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Heizungsgesetz: Wann kommt Wasserstoff für die Gasheizung?

Jeden Tag beantwortet ein Experte aus der t-online-Ratgeberredaktion eine Leserfrage rund ums Geld. Heute geht es um das Thema Heizen. Aktuell beschäftigen sich viele deutsche Haushalte mit der Frage, wie sie in Zukunft heizen wollen. Derzeit hat knapp die Hälfte der Wohngebäude in Deutschland eine Gasheizung als zentrale Wärmequelle. Doch das soll sich ändern, denn Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Die Bundesregierung hat aber Ende Februar bekannt gegeben, dass sie, anders als die Vorgängerregierung, den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen nicht einschränken will . Stattdessen sollen Energieanbieter schrittweise mehr sogenannte " grüne Gase " wie Wasserstoff und Biomethan sowie Bio-Öle in Verkehr bringen. So könnten auch Gas- und Ölheizungen klimafreundlich betrieben werden, sagt die schwarz-rote Koalition. Den Kauf von Wärmepumpen, Pelletheizungen und anderen klimafreundlichen Systemen will sie aber trotzdem staatlich fördern. Ein t-online-Leser hat dazu zwei Fragen. Zum einen möchte er wissen, ob grüner Wasserstoff irgendwann das Erdgas im Gasnetz ablösen wird; zum anderen fragt er: "Ist der Wasserstoff für die heutigen Heizungen geeignet?" Heizungen für grünen Wasserstoff gibt es noch nicht Zunächst einmal muss klargestellt werden: Grüner Wasserstoff wird aktuell in Deutschland und weltweit kaum hergestellt. Er muss in sogenannten Elektrolyseuren hergestellt werden, die in Deutschland noch gebaut werden müssen. Für die Herstellung des grünen Wasserstoffs werden große Mengen Ökostrom benötigt, die dann in das Gas umgewandelt werden. Die erste Frage des Lesers kann man also nur mit einem Fragezeichen beantworten. Ob jemals genug Wasserstoff hergestellt wird, um es in relevanten Mengen in das Gasnetz einzuspeisen, steht nicht fest. Rein theoretisch wäre es aber technisch möglich, Wasserstoff in das bestehende Gasnetz beizumischen. Häufig ist von 10 bis 20 Prozent Beimischungsquote die Rede, ohne dass es größere Anpassungen geben müsste. Diese Quote könnten moderne Gasheizungen grundsätzlich auch ohne technische Veränderungen vertragen, erklärt der Bundesverband der Heizungsindustrie (BDH). Sollten höhere Mengen beigemischt werden, dann müssten bestehende Gasheizungen allerdings mindestens umgerüstet, möglichweise sogar ganz ausgetauscht werden. Viele Heizungsbauer verkaufen heute sogenannte "H2-Ready"-Heizungen, die damit werben, Wasserstoff nutzen zu können. Das ist aber nur halb richtig: Auch diese Heizungen sind technisch nicht in der Lage, zu 100 Prozent mit Wasserstoff betrieben zu werden . Um das zu tun, müssten diese Heizungen noch mal umgerüstet werden. Dazu wollen die Heizungsbauer in Zukunft sogenannte "Umrüstkits" anbieten. Wann und zu welchem Preis, ist aber noch unklar. Heizungen, die von vornherein zu 100 Prozent mit Wasserstoff laufen, gibt es heute nicht. Wasserstoff ist teuer Zudem gilt es zu bedenken: Wasserstoff wird dringend in der Industrie benötigt, um klimaneutral zu werden. Es gibt industrielle Prozesse, für die nur Wasserstoff oder andere grüne Gase als Ersatz für Erdgas infrage kommen. Deshalb warnen aktuell auch Vertreter der Industrie die Bundesregierung davor, das Heizen mit Wasserstoff zu bewerben. Diese nur in knappen Mengen verfügbaren Gase braucht es anderswo dringender als für Heizungen. Gebäudeeigentümer haben nämlich auch andere Möglichkeiten, etwa Wärmepumpen, Fernwärme, Pelletheizungen oder Solarthermieanlagen . Für Gebäudeeigentümer ist Wasserstoff außerdem preislich unattraktiv. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts hat Ende 2025 ergeben, dass Wasserstoff für Verbraucher im Jahr 2035 mutmaßlich zwischen 21 und 33 Cent/Kilowattstunde kosten würde. Zum Vergleich: Erdgas kostet heute rund 9 Cent/kWh. Kommunale Wärmeplanung entscheidet über Wasserstoff Wer also glaubt, dass er seine bestehende Gasheizung in Zukunft nur mit Wasserstoff betreiben kann, der irrt sich. Es wird mindestens notwendig sein, eine neue Wasserstoffheizung zu kaufen. Solche Geräte existieren heute allerdings nicht. Zudem ist noch offen, wann und zu welchem Preis der Wasserstoff in Zukunft in die Netze eingespeist werden kann. Verbraucher, die jetzt schon über ihre Heizung der Zukunft nachdenken, sollten daher andere Optionen in Erwägung ziehen. Ob das Gas überhaupt ins Netz eingespeist wird, entscheiden ohnehin nicht die Verbraucher selbst, sondern die Netzbetreiber zusammen mit den Kommunen. In Ihrer kommunalen Wärmeplanung können Sie nachlesen, ob Ihre Kommune mit Wasserstoff plant oder nicht. Die Wärmepläne müssen bis Mitte 2026 in Großstädten und bis Mitte 2028 in kleineren Orten vorgelegt werden.

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