Deutschland: Ex-FDP-Bundestagsabgeordneter wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt
Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hartmut Ebbing, der von 2017 bis 2021 für die FDP im Bundestag saß, ist am Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in erster Instanz schuldig gesprochen worden. Das Landgericht Braunschweig verurteilte den 69-Jährigen unter Einbeziehung einer Vorstrafe zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden konnte.
Die Vorstrafe war ebenfalls aus dem Dunstkreis der Pädophilie: 2025 hatte das Amtsgericht Tiergarten (Berlin) Ebbing wegen Verbreitung und Besitzes von Kinderpornografie verurteilt – damals zu zehn Monaten auf Bewährung. Das Berliner Verfahren war auch der Ausgangspunkt für weitergehende Ermittlungen, die nun zum erstinstanzlichen Urteil führten. Die in Braunschweig mitangeklagte Lebenspartnerin Ebbings, von Beruf Lehrerin, hatte Aufnahmen davon gemacht, wie dieser ihren damals sieben Jahre alten Sohn missbrauchte. Einzelheiten und Intensität der Handlungen drangen bislang nicht an die Presse. Diese Aufnahmen waren unter jenen, die der FDP-Mann auf seinem Computer aufbewahrte.
Im Prozess vor dem Landgericht Braunschweig gestand Ebbing pädosexuelle Neigungen, bestritt jedoch, den siebenjährigen Sohn seiner Partnerin angefasst zu haben.
Dem widersprach die Frau – sie habe gesehen, wie Ebbing das Kind intim berührt habe. Die 52-jährige Frau hatte eingeräumt, Bilder ihrer Taten gemacht und an Ebbing geschickt zu haben. Die beiden sollen damals eine kurze Beziehung geführt haben, die knapp drei Monate gedauert hat. Die Frau erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Mit den ausgesprochenen Strafen ging das Gericht für beide Angeklagten über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, eine Revision ist möglich. Der suspendierten Lehrerin stehen weitere Verfahren wegen des Sorgerechts für das Kind und ein disziplinarrechtliches Verfahren bevor.
Der 1956 in Westberlin geborene Hartmut Ebbing war seit 1995 FDP-Mitglied und den Großteil seines Berufslebens Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Im Bundestag war er kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Von 2024 bis zum 6. Februar 2026 war er Schatzmeister der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Aus der FDP trat er erst kurz vor Prozessbeginn in Braunschweig aus. Ebbing ist selbst Vater von drei Kindern.
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