Lazar Samardžić: Ex-DFB-Talent steht vor Bayern-Spiel am Scheideweg
Mit seinem Tor ebnet Lazar Samardžić Atalanta Bergamo den Weg ins Champions-League-Achtelfinale, wo der FC Bayern wartet. Der gebürtige Berliner könnte damit seiner Karriere einen neuen Schub verleihen. Wie ein Spieler einen Elfmeter schießt, ist auch immer der Ausdruck davon, wie groß sein Selbstbewusstsein ist. Als Lazar Samardžić in der achten Minute der Nachspielzeit in den Champions-League-Playoffs gegen Borussia Dortmund zum Elfmeter antrat, jagte er den Ball mit voller Überzeugung in den rechten Winkel des Tores. Der Jubel war grenzenlos. Nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel war Atalanta Bergamo durch den 4:1-Erfolg über den BVB Ende Februar ins Achtelfinale der Königsklasse eingezogen. Dort treffen die Italiener um Samardžić am Dienstagabend auf den FC Bayern (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online). Mit Blick auf seine bisherige Saison war dieser perfekte Elfmeter keine Selbstverständlichkeit. Vor dem BVB-Spiel absolvierte der 24-Jährige in allen Wettbewerben lediglich zwei Spiele über 90 Minuten. Der Abend gegen den BVB könnte aber die Wende in seiner Saison sein. Und die Situation ist in gewisser Weise prägend für die bisherige Geschichte des talentierten Mittelfeldspielers. Nagelsmann sprach Samardžić wichtige Eigenschaften ab Ausgebildet wurde Samardžić bei Hertha BSC . Er durchlief sämtliche Jugendteams der Berliner und war deutscher Junioren-Nationalspieler. 2020 durfte er beim 4:0-Sieg seiner Hertha gegen den Stadtrivalen Union Berlin zum ersten Mal acht Minuten Bundesliga-Fußball spielen. Anschließend kamen für den damals 18-Jährigen nur noch zwei Kurzeinsätze hinzu. Er wollte unbedingt in seiner Heimat bleiben, "aber bei der Hertha hat mir die Wertschätzung gefehlt", gab er später im Interview mit "rbb24" zu. "Der Sprung zu den Profis war zwar da, aber mir wurde kein Plan aufgezeichnet. Es wurde nie gesagt: 'Lazar, du bist unsere Zukunft und wir bauen auf dich.'" Daher wechselte er für 500.000 Euro zu RB Leipzig . Doch bei den Sachsen unter Trainer Julian Nagelsmann wurde es nur bedingt besser. In neun Pflichtspielen kam er auf 244 Spielminuten. "Ihm fehlt der Punch, das Entscheidungs-Gen, die Männlichkeit, um sich in der Bundesliga richtig durchzusetzen", kritisierte der heutige Nationaltrainer damals relativ deutlich. Im Interview mit "Spox" berichtete Samardžić hingegen von nicht eingehaltenen Absprachen, übte aber auch Selbstkritik. "Vielleicht war ich damals auch noch nicht so bereit und fit, wie ich es mittlerweile bin." Samardžić Teil einer Generation, die dem DFB-Team absagt Den Profi-Feinschliff holte sich der Spielmacher erst mit seinem Wechsel zu Udinese Calcio. Nach nur einem Jahr in Leipzig ging es für drei Millionen Euro nach Norditalien. Samardžić spielte regelmäßig, und der damalige Bundestrainer Hansi Flick wollte ihn im März 2023 für die deutsche Nationalmannschaft nominieren. Doch für ihn sei klar gewesen, dass er für Serbien spielen möchte, das Heimatland seiner Eltern. Nach Gesprächen mit Serbiens Nationalcoach habe ihn die Perspektive überzeugt, sagte er bei "Sport1". Mittlerweile hat er 26 Länderspiele absolviert. In gewisser Weise ist er damit auch ein Vorreiter für eine Reihe talentierter Nachwuchsspieler, die vom DFB ausgebildet wurden, sich im Herrenbereich aber für ein anderes Nationalteam entschieden haben. Und kurioserweise werden Samardžić, aber auch Paul Wanner (künftig Österreich), Can Uzun (Türkei), Ibrahim Maza (Algerien) und Fisnik Asllani (Kosovo) alle auf der gleichen Position im offensiven Mittelfeld eingesetzt. "Schwerste Entscheidung": DFB-Talent entscheidet sich gegen die deutsche Nationalmannschaft Das Problem: Mit Spielern wie Jamal Musiala , Florian Wirtz , Nick Woltemade und auch Kai Havertz gibt es bereits zahlreiche namhafte DFB-Stars auf dieser Position. Mehrere Jungstars fehlten aufgrund dieser Konkurrenz eine Perspektive, weshalb sie sich für ein anderes Land entschieden. Trainer verzweifeln an seinen Leistungsschwankungen Eine gewisse Perspektive suchte Samardžić in Bergamo zunächst auch. Nachdem ein Wechsel zu Inter Mailand im Sommer 2023 geplatzt war, ging es 2024 zunächst auf Leihbasis nach Bergamo. Im vergangenen Sommer wurde er für 15 Millionen Euro fest verpflichtet, die Rückennummer 10 sollte zudem zum Ausdruck bringen, dass der Klub ihm viel Vertrauen schenkt. Aber schon in seinem ersten Jahr unter Trainer Gian Piero Gasperini wurde er regelmäßig angezählt: Das Potenzial sei da, die Leistungen seien aber viel zu schwankend. In der vergangenen Ligasaison spielte er lediglich dreimal über die kompletten 90 Minuten. Und wirklich besser wurde es unter seinem aktuellen Trainer Raffaele Palladino vorerst auch nicht. Durch seine phlegmatische Körpersprache, wenn es nicht läuft und die in ihm brodelnde Ungeduld, legt er sich häufig selbst Steine in den Weg. Bei der 0:1-Niederlage im letzten Ligaspiel der Champions League gegen Saint-Gilloise durfte er beginnen, enttäuschte jedoch und wurde nach 52 Minuten ausgewechselt. "Heute Abend hätte sich die Gelegenheit bieten können, Antworten zu finden. Und Antworten findet man immer auf dem Platz, anders als im Training", wurde Trainer Palladino im Nachgang mit Blick auf Samardžić deutlich. Sogar ein Abgang im Winter war denkbar. Dann kam die Dortmund-Woche: Drei Tage zuvor erzielte er den Siegtreffer beim 2:1-Erfolg in der Liga gegen Meister Neapel und tankte somit wohl auch genug Selbstvertrauen für den Elfmeter gegen den BVB. Seit diesem Erfolg stand er in den drei folgenden Pflichtspielen in der Startelf. Nun wird sich gegen den FC Bayern zeigen, ob die beiden Erfolgserlebnisse wieder nur kurze Hochphasen waren oder Samardžić auf Top-Niveau konstant gute Leistungen bringen kann.