Vorstellungen von Nachrichtenjournalismus durchsetzen. Beim Sender CNN dürfte nun das große Zittern beginnen. Wie der britische "Guardian" schon im vergangenen November unter Berufung auf anonyme Quellen im Weißen Haus berichtete, soll David Ellisons Vater Larry von der Trump-Administration bereits eine Wunschliste mit CNN-Moderatoren entgegen genommen haben, die im Falle einer Übernahme des Senders zu entlassen seien. Darunter die beiden Moderatorinnen Erin Burnett und Brianna Keilar. Sie sollen Trump offenbar schon lange ein Dorn im Auge sein. Der "Guardian" bat das Weiße Haus damals um eine Stellungnahme. Die Antwort lautete: kein Kommentar.